Do., 11.04.2019

Ausstellung in Borgholzhausen über den Luisenturm und seine Namenspatronin Luise lockt nach Pium

Carl-Heinz Beune (links) und Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider mit einer Replik der berühmten »Prinzessinnen-Gruppe« von Gottfried Schadow. Die beiden freuen sich auf zahlreiche Besucher zur Museumseröffnung am kommenden Sonntag, 14. April.

Carl-Heinz Beune (links) und Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider mit einer Replik der berühmten »Prinzessinnen-Gruppe« von Gottfried Schadow. Die beiden freuen sich auf zahlreiche Besucher zur Museumseröffnung am kommenden Sonntag, 14. April. Foto: Johannes Gerhards

Von Johannes Gerhards

Borgholzhausen (WB). Zum Andenken an »unsere hochselige unvergessliche Königin Luise« legten eine Handvoll Männer in Borgholzhausen am 10. März 1893, 100 Jahre nach ihrer Hochzeit mit Friedrich Wilhelm III., den Grundstein für den Luisenturm auf der Johanniskuppe.

Heute gehört die vierte Version dieses Bauwerks zusammen mit der zugehörigen Luisenturmhütte zu den beliebtesten touristischen Attraktionen von Borgholzhausen. Ihm und seiner prominenten Namensgeberin ist eine Ausstellung gewidmet, die der Heimatverein zusammen gestellt hat. Wenn das Heimatmuseum am Sonntag, 14. April, um 15 Uhr anlässlich seiner Neueröffnung nach der Winterpause wieder öffnet, gibt es nicht nur Kaffee und Kuchen. Die Besucher können sich auch auf rund 50 Exponate freuen, die zum Teil aus der Privatsammlung von Carl-Heinz Beune stammen.

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Ein früher Tod verstärkt den Mythos und mehrt den Nachruhm.

Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider über Luise von Mecklenburg-Strelitz, die mit 34 Jahren starb

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Im Nachklang zum 125-jährigen Bestehen des Luisenturms werden zudem fotografische Dokumente und historische Abbildungen der vier Türme, die 1893, 1924, 1953 und 1991 errichtet wurden, zu sehen sein. »Ein früher Tod verstärkt den Mythos und mehrt den Nachruhm«, sagt Stadtarchivar Dr. Rolf Westheider über Luise von Mecklenburg-Strelitz, die 1810 mit 34 Jahren an Lungenentzündung starb. Im öffentlichen Bewusstsein sei die Großmutter von Kaiser Wilhelm II. und der mit ihr verbundene Luisenkult ein Anker des Wilhelmismus gewesen.

Westheider wird eine Einführung in die Ausstellung geben und dabei auch auf Gottfried Schadows berühmte »Prinzessinnen-Gruppe« und eine Karikatur von Johannes Grützke eingehen, in der sich ein Bildhauer Napoleon Bonaparte zur Brust nimmt, während Luise und ihre jüngere Schwester Friederike mit spöttischem Gesichtsausdruck daneben stehen. »Bei der legendären Begegnung mit Napoleon in Tilsit 1807 sollte Luise nach den verheerenden militärischen Niederlagen bei Jena und Auerstedt die Kohlen aus dem Feuer holen und für Preußen bestmögliche Bedingungen erreichen«, erläutert Westheider die politischen Hintergründe.

Menschen fühlten sich mit Luise emotional verbunden

Die Menschen haben sich mit Luise emotional verbunden gefühlt, zahlreiche Straßen und Schulen wurden nach ihr benannt. Nach Angaben von Carl-Heinz ­Beune ist die Benennung eines Aussichtsturms dagegen recht exklusiv, in dieser Kategorie liege »Konkurrent« Bismarck weit vorn. Unmittelbar nach der Wende hat er viele der Ausstellungsobjekte in der Ex-DDR günstig erworben.

Allerdings habe der Luisenbund als weibliches Pendant zum »Stahlhelm« dem unterschwellig weiter lebenden Monarchismus gefrönt und so wesentlich zum Erstarken des Nationalsozialismus beigetragen, so weist Rolf Westheider auf die Schattenseiten des Luisenkults hin. Mit der bis zum 9. Oktober dauernden Ausstellung wolle man verdeutlichen, wie sich nationale Geschichte im Ort widerspiegelt, und das »Große im Kleinen« abbilden.

Ein anderes Projekt unter Mitwirkung von Frank Foeste wird Anfang September im Piumer Rathaus realisiert. Dann wird der Bogen etwas weiter gespannt und die Frage gestellt, wie sich die damalige Königin der Herzen vom »strahlenden Stern zur Kultfigur« entwickelt hat.

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