Do., 20.06.2019

Tatverdächtige (53) in Borgholzhausen wählte selbst den Notruf Getötete Seniorin: Nachbarin festgenommen

Eine Vase mit Blumen und Kerzen stehen vor dem Mehrfamilienhaus, in dem Evelyn W. durch mehr als zehn Messerstiche getötet worden ist. Die Polizei nahm am Mittwoch eine Nachbarin (53) fest, die unter dringendem Tatverdacht steht.

Eine Vase mit Blumen und Kerzen stehen vor dem Mehrfamilienhaus, in dem Evelyn W. durch mehr als zehn Messerstiche getötet worden ist. Die Polizei nahm am Mittwoch eine Nachbarin (53) fest, die unter dringendem Tatverdacht steht. Foto: Jan Gruhn

Von Stefan Küppers

Borgholzhausen (WB). Vor mehr als eineinhalb Wochen wurde die Seniorin Evelyn W. (86) mit einer Vielzahl von Messerstichen und einer Platzwunde am Kopf tot in ihrer Wohnung gefunden. Am Mittwochmittag hat die Polizei – wie berichtet – eine Nachbarin (53) festgenommen.

Bei der Tatverdächtigen handelt es sich demnach um die Frau, die am Pfingstsamstag die Polizei und Rettungskräfte rief, weil das Opfer nicht auf die Türklingel reagiert habe, wie sie anfangs aussagte. Es war auch von Flüssigkeiten die Rede, die aus der Wohnung der Toten in den Hausflur geflossen seien.

Nach Nachbarschaftsbefragung erhärtete sich der Verdacht

Nachdem über gut eine Woche von den Ermittlern keine weiteren Informationen veröffentlicht worden waren, gab es am Mittwochnachmittag eine kurze Presseerklärung des Polizeipräsidium Bielefeld und der Bielefelder Staatsanwaltschaft, in der die Festnahme der Frau und die Anordnung von Untersuchungshaft durch einen Richter wegen des Verdachts des Totschlags mitgeteilt wurde. »Zur Motivation der Tat laufen die Ermittlungen noch«, teilt Polizeisprecherin Hella Christoph auf Nachfrage mit. »Die Frau hat noch nicht gestanden.«

Sie wohnt im selben Haus wie das Opfer Evelyn W. »Sie verstrickte sich bei ihrer Befragung durch Kriminalbeamte in Widersprüche«, hieß es weiter. Im Rahmen der Nachbarschafts- und Zeugenbefragungen habe sich der Verdacht gegen die 53-Jährige erhärtet.

53-Jährige bewohnte Wohnung im Obergeschoss

Am Mittwochmittag schlugen die Ermittler dann zu. Begleitet von mehreren Kriminalbeamten wurde die 53-Jährige in Handschellen abgeführt, wie Nachbarn beobachten konnten. Die Frau bewohnt mit ihrem Ehemann im Rentenalter eine Wohnung im Obergeschoss des Sechsfamilienhauses. Evelyn W. lebte in der Parterrewohnung. Das Ehepaar hatte dem Vernehmen nach die Wohnung vor bereits mindestens fünf Jahren vom verstorbenen Vater übernommen.

Das Hausmeister-Ehepaar wie auch Nachbarn haben jedoch die Frau selbst über all die Jahre nie bewusst zu Gesicht bekommen. »Wir haben die nie gesehen«, sagte ein Mann. Warum die 53-Jährige offenbar so zurückgezogen lebte, bleibt dabei erst einmal ebenso unklar wie ein mögliches Motiv für die Bluttat. Von irgendwelchen Streitigkeiten im Hause ist diesen Zeugen nichts bekannt.

Festnahme löst Erschütterung und Erleichterung im Wohnpark aus

Wann die Frau gestorben ist und wie die Gewalttat geschehen ist, dazu hat die Polizei keine weiteren Auskünfte erteilt. Ein Rentner, der im Nachbarhaus wohnt, könnte der Kripo jedoch womöglich einen entscheidenden Hinweis gegeben haben. Er erinnerte sich eigenen Angaben zufolge nämlich daran, dass er bereits am Freitagnachmittag vor Pfingsten einen lauten Schrei gehört habe, als er auf dem Balkon stehend eine Zigarette geraucht habe. »Das war ein kurzer heller Schrei einer Frau«, berichtete der 85-Jährige.

Solche lauten Schreie von älteren Menschen seien aber nicht sehr ungewöhnlich, weil dies aus dem benachbarten Alten- und Pflegeheim öfter mal zu vernehmen gewesen sei. Deshalb habe er diesem Schrei nicht die ganz große Aufmerksamkeit geschenkt. Zumal es lange geheißen habe, dass der Mord an Evelyn W. womöglich am späten Freitagabend oder gar am Samstag stattgefunden habe. In der Nachbarschaft war man sich allerdings einig, dass Evelyn W. wohl keine Unbekannten in die Wohnung gelassen hätte, denn sie sei vorsichtig gewesen.

Die Nachricht der Festnahme hat bei Senioren im Wohnpark Erschütterung, aber auch Erleichterung ausgelöst. »Ich habe mich seit dem Geschehen nicht mehr getraut, mich auf meine Terrasse zu setzen«, berichtet eine ängstliche Rentnerin. Im benachbarten Altenheim, wo Evelyn W. mittags immer zum Essen ging, hat man mit einer Gedenkfeier von der Toten Abschied genommen, wie es von der Einrichtungsleitung auf Nachfrage hieß.

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