Di., 25.06.2019

Mitbewohner und Freundin der toten Evelyn W. schildern ihre Eindrücke – Festgenommene Nachbarin (53) ist vielen völlig unbekannt Der rätselhafte Tod der alten Dame

Schock und Trauer: Nach dem Tod der Seniorin in Borgholzhausen wurden Blumen und eine Kerze vor der Haustür aufgestellt.

Schock und Trauer: Nach dem Tod der Seniorin in Borgholzhausen wurden Blumen und eine Kerze vor der Haustür aufgestellt. Foto: Stefan Küppers

Von Stefan Küppers

Borgholzhausen (WB). Der gewaltsame Tod der alten Dame an Pfingsten ist auch knapp zwei Wochen nach dem schrecklichen Geschehen großes Thema im Borgholzhausener Seniorenwohnpark Uekenbrink. Zwar ist eine 53-jährige Nachbarin von Evelyn W. bereits am vergangenen Mittwoch als dringend tatverdächtig verhaftet worden und sitzt in Untersuchungshaft.

Doch weil die Kripo bislang weder etwas zum rätselhaften Motiv der mutmaßlichen Täterin noch zum Ablauf der Tat etwas mitteilt, herrscht bei vielen Senioren noch große Unruhe.

Als die Leiche der 86-jährigen Evelyn W. am Samstagvormittag vor Pfingsten tot in ihrer kleinen Parterrewohnung im Sechsfamilienhaus an der Wellingholzhauser Straße in Borgholzhausen gefunden wurde, war der Schock und auch die Angst unter den älteren Bewohnern in der Nachbarschaft groß.

Zwei ältere Damen in dem Haus verließen ihre Wohnungen und quartierten sich bei Familienmitgliedern ein. Nachdem in der vergangenen Woche die Kriminalpolizei die 53-jährige Nachbarin mit Handschellen auf dem Rücken abgeführt hat, ist mittlerweile eine der Seniorinnen wieder zurückgekehrt.

»Komische Stimmung« im Wohnpark Uekenbrink

»Es herrscht hier schon eine sehr komische Stimmung«, sagt ein 72-jähriger Rentner aus der Nachbarschaft, der die tote Evelyn W. gut gekannt hat. Am Freitagmittag (7. Juni) war die rüstige 86-Jährige noch zum Essen mit gut einem Dutzend weiterer Bewohner aus dem Wohnpark Uekenbrink im nahegelegenen DRK-Alten- und Pflegeheim Haus Ravensberg.

»Am Samstag komme ich nicht. Aber dafür sehen wir uns am Sonntag wieder zum Mittagessen«, habe Evelyn W. noch gesagt, erinnert sich der 72-Jährige an die letzte Begegnung mit der Nachbarin. Es sollte anders kommen.

Entsetzen bei Einsatzkräften

Was dann ab Freitagnachmittag bis zum Auffinden der Toten am Samstagvormittag passiert ist, darüber hat die Kriminalpolizei bislang keine offiziellen Mitteilungen gemacht. Es sind lediglich in zumeist sehr knappen Worten Zwischenergebnisse mitgeteilt worden. Zum Beispiel, dass die Obduktion »multiple Stichverletzungen« ergeben hat. Aus dem Umfeld der Einsatzkräfte, die sich am Pfingstsamstag Zugang zur Wohnung verschafften, hingegen ist zu vernehmen, wie sehr sie der Anblick dort mitgenommen hat.

Der Ermittlungserfolg und die Festnahme der 53-jährigen Nachbarin, die selbst die Rettungskräfte alarmiert hatte, weil sie angeblich in Sorge um die 86-Jährige war, die die Tür auf Klingeln nicht öffne, sich dann aber immer mehr in Widersprüche verwickelt haben soll, wurde von der Kripo ebenfalls nur sehr knapp kommuniziert. Es wurde vor einer Woche auf Nachfrage von einem Polizeisprecher lediglich noch angefügt, dass die Festgenommene bislang nicht gestanden habe und es auch keine Informationen zu einem möglichen Motiv gebe. Seitdem ist auch auf mehrfache Nachfrage kein neuer Stand von Polizei und Staatsanwaltschaft verbreitet worden.

Unterschiedliche Zeugenaussagen zu jetzt gesuchtem Pärchen

Die Polizei sucht mit diesen Bildern nach zwei Zeugen.

Die anhaltende Unsicherheit in diesem Fall beschäftigt die Menschen im und am Wohnpark Uekenbrink, wo Kriminalbeamte auch in diesen Tagen weitere Befragungen durchführen. An diesem Dienstag (25. Juni) hat die Kripo die Phantombilder von zwei möglichen Zeugen veröffentlicht , die sich am Freitagnachmittag im Umfeld des Mehrfamilienhauses aufgehalten haben könnten und die womöglich Aussagen über die Tatumstände treffen könnten.

Über ein junges Pärchen, das nach der Aussage eines 85-jährigen Augenzeugen gegenüber dem WESTFALEN-BLATT »hier nicht hingehörte«, hatte diese Zeitung bereits direkt nach Pfingsten berichtet. Seinerzeit hatte dieser Augenzeuge allerdings von einer andersartigen Kopfbedeckung des Mannes gesprochen, als sie die Kripo nun in den Phantombildern veröffentlicht hat. Der Rentner wollte statt der abgebildeten Kappe ein sogenanntes Schiffchen, wie es bei Bundeswehrsoldaten üblich ist, bei dem Mann gesehen haben.

Nachbar hört Schrei, aber keine Aussage zu Todeszeitpunkt

Dieser 85-Jährige, der in einem Nachbarhaus von Evelyn W. lebt, hat der Kripo gegenüber auch von einem Frauenschrei berichtet, den er am späten Freitagnachmittag oder frühen Abend gehört haben will, als er zum Rauchen auf seinem Balkon saß. Ob dieser Schrei womöglich von Evelyn W. kam, bleibt unklar, Die Kripo sagt dazu auf Anfrage bisher nichts, wie es auch generell keine polizeilichen Aussagen zur Tatzeit oder zur Waffe gibt, mit der Evelyn W. getötet wurde. Unbeantwortet blieb auch eine Anfrage dieser Zeitung, ob Beobachtungen zutreffend sind, dass die Kripo bereits vor der Festnahme die Wohnung durchsucht hat, in der die 53-jährige Nachbarin und ihr Ehemann im Rentenalter leben.

Festgenommene Nachbarin (53) ist auch nach Jahren eine Unbekannte

Die Festnahme der 53-Jährigen, die mit auf dem Rücken gefesselten Händen von mehreren Kriminalbeamten am Mittwoch, 19. Juni, abgeführt wurde, haben zahlreiche Nachbarn mitbekommen. Doch die Frau ist vielen Menschen im Wohnpark Uekenbrink nahezu unbekannt, denn sie hat in der Wahrnehmung von Nachbarn und Hausmeistern sehr zurückgezogen gelebt.

Das Ehepaar sei nach dem Tod des Vaters, der die Altenwohnung zuvor lange bewohnt hatte, vor drei bis vier Jahren dort hingezogen, erzählt ein Nachbar. Doch während es nach den Schilderungen mehrerer Nachbarn mit dem Ehemann über all die Jahre immer wieder mal sporadische Kontakte gab, tauchte dessen 53-jährige Ehefrau gar nicht auf. »Ich habe die noch nie gesehen«, schildert eine Frau, die seit vielen Jahren regelmäßig in dem Haus zu tun hat.

Für Freundin war Evelyn W. »eine Top-Frau«

Während also die unter dringendem Tatverdacht stehende Nachbarin offenbar ein sehr zurückgezogenes Leben führte, war Evelyn W. bei allen Nachbarn gut bekannt. Die 86-Jährige galt als die »gute Seele« im Haus, die sich für ihre Umgebung verantwortlich fühlte, die freundlich und kontaktfreudig war. »Evelyn war einfach eine Top-Frau«, sagt eine gute Freundin, die sich über Jahrzehnte regelmäßig mit ihr und ihrem vor drei Jahren verstorbenen Mann auch für gemeinsame Unternehmungen getroffen hat. Der Tod von Evelyn W., den sie über deren Sohn persönlich mitgeteilt bekam, hat diese Freundin stark mitgenommen.

»Es ist alles so total unwirklich«, sagt die Rentnerin. Und sie sinniert immer wieder über ein mögliches Motiv. »Evelyn hat bei unseren Treffen eigentlich immer positive Sachen erzählt. Sie hat sich auch in dem Haus sehr wohl gefühlt«, schildert sie dem WB. Und hat sie mal von Ärger oder Stress oder auch nur von Kontakten mit der jetzt festgenommenen Nachbarin berichtet? »Nein«, sagt diese Freundin und fügt hinzu: »Wenn es Ärger gegeben hätte, hätte Evelyn davon erzählt.« Ein mögliches Motiv für die Bluttat? Es bleibt bis auf weiteres rätselhaft.

 

 

 

 

 

 

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