Fr., 20.09.2019

Extrembergsteiger Jost Kobusch aus Borgholzhausen wagt sein nächstes Abenteuer Ohne Sauerstoff auf den Mount Everest

Hier soll’s lang gehen: Jost Kobusch (27) erläutert seinen Plan, den Mount Everest allein und ohne Sauerstoff zu besteigen.

Hier soll’s lang gehen: Jost Kobusch (27) erläutert seinen Plan, den Mount Everest allein und ohne Sauerstoff zu besteigen. Foto: Johannes Gerhards

Von Johannes Gerhards

Borgholzhausen (WB). Jost Kobusch war auf dem Mont Blanc (4810 Meter), spielte in 8091 Metern Höhe Schach auf die Annapurna und bezwang als erster Mensch den 7296 Meter hohen Nangpai Gosum II im Himalaja. Jetzt plant der Extrembergsteiger aus Borgholzhausen sein nächstes Abenteuer: Im Winter will er alleine und ohne Sauerstoff den Mount Everest besteigen.

Solo auf den höchsten Berg der Erde: Für den 27-jährige Gipfelstürmer aus Ostwestfalen steht im Dezember seine bisher größte Herausforderung an. Die 8848 Meter unter extremsten Bedingungen reizen Kobusch, schließlich macht er nicht so gerne »Sachen, die ich schon kann«. Bisher haben lediglich 15 Bergsteiger den Everest-Aufstieg im Winter gewagt – der bisher letzte im Jahr 1993. Nur einer von ihnen war ohne Sauerstoff unterwegs. Kobusch, der als Schüler in der Kletter-AG seine Höhenangst verlor, spricht von einem »Aufbruch ins Unbekannte an der Grenze zum Weltraum«.

Mehr als drei Monate

Für seine aktuelle Expedition plant er mehr als drei Monate ein. Schon an diesem Sonntag beginnt das Abenteuer mit dem Aufbruch zum Höhentraining. Dann fliegt er zusammen mit seinem Vater Falk und seine Schwester Sara von Frankfurt über Delhi nach Kathmandu. »Wir machen eine Wanderung rund um die Annapurna«, sagt Kobusch. Im Mai 2016 hat er mit der 8091 Meter hohen Annapurna Himal seinen ersten Achttausender bezwungen und sich einen Kindheitstraum erfüllt.

Bei seinen Anstiegen, hier in 7400 Metern Höhe, trägt Kobusch zum Teil von ihm mitentwickelte Ausrüstungsgegenstände.

Weiter geht es im »Training«: erst rauf auf einen Siebentausender, dann runter in eine Erholungsphase, bevor er gemeinsam mit seiner schwedischen Freundin noch einen »kleinen« Sechstausender bewältigen will, so der Plan. Das alles dient der Akklimatisierung. Am Ende wird sein Hämatokritwert so hoch sein, dass er wegen der Dopingbestimmungen an keinem sportlichen Wettkampf im Flachland teilnehmen dürfte.

Video von Lawine hat ihn berühmt gemacht

Aber Jost Kobusch mag es ja ohnehin eher in höheren Gefilden, was bisweilen gefährlich wird. Im April 2015 erlebte der heute 27-Jährige im Himalaja die katastrophale Wirkung einer Lawine von tsunamiartigen Ausmaßen. Sein Video im Angesicht des Todes wurde im Internet millionenfach angeklickt. Es hat ihn berühmt gemacht, aber auch sein Leben verändert. Seitdem empfindet Kobusch, der 2017 ein Buch mit dem Titel »Ich. Oben. Allein.« geschrieben hat, sein Leben als eine Art Bonus und »zweite Chance«. Ohne Kompromisse macht er nur noch Dinge, die er wirklich will.

Ein Kindheitstraum: Mit der 8091 Meter hohen Annapurna hat Kobusch seinen ersten Achttausender bezwungen.

Nun also will der kernige Mann aus Borgholzhausen allein und ohne Sauerstoff den Mount Everest bezwingen. Seine Expeditionen sind in der Regel sorgfältig geplant. Hilfe leisten ihm hochmoderne Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände, die zum Teil von ihm mitentwickelte Prototypen sind und speziell für ihn und sein Vorhaben angefertigt werden. Mit dabei hat er zum Beispiel eine Windjacke aus extrem reißfester Dynema-Faser, die weniger wiegt als eine Tafel Schokolade. Zudem schützt ihn eine Daunenjacke mit Kapuze aus Vielfraßfell, die verhindern soll, dass sein Atem in großer Höhe kondensiert und sein Gesichtsfeld einengt. »Mein Kerngedanke ist, mit wenigen Ressourcen viel zu erreichen«, sagt Kobusch.

Beginn Anfang Dezember in Lukla

Das eigentliche Projekt Gipfelsturm beginnt dann Anfang Dezember in Lukla (Nepal) auf 2860 Metern Höhe. Beim Aufstieg wird Kobusch nicht die übliche »blaue Route« nehmen und sich auch nicht über die auf chinesischem Gebiet liegende Nordroute dem Gipfel nähern. Aussichtsreich scheint der Weg durch die »Hornbein Couloir« zu sein. Bis zum 5360 Meter hohen Basecamp wird ihn sein Fotograf Daniel Hug begleiten.

Danach ist er auf sich gestellt. In »Jojo-Taktik« geht es rauf und runter, bis die entstehenden Wetterfenster den finalen Anstieg ermöglichen. Auf dem Gipfel angekommen, will Kobusch per Tracker eine Okay-Nachricht über Satellit verschicken, möglicherweise auch ein analoges Beweismittel für die erste Frühjahrsexpedition hinterlassen.

Und wenn es nicht klappt? Dann werde er beim nächsten Mal auf seinen Erfahrungen aufbauen können und aus möglichen Fehlern lernen, sagt Jost Kobusch lakonisch und fügt hinzu: »Realistisch betrachtet sind meine Erfolgschancen sehr gering, das ändert aber nichts am Ziel und meinem unorthodoxen Ansatz«.

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