Di., 10.12.2019

Prozessauftakt: Rentnerin (86) in Borgholzhausen getötet Angeklagte schuldunfähig?

Die 86-jährige Evelyn W. wurde am 8. Juni dieses Jahres in ihrer Wohnung in Borgholzhausen umgebracht. Angeklagt ist eine Nachbarin.

Die 86-jährige Evelyn W. wurde am 8. Juni dieses Jahres in ihrer Wohnung in Borgholzhausen umgebracht. Angeklagt ist eine Nachbarin. Foto: Stefan Küppers

Von Johannes Gerhards

Borgholzhausen (WB). Am 8. Juni wurde die 86-jährige Evelyn W. tot in ihrer Wohnung in Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) aufgefunden . Eine 53-jährige Nachbarin hatte die Polizei benachrichtigt, weil eine rote Flüssigkeit unter der Tür austrat. Gegen genau diese Nachbarin Heike W. erhebt die Staatsanwaltschaft jetzt schwere Vorwürfe.

Sie soll 22-mal mit einem Messer in die linke Rumpfvorderseite des Opfers eingestochen und der Frau mit einem Messingmörser schwere Kopfverletzungen zugefügt haben. Weil die Beschuldigte unter einer paranoiden Psychose leiden soll, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sie im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hat. Demnach konnte sie das Unrecht ihrer Tat erkennen, aber nicht einsichtsgemäß handeln. Daher droht ihr voraussichtlich keine Haftstrafe, sondern die Unterbringung in einem psychia­trischen Krankenhaus.

Justizwachtmeister führen die 53-Jährige in den Saal. Sie verbirgt ihr Gesicht hinter einer Jacke Foto: Christian Althoff

Beim Prozessauftakt vor der I. Strafkammer am Bielefelder Landgericht bestritt die Beschuldigte am Montag in einer durch Verteidiger und Rechtsanwalt Bernhard Menne unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgebrachten Einlassung die Tatvorwürfe. Auch zur Verlesung des Behandlungsberichtes aus dem LWL-Zentrum wurde die Öffentlichkeit im Einverständnis aller Verfahrensbeteiligten nicht zugelassen – mit Rücksicht auf Persönlichkeitsrechte, die höher einzustufen seien als das allgemeine Informationsinteresse, wie der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann anmerkte.

Keine Hinweise auf Raub oder Diebstahl

Am ersten Verhandlungstag wurden verschiedene Polizeibeamte und ein Unterbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr über ihre Einsatzmodalitäten und ihr Eintreffen am Tatort befragt. Demnach hatte die getötete Frau im Flur ihrer ansonsten akkurat gepflegten Parterrewohnung gelegen. Ein größerer Bargeldbetrag im Schrank und relativ leicht auffindbarer Schmuck ließen laut einer Tatortbeamtin der Kriminalpolizei keine Rückschlüsse auf Raub oder Diebstahl zu. „Bei einer Durchsuchung wären bestimmt einige der zahlreichen Dekorationsgegenstände umgefallen“, mutmaßte die Zeugin.

Im umfangreichen Bericht der Spurensicherung ging es unter anderem um einen Messingmörser und ein Edelstahlmesser. Beide Gegenstände waren im Badezimmerwaschbecken gefunden worden. Darüber hinaus dokumentierten die Beamten zahlreiche weitere Spuren wie Blut, Haare und Kleidungsstücke. Deren Auswertung und die Obduktionsergebnisse sollen an den folgenden Verhandlungstagen zur Sprache kommen, kündigte der Vorsitzende Richter an.

Beamte berichten von „verstört wirkender“ Beschuldigten

Mehrere Polizei- und Kripobeamte berichteten auch über die Gespräche mit der verstört wirkenden Beschuldigten, in denen sie ein junges Paar erwähnt hatte, das sich am Vortag in der Wohnung der Getöteten aufgehalten haben soll. Heike W. habe bei Vernehmungen ausgesagt, vom späteren Opfer zum Kaffee eingeladen worden zu sein. Der südländisch aussehende junge Mann hätte sie aber aus der Wohnung „geschmissen“, die ungepflegt wirkende Frau unterdessen in der Küche mit einem Messer hantiert.

Angeblich fiel dieses Pärchen auch anderen Nachbarn wegen einer lautstarken Auseinandersetzung mit Evelyn W. an deren Wohnungstür auf. Der dunkelhaarige Mann und die blonde Frau seien zudem dabei beobachtet worden, wie sie rauchend in ei­nem Pkw vor dem Haus saßen. Zu den von der Kripo gesicherten Asservaten gehören auch entsprechende Zigarettenkippen.

Einige Unklarheiten bezogen sich auch auf die Lage der Leiche und ob sie verschoben wurde, als der oder die Täter die Wohnung verlassen hatten. Das Verfahren wird am Mittwoch um 9 Uhr im Landgericht Bielefeld fortgesetzt.

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