Stammsitz In Borgholzhausen, Café in Steinhagen: 250 Jahre Bäckerei Welpinghus
Jubiläum im „Eigentlich-Jahr“

Steinhagen/Borgholzhausen (WB). Die 250 prangt zwar auf dem „Jubiläumsbrot“, alle weiteren anlässlich des 250-jährigen Bestehens geplanten Aktionen sind aber der Corona-Krise zum Opfer gefallen. Konditormeisterin Friederike Welpinghus, die im Februar noch ihr Geschäftsmodell im Rahmen des OWL-Gründertages „Get Up!“ präsentieren durfte , hat sich das Jubiläumsjahr natürlich anders vorgestellt.

Donnerstag, 16.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 05:03 Uhr
Seit 2017 ist Friederike Welpinghus in siebter Generation Geschäftsführerin der Familienbäckerei und -konditorei. Foto: Johannes Gerhards
Seit 2017 ist Friederike Welpinghus in siebter Generation Geschäftsführerin der Familienbäckerei und -konditorei. Foto: Johannes Gerhards

In siebter Generation

Die 34-Jährige hat ihren beruflichen Werdegang ursprünglich im Hotelfach begonnen, sich dann aber im Jahre 2016 dafür entschieden, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Bei ihrem Vater absolvierte sie noch eine Ausbildung zur Konditorin, jetzt ist sie in siebter Generation Geschäftsführerin des traditionsreichen Familienunternehmens am Ursprungsort Borgholzhausen mit einer Filiale in Steinhagen.

In einem Jahr, in dem gefühlt jeder zweite Satz mit „Eigentlich“ beginnt, ist auch bei Welpinghus vieles anders. Das Café in Steinhagen musste vorübergehend komplett schließen, die tägliche Belieferung nahezu sämtlicher namhafter Hotels und Gastronomiebetriebe in der Region kam ins Stocken, die Versorgung von Schulen vollständig zum Erliegen, und die Produktion von Hochzeitstorten läuft erst langsam und zaghaft wieder an.

Essen hat eben auch viel mit Atmosphäre zu tun.

Konditormeisterin Friederike Welpinghus (34)

„Essen hat eben auch viel mit Atmosphäre zu tun“, sagt Friederike Welpinghus über ihr normalerweise krisenfestes Urhandwerk. Weil sie zeitweise auch auf ungebackene Füllungen verzichten musste, ist das Kuchensegment zum Teil weggebrochen. Die Umsatzeinbußen sind noch nicht abzusehen, dennoch will die Konditorin keine Schadensersatzforderungen an die Adresse von Clemens Tönnies richten wegen des erneuten Lockdowns, als gerade wieder so etwas wie Normalität einkehrte. „Dafür sind mir Nerven und Zeit zu schade“, betont Friederike Welpinghus und blickt lieber nach vorne. Derzeit kümmert sie sich neben ihren administrativen Aufgaben auch persönlich um die Auslieferung der Backwaren und pflegt als „Ansprechpartnerin für alle“ den direkten Kontakt zu den 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

„Der Betrieb muss auch ohne mich laufen“, lautet ihre Devise. „Wir backen auf der Basis bewährter Rezepte verführerische, zeitgemäße Backwaren“, heißt es auf der Webseite, Welpinghus steht seit 250 Jahren für hohe Qualität und den Verzicht auf chemische Zusätze und Fertigprodukte. Bereits im Jahre 1817 lobte die „Königlich Preußische Regierung zu Minden“ die guten Backwaren, wie in einer Urkunde nachzulesen ist. Unter dem Namen Bäckerei Heuermann ist der Handwerksbetrieb 1770 gegründet worden, damals noch im Stammhaus der Familie Welpinghus, dem heute als „adeliges Steinwerk“ bekannten ältesten Gebäude der Stadt Borgholzhausen. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt die damalige Kuchenbäckerei Heuermann ihren heutigen Namen.

Bäckermeister Ludwig Welpinghus trennte 1947 einen kleinen Laden von der großen Küche ab und verlegte 1960 den Betrieb ins Nachbarhaus Kirchstraße 11. Seit 1980 sorgt sein Sohn Ludwig mit neuen Ideen für frischen Elan. Als Konditormeister lautet sein Motto: „Der Bäcker macht satt. Der Konditor sorgt für Gaumenfreude“, diesem Prinzip kann sich Tochter Friederike uneingeschränkt anschließen. In dem Gebäude ist heute noch die Backstube untergebracht, das Ladengeschäft liegt in zentraler Lage in der Kaiserstraße 14.

2004 Café in Steinhagen eröffnet

Im September 2004 fand die Bäckerei und Konditorei Welpinghus im Steinhagener Schlichte-Carrée ideale Räume für eine Filiale und eröffnete hier, an der Woerdener Straße 3, das Kaffeehaus.

Der geplante Tag der offenen Tür, die Kinderbackaktionen und der Verkauf von nostalgischen Artikeln wie der „Ananas-Buttercreme-Rolle“ sind coronabedingt in diesem „Eigentlich-Jahr“ ausgeblieben. „Die 250 kann uns aber niemand mehr nehmen“, sagt die Chefin, für die Mutter Beate und Vater Ulrich mittlerweile als Angestellte arbeiten. So mischt sich Traditionsbewusstsein mit modernem Unternehmerinnen-Zeitgeist.

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