Landwirte aus dem Altkreis Halle protestieren gegen Amprion-Erdverkabelung
Angst vor heißem Boden

Borgholzhausen (WB). Um zu verdeutlichen, welche enormen Ausmaße das Bauvorhaben einer 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung von Netzbetreiber Amprion hat, haben zahlreiche Landwirte am Freitagnachmittag pressewirksam schwere Geschütze aufgefahren.

Montag, 03.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 05:02 Uhr
Dieser Protest der Landwirte und ihrer Maschinen macht Eindruck: Und dennoch müssten eigentlich noch mindestens zwei weitere Mähdrescher daneben gestellt werden, um symbolisch auf den hier geplanten 45 Meter breiten Baustreifen zu kommen. Foto: Malte Krammenschneider
Dieser Protest der Landwirte und ihrer Maschinen macht Eindruck: Und dennoch müssten eigentlich noch mindestens zwei weitere Mähdrescher daneben gestellt werden, um symbolisch auf den hier geplanten 45 Meter breiten Baustreifen zu kommen. Foto: Malte Krammenschneider

Es handelte sich dabei um drei große Mähdrescher, deren Schneidwerk es nebeneinander gereiht auf 24 Meter Breite bringt. „Um auf den geplanten 45 Meter breiten Baustreifen zu kommen, müssten mindestens noch zwei Maschinen daneben stehen. Das muss man sich doch mal vorstellen. Wahnsinn!“, sagt der direkt betroffene Grundstückseigner Georg von Kerssenbrock, der „irreparable Schäden“ für die so hochwertigen Ackerflächen erwartet.

„Experimentierfeld kontra Kornfeld“

Damit diese Befürchtungen und Bedenken in Zukunft mehr Gehör bekommen, haben die lokalen Landwirte aus dem gesamten Altkreis Halle nun eine mehrwöchige Informationsreihe gestartet, deren Auftakt sich zunächst mit der Dimension des Bauvorhabens befasste. Zudem wurde eine Presseagentur engagiert, die den Demonstrationstag unter dem Motto „Erdverkabelung – nein, danke!“ und „Experimentierfeld kontra Kornfeld“ organisierte. Eine Einladung, der mehr als 30 Landwirte nachkamen, was zeigt, wie unmittelbar viele von ihnen betroffen seien würden.

Um zu verdeutlichen, welche Auswirkungen die von Amprion angestrebte Erdkabel-Variante hätte, hatte Wortführerin Petra Bentlage einige Fakten parat. „Die Trasse wird mit ihren 45 Metern breiter als die A33 und beansprucht 25 Fußballfelder. Das sind große Flächen, die uns als landwirtschaftliche Fläche verloren gehen könnten“, sagte die junge Frau, die zusammen mit Konstantin von Kerssenbrock die „nächste Generation“ der Landwirte und Grundstückeigentümer vertrat. Letzterer bezweifelt vor allem, dass der über den in 1,80 Metern Tiefe verlegten Kabeln wieder aufgeschüttete Boden dieselbe Fruchtbarkeit wie zuvor habe.

Sorge um Wassermangel für die Pflanzen

Hinzu komme die Gefahr eines „Heißen Bodens“, denn im Normalbetrieb gibt die Leitung mit ihren zwölf Erdkabeln viel Wärme ab. 30 bis 40 Grad seien es laut Petra Bentlage, doch zu Hochzeiten könne dieser Wert auf bis zu 80 Grad Celsius steigen. „Unsere Sorge ist, dass die Pflanzen in der dadurch erwärmten oberen Bodenschicht nicht genug Wasser bekommen“, so Bentlage, die durch die so genannte „offene Bauweise“ außerdem das Fernbleiben der für die Muttererde so wichtigen Regenwürmer befürchtet.

Wenn es nach den Landwirten geht, soll die den Strom von Niedersachsen nach NRW transportierende Trasse stattdessen als Freileitung, also in der bisherigen Variante mit Strommasten, realisiert werden. „Es wäre viel verträglicher. Für alle Seiten – für die Landwirte, aber auch für die Natur. Dieses Projekt ausgerechnet auf den anspruchsvollen, bergigen 4,5 Kilometern hier zu realisieren, hat mit Vernunft nichts zu tun“, befindet Georg von Kerssenbrock, der auf die Unterstützung der Lokalpolitik hofft.

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