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Fr., 30.10.2015

Der bekannteste Fallanalytiker Deutschlands nimmt sich zwei Mordfälle aus Gütersloh vor Profiler Petermann auf Spurensuche

Er gilt als der beste Profiler Deutschlands: Axel Petermann (63) aus Bremen ist nach Gütersloh gekommen, um den Weihnachts-Doppelmord  an einem Geschwisterpaar für sein neues Buch zu untersuchen. »Der Fall ist außergewöhnlich und spannend«, sagt er.

Er gilt als der beste Profiler Deutschlands: Axel Petermann (63) aus Bremen ist nach Gütersloh gekommen, um den Weihnachts-Doppelmord an einem Geschwisterpaar für sein neues Buch zu untersuchen. »Der Fall ist außergewöhnlich und spannend«, sagt er. Foto: Wolfgang Wotke

Von Wolfgang Wotke

Gütersloh (WB). Als Axel Petermann auf dem Gütersloher Hauptbahnhof ankommt, ist er ein wenig außer Atem: »Sorry, mein Zug hat 35 Minuten Verspätung.« Nach einer kurzen Verschnaufpause und einer schnellen, heißen Tasse Kakao, will er in die Badstraße. »Ich möchte zu der Villa, in der vor zwei Jahren der Doppelmord geschah«, sagt er mit resoluter Stimme.

Der 63-jährige Bremer ist Profiler, ein absoluter Experte für ungeklärte Mordfälle. Das abscheuliche Verbrechen an Heiligabend 2013, an dem das Geschwisterpaar Dr. Helgard G. (74) und Hartmut S. (78) erstochen wurde, ist in seinen Fokus gerückt. »Vielleicht widme ich diesem außergewöhnlichen Fall ein Kapitel meines neues Buches«, verrät der Bestsellerautor, der mit seinem jüngsten Werk »Der Profiler« für Aufsehen sorgt.

Zurzeit jagt er in Deutschland von einer Lesung zur anderen, ist in TV-Talk-Shows zu Gast oder als Fachmann  gefragt. Zwar sei der Weihnachts-Doppelmord wahrscheinlich teilweise aufgeklärt, doch er wisse genau, dass die Kripo noch gegen Dritte ermittelt, die Drahtzieher der Morde sein könnten.

Spurensuche in Sachen Doppelmord

Es ist schon ein wenig diesig und nasskalt, fast so wie damals am Tattag des 24. Dezember 2013, als Axel Petermann in seinem beigen Trenchcoat, der längst zu seinem Markenzeichen geworden ist, vor jenem Haus im Stadtpark steht, in dem das Verbrechen geschah. Minutenlang scannt er regelrecht die Umgebung, macht hier und dort ein paar Handyfotos oder Notizen. Er schreitet in Ruhe das Grundstück ab, läuft hinter die Villa und in den angrenzenden Botanischen Garten.

Er  spricht wenig, ist jedoch sehr aufmerksam. Sofort erkennt der renommierte Profiler gedimmtes Licht in der untersten Etage: »Da muss jemand sein, obwohl das Gebäude unbewohnt scheint.« Er wartet, in der Hoffnung, dass sich die Haustür öffnet und meint: »Ich könnte ja mal klingeln«, was er dann aber doch nicht macht.

Petermann will verstehen, warum jemand mordet. Er will verstehen, warum Menschen Böses tun.  Wie mühsam seine  Arbeit sein kann, hat er in seinem neuesten Buch beschrieben. Er will dabei keine Sensationen aufzeigen, sondern erklären, wie es ist, sich in die Psyche eines Täters zu versetzen. Nicht umsonst sagt er, dass er ein Querdenker sei und das Tatorte zu ihm sprechen würden.

So ist das auch in Gütersloh. Es ist faszinierend, ihn dabei zu beobachten. Man merkt, dass er gründlich ist, denn schließlich kommt es auf Kleinigkeiten an. Schritt für Schritt  nähert er sich dabei gedanklich dem Tatgeschehen. Vielleicht ist er dann auch schon auf dem Weg zur Lösung.

Der Fall Amtenbrink

Als Axel Petermann hört, dass es  in Gütersloh einen anderen, ungeklärten Mordfall gibt, wird er hellhörig. Es ist das Kapitaldelikt an Ingrid Amtenbrink, die im Mai 2009 tot in einem Kornfeld entdeckt worden ist. Vom Täter fehlt bis heute jede Spur. Es gibt keine Hinweise mehr und der Mord an der 67-jährigen Witwe ist inzwischen in Vergessenheit geraten.

»Ich möchte auch zu diesem Tatort«, erklärt der ehemalige Leiter der Bremer Mordkommission, der auch bis zu seiner Pensionierung vor knapp zwei Jahren Chef der dortigen »Operativen Fallanalyse« war. Das Rätsel um den Amtenbrink-Mord interessiert ihn plötzlich ebenso wie das Verbrechen im Stadtpark.

Er nimmt sich die Zeit und lässt sich den Platz auf dem Meierhof Rassfeld zeigen, an dem die Rentnerin zum letzten Mal lebend gesehen wurde. Er schreitet auch zu der Stelle, an der ihre Leiche lag.

In die Karten lässt sich der Profiler allerdings noch nicht blicken. »Ich wollte mir nur einen ersten Überblick verschaffen«, erklärt er. »Ich komme bald wieder und dann beginnt meine Arbeit erst richtig.«

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