Kaum ein neuer Abgeordneter ist so gut vernetzt wie Raphael Tigges
Der Selfie-Sammler

Gütersloh (WB). Den neuen Abgeordneten aus Gütersloh kennt in Düsseldorf schon so gut wie jeder. Raphael Tigges (CDU, 44) ist ein Meister der Vernetzung. Nicht aus strategischer Absicht, sondern weil es ihm Spaß macht.

Mittwoch, 05.07.2017, 03:00 Uhr
»Mit wirtschaftsnahen, bodenständigen Lösungsvorschlägen«, wie er sagt, steigt Tigges in den Zug nach Düsseldorf. Foto: Jan Gruhn
»Mit wirtschaftsnahen, bodenständigen Lösungsvorschlägen«, wie er sagt, steigt Tigges in den Zug nach Düsseldorf. Foto: Jan Gruhn

Das zentrale Werkzeug dabei ist das Selfie. Das setzte Tigges schon ein, bevor Handys überhaupt fotografieren konnten. Es gibt Fotos, die Tigges mit Kanzleramtsminister Peter Altmaier zeigen, mit Armin Laschet aus dessen erster Ministerzeit in Nordrhein-Westfalen, mit Generalsekretär Peter Tauber, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, dem Bundestagsabgeordneten Jens Spahn. Kleine Schätze von Parteitagen und Landesverbandssitzungen mit doppeltem Zweck. Zum einen sind es ganz nette Souvenirs, über die im Heimat-Ortsverband Avenwedde-Friedrichsdorf gemeinsam geschmunzelt werden kann. Zum anderen können die Promis bei passender Gelegenheit daran erinnert werden, wie gut man sich eigentlich schon kennt.

Bewunderung für Helmut Kohl

Die Neuen im Landtag

Neun Politiker aus OWL sind zum ersten Mal im Parlament, vier von der CDU, zwei von der SPD und AfD und ein Liberaler. In einer Serie stellt das WESTFALEN-BLATT sie vor.

Bisher erschienen:

Matthias Goeken (CDU) aus HöxterMarkus Wagner (AFD) aus Bad OeynhausenChristina Weng (SPD) aus MindenStephen Paul (FDP) aus Herford,  Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU) aus DelbrückBianca Winkelmann (CDU) aus Rahden, Ellen Stock (SPD) aus Lage

...

Die Teilnahme an solchen Parteitagen wurde dem vierfachen Familienvater mit seinem Eintritt in den Gütersloher Kreisvorstand 2003 ermöglicht. Zwölf Jahre zuvor war der Sparkassenbetriebswirt in die CDU eingetreten, »aus Bewunderung für die Art und Weise, in der Helmut Kohl die deutsche Einheit hinbekommen hat«, wie er sagt. Dabei ist Tigges kein Kind der vorangegangenen Kohl-Jahre, in denen man mit der Gewissheit aufwuchs, dass der Bundeskanzler immer aus der CDU kommt. Sein aktives politisches Engagement begann 2004 in der Opposition. In Gütersloh regierte eine SPD-Bürgermeisterin, im Land ein SPD-Ministerpräsident und im Bund ein SPD-Bundeskanzler.

Die Einbindung in den bodenständigen, wirtschaftsnahen CDU-Kreisvorstand Gütersloh ließ ihn erleben, dass man durchaus auch auf den eigenen Laden schimpfen kann. Die Parteispendenaffäre seines politischen Idols Kohl dürfte ebenso ernüchternd gewirkt haben wie die langsam fortschreitende Selbstisolation der schwarz-gelben Landesregierung unter Jürgen Rüttgers. »Das darf uns nie wieder passieren«, lautet einer seiner Vorsätze für die erste Landtagsperiode seines Lebens.

Problembewusste Gesprächsoffenheit

All diese Umstände führten zu einer problembewussten, grundsätzlichen Gesprächsoffenheit. Im Gütersloher Jugendhilfeausschuss duzt sich Tigges mit den Abgeordneten der Opposition, außerhalb des Ratssaales, bei den Festen der Schützenbruderschaft St. Hubertus Avenwedde-Friedrichsdorf oder Aufführungen des Musikvereins Avenwedde (Tigges bläst Posaune) sowieso. Seine Wahl in den Landtag ist mit Erwartungen verknüpft, sonst hätte er den Wahlkreis nicht von der SPD zurückgewinnen können. In Friedrichsdorf hoffen viele Bürger, dass Bewegung in die verfahrene Debatte um die herbeigesehnte Ortsumgehung kommt. Von seinen langjährigen Firmenkunden aus der Sparkasse weiß Tigges, wie bürokratisch, kompliziert und mühsam das Leben junger Unternehmer in NRW ist. Aus den Kindergärten und dem Städtischen Klinikum kennt Tigges die Finanznöte. Und von seinem ehemaligen Arbeitgeber, wie sehr ein neues Sparkassengesetz gebraucht wird.

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