Drei Mädchen angeblich mit Gewehren eingeschüchtert – Waffen des Güterslohers eingezogen
Nachbarskinder missbraucht? Jäger muss vor Gericht

Gütersloh (WB). Ein Freizeitjäger (46) aus dem Kreis Gütersloh, der drei Mädchen missbraucht und mit seinen Waffen eingeschüchtert haben soll, kommt vor Gericht.

Dienstag, 04.07.2017, 08:30 Uhr
Symbolbild Foto: dpa
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»Wir haben gegen ihn Anklage wegen Kindesmissbrauchs, Besitzes von Jugendpornographie und Körperverletzung erhoben«, sagte Oberstaatsanwalt Udo Vennewald. Opfer sollen drei Mädchen aus der weiteren Nachbarschaft des Mannes sein, die zur angenommenen Tatzeit neun und zehn Jahre alt waren.

Die mutmaßlichen Taten beschäftigten im Frühjahr bereits zweimal das Verwaltungsgericht in Minden . Denn nach Bekanntwerden der Vorwürfe widerrief der Kreis Gütersloh den Waffenschein des Jägers, entzog ihm seinen Jagdschein und verhängte eine Sperre von fünf Jahren für eine Neubeantragung.

Auch Ehefrau mit Waffe bedroht?

Gegen diese Maßnahmen klagte der Beschuldigte, verlor jedoch beide Prozesse. Die Richter meinten, der Mann sei unzuverlässig im Sinne des Waffengesetzes. Er habe den Mädchen seine Waffen gezeigt, um sie einzuschüchtern und zum Schweigen zu veranlassen. Der Jäger bestritt das zwar, doch das werteten die Richter als Schutzbehauptung – zumal seine damalige Ehefrau 2009 in einem Ermittlungsverfahren ausgesagt habe, ihr Mann habe sie mit seinen Waffen bedroht.

Nachdem die Waffen und der Jagdschein weg sind, geht es demnächst in einem dritten Prozess um die strafrechtliche Schuld des 46-Jährigen. Darüber soll das Amtsgericht Gütersloh befinden.

»Modenschauen« im Haus

Die Mädchen haben bei der Kripo ausgesagt, sie hätten den Jäger öfter besucht, um seinen Hund zu streicheln. Sie hätten in seinem Haus »Modenschauen« gemacht, und der Mann habe gesagt, sie sollten sich »nackig machen«. Das hätten sie »untenrum« auch getan. Der Nachbar habe ihnen gesagt, wenn sie das ihren Eltern erzählten oder der Polizei, gebe es »richtig Stress«. Er habe seinen Waffenschrank aufgeschlossen und ihnen seine Gewehre gezeigt.

Ein Mädchen gab an, sie hätten das Gefühl gehabt, dass der Mann »das mit dem Stress ernst meint«, weil er ja Jäger sei »und man da schon Angst« habe.

»Richtig große Kugeln«

Ähnlich äußerte sich ein anderes Mädchen. Sie hätten Angst gehabt, dass ihnen oder ihrer Familie etwas passiere, weil der Nachbar sie bedroht habe. Er habe ihnen den Waffenschrank gezeigt mit den Gewehren darin »und richtig großen Kugeln«. Die Schülerin sagte, sie habe gedacht, dass der Jäger »dann irgendwas mit den Waffen tun wird, wenn wir das verraten«. Das dritte Kind sprach davon, dass sie immer wieder zu dem Mann hingegangen seien, weil sie Angst gehabt hätten, dass er ihren Eltern etwas antue.

Kinderpornographie gefunden

Bei einer Hausdurchsuchung fanden Polizisten Jugendpornographie bei dem Beschuldigten. Oberstaatsanwalt Vennewald sagte, der Mann soll den Kindern auch Alkohol zu trinken gegeben haben. »Deshalb steht in der Anklage auch der Vorwurf der Körperverletzung.«

Der 46-Jährige bestreitet die Vorwürfe. In den Verwaltungsgerichtsverfahren beteuerte er, die Mädchen nie bedroht zu haben. Das sei ihrer Phantasie entsprungen. Sie hätten sich auch nicht ausziehen müssen.

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