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Mo., 25.09.2017

Einzug in den Bundestag für die Sozialdemokratin lange ungewiss Brinkhaus (CDU) gewinnt Wahlkreis zum dritten Mal, Korkmaz (SPD) schafft es über die Landesliste

Elvan Korkmaz und Ralph Brinkhaus danken sich gegenseitig für einen fairen Wahlkampf. Sie sehen sich im Bundestag wieder.

Elvan Korkmaz und Ralph Brinkhaus danken sich gegenseitig für einen fairen Wahlkampf. Sie sehen sich im Bundestag wieder. Foto: Wolfgang Wotke

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). »Bitte klatschen, wenn Elvan Korkmaz in die Wahllobby kommt. Sie ist nicht gut drauf. Wir wollen ihr zu ihrem tollen Wahlkampf gratulieren.« So lautet die vorerst letzte Anweisung zum Bundestagswahlkampf 2017 an die im Kreishaus versammelten Genossen.

Naja, und dann klatschen sie eben, als die durch und durch enttäuschte Kandidatin gemeinsam mit SPD-Kreisvorsitzendem Hans Feuß und SPD-Urgestein Klaus Brandner durch die Doppelflügeltür eintritt. Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, ob die bundesweit 20,6 Prozent für ihren 16. Listenplatz in Nordrhein-Westfalen reichen, um in den Bundestag einzuziehen. Erst am nächsten Morgen ist klar: Korkmaz hat es geschafft.

»Das NRW-Ergebnis ist besser als das im Bund. Vielleicht klappt es über Überhangmandate«, hatte Feuß am Abend gesagt – und recht behalten. Korkmaz selbst wollte am Sonntag nicht herumspekulieren: »Das Ergebnis tut einem sozialdemokratischen Herz weh. Ich werde das amtliche Resultat abwarten und dann in eine tiefer gehende Analyse einsteigen.« Bei den Erststimmen (28 Prozent) hat sie 5,5 Prozentpunkte weniger erzielt als Thorsten Klute vor vier Jahren, bei den Zweitstimmen verlor die SPD 5,8 Prozentpunkte und liegt nun bei 22,9 Prozent.

Zum dritten Mal hat Ralph Brinkhaus den Wahlkreis direkt für die CDU gewonnen – in Feierlaune ist er trotzdem nicht. In seinem Fall sieht die Inszenierung eine stürmische Begrüßung durch CDU-Kreisvorstandsmitglied Elisabeth Witte vor, sobald er durch die Tür kommt. Sie hat auch einen Blumenstrauß dabei. Zum Klatschen auffordern muss die CDU-Mitglieder aber niemand.

7,9 Prozentpunkte weniger bei den Zweitstimmen als beim letzten Mal, 3,7 Prozentpunkte weniger bei den Erststimmen. Und doch ein im deutschlandweiten Vergleich beachtliches Ergebnis von 46,6 Prozent bei den Erst- und 38,4 Prozent bei den Zweitstimmen. Vor vier Jahren dankte er noch für den Vertrauensbeweis in die gute Politik Angela Merkels. Und jetzt? »Es ist ein Wählerauftrag. Wir müssen handlungsfähig bleiben.« Handlungsfähig in einer Jamaika-Koalition? »In meinem ersten Jahr saß die FDP mit am Tisch, nach der zweiten Wahl die SPD und immer auch die CSU. Demnächst werden es vielleicht vier Fraktionen sein. Leichter wird es dadurch nicht.«

Tief entspannt atmet Udo Hemmelgarn durch. Der Harsewinkeler sitzt fortan für die AfD im Bundestag. Damit habe er auch fest gerechnet: »Da können unsere Gegner noch so viele Wahlplakate auf 18 Uhr drehen.« Sein Kreistagsmandat werde er behalten und auch im Bundestag sachlich-konstruktiv mitarbeiten: »Wir sind eine bürgerliche Partei, und so wollen wir uns auch benehmen.«

Der größte Gewinner des Abends ist die FDP. Sie kehrt nicht nur in den Bundestag zurück, sondern verhindert mit 13,1 Prozent der Zweitstimmen auch die AfD als drittstärkste Kraft im Kreis. FDP-Kreisvorsitzender Hermann Ludewig: »Das war ein langer, harter Weg.«

Lesen Sie mehr am Montag, 24. September, im WESTFALEN-BLATT, Ausgaben Gütersloh, Halle und Verl.

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