Do., 29.03.2018

Gemüse- und Obstgeschäft am Kolbeplatz schließt nach 31 Jahren Abschied von der Frucht-Insel

Mehrmals pro Woche suchen Maria (62) und Wilfried Robra (66) auf dem Bielefelder Großmarkt ihre frische Ware aus.

Mehrmals pro Woche suchen Maria (62) und Wilfried Robra (66) auf dem Bielefelder Großmarkt ihre frische Ware aus. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). Künftig weniger Vitamine, dafür mehr Lebensqualität: Maria (62) und Wilfried Robra (66) schließen nach 31 Jahren Ende Juni ihre Frucht-Insel am Kolbeplatz.

»Man will ja noch was vom Leben haben«, sagt der Inhaber des Obst- und Gemüsegeschäfts im Hinblick auf seinen bevorstehenden Ruhestand. Seit 1987 hatten die Robras stets mit das größte und frischeste Sortiment der Stadt in ihren Regalen und Auslagen. Ob Kiwis aus Frankreich, Zuckerschoten aus Kenia, Clementinen aus Spanien oder Datteln aus Israel – was immer das Gütersloher Ehepaar anbot, das hatte es stets auf dem Bielefelder Großmarkt eigenhändig ausgesucht.

»Wenn ich am Obst rieche, erinnere ich mich an meine Kindheit«, erzählt der gebürtige Detmolder, »damals wurden Kirschen aus Nachbars Garten geklaut und Wald-Erdbeeren beim Spaziergang gepflückt. Jene Sorten kamen so reif und köstlich daher, wie man sie heute nur noch selten findet«, meint der gelernte Kaufmann und frühere Marine-Soldat.

Getreu seinem Frische-Motto führte Wilfried Robra gemeinsam mit Ehefrau Maria seine stadtbekannte Frucht-Insel, das Paar gewann eine treue Stammkundschaft. Doch mit dem Auf- und Abschließen des Ladens war es eben nicht getan: Um den Kunden die Sortenvielfalt und -qualität bieten zu können, begann ein Arbeitstag für die Eheleute mehrmals die Woche um 3 oder 4 Uhr in der Frühe: »Alle zwei Tage oder auch häufiger sind wir zum Großmarkt nach Bielefeld gefahren, um dort unsere Ware auszusuchen«, berichtet Maria Robra, die aus Verl stammt. »Wir haben uns immer die Rosinen herausgepickt«, ergänzt ihr Ehemann hinsichtlich des Qualitätsanspruchs. »Obst und Gemüse beim Großhändler am Telefon bestellen – das geht gar nicht«, stellt der 66-Jährige klar.

Doch diese 16-Stunden-Arbeitstage sollen jetzt ein Ende haben. Die Robras verlassen schweren Herzens ihre Frucht-Insel am Kolbeplatz. Kunden wie Ralf Schubert sind traurig: »Das Angebot hier war stets ein Traum. Es gab nur Top-Qualität. Schade, dass der Laden schließt«, meint der Gütersloher Gastronom (»Alex«).

Auch eine Kundin sieht das so, die nach Erdbeeren, Mango und Papaya fragt. »Warten Sie bis morgen, da kommt noch viel frischere Ware, die Erdbeeren aus Italien sind klasse, die aus den Niederlanden sind noch besser«, empfiehlt Wilfried Robra der Frau.

Einen Nachfolger für ihre Frucht-Insel haben die Eheleute bislang noch nicht gefunden. »Eigentlich sehr schade. Doch wer will heutzutage noch so viel arbeiten?«, meint Wilfried Robra, der damals über eine berufliche Zwischenstation bei Hertie in Gütersloh zu dem eigenen Geschäft gekommen war.

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