Mi., 25.04.2018

Gütersloh: Verein Kobel sucht Immobilien für Mehrgenerationen-Wohnprojekt Siedlung wird zur Großraum-WG

Hans-Jürgen Gaber hält die Reihenhäuser an der Töpferstraße besonders geeignet für ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt.

Hans-Jürgen Gaber hält die Reihenhäuser an der Töpferstraße besonders geeignet für ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Der Kobel ist das Nest des Eichhörnchens. Der Gütersloher Verein »Kobel e.V. « möchte eine komplette Wohnsiedlung in gemeinsames, von mehreren Generationen bewohntes Nest verwandeln. Eine gemütliche Idee mit ungemütlichen Fallstricken.

Ideengeber des Projektes sind der pensionierte Architekt Udo Dobra und Hans-Jürgen Gaber, ehemals Arzt für Psychiatrie in der Westfälischen Klinik. Mit einer vor zwei Jahren gegründeten Projektgruppe haben sie sich verschiedene Mehrgenerationen-Wohnprojekte in Lemgo, Dortmund, Bielefeld und Osnabrück angesehen. Aus diesen Besuchen und viel Lektüre haben sie ein Konzept entworfen, das offen sei für Menschen, die Lust auf Gemeinschaft hätten – Senioren, Singles, Familien. Gaber: »Wir wollen eine zukunftsfähige Wohnform entwickeln, in der alle ihre eigene Wohnung erhalten, aber auch Räume für die Gemeinschaft vorhanden sind.«

Tolerantes, solidarisches Miteinander

Dobra und Gaber waren schon beim Bürgermeister, im Planungsamt, haben die Ratsfraktionen aufgesucht und mit ersten, möglichen Projektentwicklern gesprochen. Alle seien begeistert von dem Konzept, in dem es unter anderem heißt: »Das Zusammenleben in unserer verlässlichen Nachbarschaft soll von respektvollem, tolerantem und solidarischem Miteinander getragen sein. Entscheidungen über das Zusammenleben werden von den Bewohnern gemeinsam getroffen. Dies betrifft zum Beispiel die Aufnahme neuer Mitbewohner, die Gestaltung der gemeinsamen Räume und Flächen oder Aktivitäten des Projektes.« Im Konzept ist von 20 bis 30 in sich abgeschlossenen Einheiten von unterschiedlichem Zuschnitt die Rede. Der Verein stellt sich einen Gemeinschaftsraum, einen Garten, einen Innenhof, eine Gästewohnung und ein ökologisches und energieeffizientes Wohnen vor.

Wolfgang Schmelz, Vorstand des Gütersloher Bauvereins, hat den Verein abgewiesen: »Dem Bauverein steht kein Grundstück und keine Immobilie für dieses Projekt zur Verfügung.« Aus eigener Erfahrung weist Schmelz auf einige Fallstricke des ambitionierten Projektes hin: »Durch den Wunsch nach Gemeinschaftsräumen und einer bestimmten Gestaltung des Außengeländes werden die Wohnungen meist teurer.« Jede noch so kleine Investition erfordere klare Absprachen, da sie am Ende von allen zu bezahlen sei.

Risiken sollten bekannt sein

Alter, Geschlecht und unterschiedliche Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Wohnprojekt-Mitglieder erforderten ein sensibles Vorgehen: »Es gibt Sonderwünsche, die sich nicht jeder leisten kann. Unter guter Gartengestaltung etwa versteht jeder etwas anderes.« Die Kosten gemeinsamer Räume seien auch gemeinsam abzurechnen, egal wer sie wie oft nutze. Großes Konfliktpotenzial sei in der gemeinsamen Auswahl von Nachmietern verborgen: »Zwei Mitglieder haben Bekannte und Freunde, die gerne einziehen möchten. Wer soll den Zuschlag bekommen? Wie geht es dem Mitglied, das die Abstimmung verliert?« Schmelz möchte das Mehrgenerationenprojekt keinesfalls schmälern: »Wer sich drauf einlässt, dem sollten die Risiken bewusst sein.«

Dobra und Gaber kennen diese Risiken und wollen mit Bürgern darüber reden. Sie laden am Donnerstag, 26. April, ab 19 Uhr zu einem Treffen in die Volkshochschule an der Hohenzollernstraße ein. Dort wollen sie darüber hinaus Immobilien vorstellen, die ihrer Ansicht nach für das Projekt in Frage kommen. Die Stadt habe ihnen die neue Siedlungen an der Ahornallee und am Pavenstädter Weg empfohlen. Ideal wären nach Auffassung Gabers auch die britischen Reihenhäuser an der Töpferstraße: »Dort hängt alles vom Tempo der Konversion ab.«

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