So., 30.09.2018

Stadtmuseum zeigt die Kolonie »Tsingtau« unter heimischer Beteiligung Auf deutschen Spuren in China

Die Ausstellung »Einsatz in Tsingtau« zeigt die Geschichte der deutschen Kolonie in der chinesischen Provinz. Die Stadtarchivare Stephan Grimm, Eckard Möller und Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth (von links) haben sie zusammengestellt.

Die Ausstellung »Einsatz in Tsingtau« zeigt die Geschichte der deutschen Kolonie in der chinesischen Provinz. Die Stadtarchivare Stephan Grimm, Eckard Möller und Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth (von links) haben sie zusammengestellt. Foto: Wolfgang Wotke

Von Wolfgang Wotke

Gütersloh (WB). Sie war die deutsche »Musterkolonie« im Reich der Mitte: Tsingtau im Nordosten Chinas. Ende 1897 wurde die Region auf Befehl des deutschen Kaisers Wilhelm II. besetzt und später zum Marinestützpunkt und Handelsplatz ausgebaut. Ab sofort zeigt eine Ausstellung im Stadtmuseum Gütersloh das fast vergessene Kapitel deutscher Geschichte – auch unter heimischer Beteiligung.

»Im November jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Grund genug, den Einsatz dort zu thematisieren, denn auch deutsche Soldaten aus unserer Region wurden in Asien eingesetzt und gerieten sogar in Gefangenschaft«, berichtet Stadtmuseumsleiter Dr. Franz Jungbluth. Gemeinsam mit den Stadtarchiven Harsewinkel und Gütersloh als auch mit dem Kreisarchiv Warendorf habe man eine einzigartige Wanderausstellung erarbeitet und zusammengetragen. Allen voran mit den Stadtarchivaren Stephan Grimm (Gütersloh) und Eckhard Möller (Harsewinkel).

Noch heute gibt es in der Stadt Bando (Japan) eine deutsche Bäckerei, früher Gefangenenlager.

»Wer weiß schon, dass Deutschland in China eine Kolonie hatte und dass dort auch deutsche Soldaten im Einsatz waren?«, fragt Möller, der über einen Kontakt in Marienfeld an Informationen über Josef Brügge gekommen ist. Jener Brügge sei einst in Tsingtau gewesen und blieb dort auch nach dem Ersten Weltkrieg bis 1920. Stephan Grimm hingegen stöberte nach einigen Recherchen sogar Bilder zweier ehemaligen Soldaten aus Gütersloh auf, die ebenfalls dabei waren. Es handelt sich um August Sundermann und Karl Verleger. »Es gibt sogar Postkarten und Zeichnungen von beiden«, erklärt Grimm. Insgesamt seien in Tsingtau 10.000 Soldaten stationiert gewesen, 4000 seien in japanische Gefangenschaft geraten. »Etwa 300 kamen aus Ostwestfalen«, schätzt Eckhard Möller.

Die von den Deutschen erbaute Altstadt in Tsingtau - dem heutigen Qingdao – ist fast erhalten geblieben. Im früheren Gouverneurspalast residiert die Stadtregierung. Die evangelische Christuskirche ähnelt einer norddeutschen Dorfkirche, auf deren Turmuhr bis heute der Name des deutschen Herstellers zu lesen ist. Und der Bahnhof gleicht einer Ritterburg.

Er war Ausgangspunkt einer Zugverbindung, die von 1910 an über Peking durch Nordchina, die Mongolei und Russland nach Berlin führte. Die Fahrzeit betrug 14 Tage. Die Ausstellung ist bis zum 11. November zu sehen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6085289?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F