Fr., 12.10.2018

»Dritter Mann« als Zeuge aus Polen überstellt, doch Piotr L. schweigt noch Westerwieher Raubmord: »Das ist doch alles ein Kaspertheater«

Der aus Polen überstelle Zeuge sollte vor dem Bielefelder Landgericht aussagen.

Der aus Polen überstelle Zeuge sollte vor dem Bielefelder Landgericht aussagen. Foto: Starke

Von Wolfgang Wotke

Gütersloh/Rietberg (WB). Drahtige Figur, Glatze, dunkle Hornbrille, blauer Schlumpf, Jeans – so sieht er also aus, der angebliche »dritte Mann«, der beim Westerwieher Raubmord auf ein Brüderpaar dabei gewesen sein soll.

In Handschellen ist Piotr L. (47) am Donnerstag von zwei Justizbeamten in den Saal 1 des Landgerichtes Bielefeld geführt worden. Auf ihn, der sich »Terminator« nennt, in Polen eine Haftstrafe absitzt und für eine Zeugenaussage überstellt worden ist, haben die Richter, die Staatsanwälte und Strafverteidiger lange warten müssen. Fast dreieinhalb Monate. Jetzt ist er endlich da – und schweigt (noch)! Zu den beiden Angeklagten Robert D. (48) und Artur T. (49) blickt er nur kurz.

Sein Rechtsanwalt aus Berlin, Damian Jakobek, sitzt neben ihm im Zeugenstand und verkündet dem Gericht, dass er bislang aus bestimmten Gründen »nur« zwei Stunden Zeit gehabt habe, um mit seinem Mandanten zu sprechen. »Ich brauche mindestens noch zwei Tage, um mit ihm zu besprechen, ob er hier eine Aussage macht oder nicht.« Auch Piotr L. meldet sich zu Wort, er wolle ja »zu 90 Prozent« aussagen, aber: »Ohne die komplizierte Sachlage mit meinem Anwalt genauestens erörtert zu haben, sehe ich mich heute nicht in der Lage, etwas zu sagen.«

»Das glaube ich jetzt nicht«

Das Gesicht des verwunderten Vorsitzenden Richters Dr. Marc Brüning wird immer länger: »Das glaube ich jetzt nicht«, sagt er. Immerhin wisse Jakobek als Zeugenbeistand seit Mitte Juni, dass sein Mandant hier und heute aussagen soll. Er kontert: »Sie hatten Zeit genug. Wir wollen ihn heute vernehmen.« Brüning gibt ihm vier Stunden, um das Rechts-Gespräch mit Piotr L. zu führen.

Alle vier Strafverteidiger der beiden Angeklagten haben indes Verständnis für ihren Kollegen aus Berlin. Anwalt Martin Rother aus Gütersloh: »Das kann nicht zu Lasten der Angeklagten gehen. Schließlich geht es hier um die Aufklärung eines Mordprozesses.« Und Verteidiger Matthias Doehring aus Hannover erklärte: »Das alles ist unglücklich, aber das Gericht darf jetzt auch keinen Druck aufbauen. Wenn Damian Jakobek noch Zeit braucht, muss man ihm diese auch geben.«

Der Zeuge bleibt vorerst in Deutschland

Rechtsanwältin Gabriele Martens aus Rheda-Wiedenbrück, die Vertreterin der Nebenklage, schüttelt betrübt und unzufrieden den Kopf: »Das ist doch hier ein Kaspertheater!«, schimpft sie. »Hier geht es lediglich um eine Zeugenaussage und nicht um einen Assistenten der Verteidigung.« Sie glaubt, dass der Zeuge seine Aussage – falls er sie macht – gut vorbereiten wolle und in eine für die Beschuldigten positive Richtung lenken werde.

Am Ende hat die Kammer dem Zeugenbeistand und Piotr L. bis zum nächsten Verhandlungstag, 25. Oktober, Luft verschafft, um die Frage einer Einlassung endgültig zu klären. So lange wird L. noch in einer Justizvollzugsanstalt in Deutschland festgehalten.

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