Sa., 13.10.2018

Kabarettist Fritz Eckenga spricht im Affenkostüm über Ur-Ängste und die AfD Primat aus’m Pott

Primat bleibt Primat: Im Affenkostüm weist Fritz Eckenga darauf hin, dass Ängste in jedem Menschen stecken.

Primat bleibt Primat: Im Affenkostüm weist Fritz Eckenga darauf hin, dass Ängste in jedem Menschen stecken. Foto: Jens Dünhölter

Von Jens Dünhölter

Gütersloh (WB). Mit ganz schön dickem Fell hat sich Fritz Eckenga gegen die Furcht gewappnet. Im Primaten-Kostüm spricht der Kabarettist (63) aus dem Ruhrpott über Ur-Ängste und die weltweite Bedrohungslage durch Leute wie Donald Trump. So aufwühlend kann er sein, der »Schöne lange Donnerstag« (Schlado) in der Stadthalle.

Zum Auftakt der neuen Spielzeit tritt Fritz Eckenga auf, wie nicht anders zu erwarten: mit der Souveränität eines Kabarettisten, Buchautoren, Kolumnisten in Radio und Presse, der in seinen mehr als 30 Bühnenjahren viel gesehen und erlebt hat. Die Zugabe des in Bochum geborenen, bekennenden Dortmunder Jungen gerät sogar zur minutenlangen Hommage auf sein, auf unser Westfalen.

Aus dem »gut 17-stündigen Repertoire« (Drohung Eckenga) hat der bissige Kabarettist sein zehntes Bühnenprogramm »Nehmen Sie das bitte persönlich« mitgebracht. »Weil Gütersloh nicht auf oberflächliche Unterhaltung, sondern auf tief greifende Erkenntnisse wartet. Sie haben doch schon über alles nachgedacht, Ihnen kann man nix mehr vormachen«, meint Eckenga.

Die Angst steckt in jedem

Bestimmendes Thema ist die Angst. Er streift dabei durch das weite Feld zwischen Lampenfieber, Eifersucht und Sorgen angesichts der weltpolitischen Bedrängungslage. Schon der Einstieg ist alles andere als gewöhnlich. Nach dem letzten Paukenschlag von Richard Wagners Götterdämmerung macht sich Eckenga buchstäblich zum Affen: Er erscheint im zotteligen Menschenaffenkostüm mit einem Affenkopf unter dem Arm auf der Bühne.

Die Auflösung folgt allerdings erst kurz vor der Pause. Der Mensch gehöre zu den Primaten, das Stammhirn habe sich seit 300.000 Jahren nicht verändert, erklärt Fritz Eckenga: »Die Angst steckt in uns allen. Da kann man nix machen.« Zu diesem Zeitpunkt ist der Unterhalter nach zunächst eher lockeren Geschichten über die Furcht vor Benotung in Komikerbewertungsportalen und der »Amazonisierung des Publikums« (»Demnächst tauscht der Paketbote nicht nur Schuhe, sondern auch ausrangierte Komiker aus der Stadthalle um«) längst bei schwer wiegenden politischen Themen angekommen. Aus dem Off dringen die Stimmen des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland (»Wir werden Frau Merkel jagen«) und Donald Trump (»We make Amerika great again«). Da grault es manche Zuhörer – wie gewünscht.

AfD und die Anonymen Alkoholiker

Doch was tun? Als Hilfsmittel gegen Ängste empfiehlt Fritz Eckenga sich zu informieren und mit anderen zu sprechen. Unter großem Beifall des Publikums bekommt in diesem Zusammenhang die AfD einen deutlichen Hieb an: »Das Herumpöbeln in der Rotte vermindert die Angst nicht. Sie vermehrt es.« Die Anonymen Alkoholiker würden sich ja auch nicht »zum Saufen in den Kneipe treffen«.

Die von Eckenga so titulierte »künstlerische Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit« endet mit dem Hinweis, Ruhe und Geduld zu bewahren. »Da sind wir Westfalen genetisch ohnehin im Vorteil«, meint der Kabarettist und betont zum Abschluss noch: »Es kommt von Herzen. Bitte nehmen Sie das persönlich.«

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