Di., 23.10.2018

Nach erneuten Turbulenzen um das Gütersloher Bürgerzentrum hagelt es Kritik »Weberei muss Transparenz zeigen«

Das Bürgerzentrum »Weberei« ist erneut in heftige Turbulenzen geraten. Es geht um oberflächliche Angaben im Kostenplan. Deshalb hat die Stadt den Zuschuss vorerst gestrichen und der Weberei eine neue Frist bis Mitte November gesetzt.

Das Bürgerzentrum »Weberei« ist erneut in heftige Turbulenzen geraten. Es geht um oberflächliche Angaben im Kostenplan. Deshalb hat die Stadt den Zuschuss vorerst gestrichen und der Weberei eine neue Frist bis Mitte November gesetzt. Foto: Wolfgang Wotke

Von Wolfgang Wotke

Gütersloh (WB). Erneute Turbulenzen um die Weberei in Gütersloh: Weil das Bürgerzen­trum Unterlagen nicht korrekt einreicht, gibt es jetzt mächtigen Ärger. Die Stadt verwehrt der Betreiberfirma einen Quartalszuschuss von 15.375 Euro und setzt eine neue Frist bis Mitte November. Der Streit könnte eskalieren. In den sozialen Netzwerken passiert das bereits.

Grund für den Zwist zwischen der Stadt und der Weberei sollen zu oberflächliche Angaben im Kostenplan des Betreibers sein. Die Stadtverwaltung hatte mehrfach dazu aufgefordert, die Angaben über die Verwendung von öffentlichen Fördermitteln zu vervollständigen. Die gemeinnützige Bürgerkiez GmbH, die aus Berlin von Albrecht Sprenger geleitet wird, muss nachbessern. Geschäftsführer Steffen Böning hat sich längst in Hamburg mit einer neuen Firma niedergelassen.

BfGT und CDU lehnten höheren Zuschuss ab

»Nach der Übernahme durch die Böning-Brüder vor vier Jahren sowie ihrem Partner hat sich die Weberei immer weiter von einem Bürgerzentrum entfernt. Die schleichende Kommerzialisierung hat ihren Lauf genommen«, sagt Norbert Morkes, BfGT-Fraktionschef in Gütersloh. Die Preise seien erhöht worden, Vereine und Initiativen hätten auf einmal Miete zahlen müssen.

Auch das Programm habe sich in die falsche Richtung begeben. Über den Begriff »Soziokultur« könne man sich heftig streiten, »doch ein Bürgerzentrum sollte auch ein Bürgerzentrum bleiben und nicht zu einem ›Geldeinnahme-Tempel‹ umfunktioniert werden.« Im Kulturausschuss, so Morkes, hätten sich besonders die Grünen mit der SPD über seine Warnungen hinweggesetzt. »Sie wollten aufgrund fadenscheiniger Begründungen der Weberei den Zuschuss sogar um 108.000 Euro erhöhen.« BfGT und CDU lehnten das jedoch ab.

»Insgesamt erhält das Bürgerzen­trum heute einen Zuschuss von 232.000 Euro und bleibt den Verwendungsnachweis schuldig.« Den Gipfel der Auseinandersetzung sieht Norbert Morkes darin, dass sich die Weberei auf Datenschutz beruft und sogar einen Rechtsanwalt aus Bonn eingeschaltet habe.

Programm sollte Alternative zur Hochkultur bieten

»Ein mit städtischen Mitteln subventioniertes Bürgerzentrum muss in allen Belangen Transparenz zeigen, ein Nischenprogramm präsentieren, das eine Alternative zur Hochkultur bieten, und es darf erst recht nicht aus Berlin fremdgesteuert werden.«

In die gleiche Kerbe schlägt der »Bademeister« des Wapelbades, Matthias Markstedt, der seit einigen Jahren die Entwicklung der Weberei mit Argusaugen betrachtet. »Die Böning-Brüder sind damals angetreten, um den Umsatz gegenüber des früheren Betreibers (Parisozial) auf drei Millionen Euro im Jahr zu verdoppeln. Alles, was in der Weberei gut funktioniert hat, wurde aufgekündigt«, wettert Markstedt.

Solange Steffen Böning in der Geschäftsführung war, sei nur von Sanierung gesprochen worden. Das Ziel sei nie erreicht worden und der Umsatz sei gleich geblieben. »Es hat sich nichts verbessert, außer den Preisen für Getränke, Speisen und der Raumvergabe für den Betreiber.« Es sei ein Witz, dass die Räume in der Weberei kostenpflichtig sind und zudem noch von der Stadt Gütersloh bezahlt würden. Er fragt: »Wo ist das kleine ›g‹ für die Gemeinnützigkeit in der GmbH? Kommerz oder Gemeinwohl?«

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