Di., 30.10.2018

Von GNU und Tönnies-Gegnern veranlasste Proben weisen multiresistente Keime nach Die Ems ist stark belastet

Das Wasser aus der Ems wirkt klar und sauber, dennoch enthält es gefährliche, multiresistente Keime.

Das Wasser aus der Ems wirkt klar und sauber, dennoch enthält es gefährliche, multiresistente Keime. Foto: GNU

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die Ems ist stark durch multiresistente Keime belastet. Vom Hygieneinstitut der Ruhr Universität Bochum geprüfte Proben weisen Keime nach, die gegen sechs bis acht Antibiotika resistent sind. Einige davon sind sogar gegen Reserveantibiotika immun, die in Kliniken als letzte Heilmöglichkeit verabreicht werden.

Die Proben wurden im Auftrag der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz im Kreis Gütersloh (GNU) und des Bündnisses gegen die Tönnies-Erweiterung am 23. Juli entnommen. In einer Pressemitteilung stellen sie einen möglichen Zusammenhang zwischen der Keim-Belastung und dem Tönnies-Werk her. Angelika Daum ist Mitglied des GNU-Vorstandes: »Immerhin leitet einer der größten Schlachthöfe Europas, die Firma Tönnies, ihre Abwässer über die Kläranlage Rheda in die Ems.«

Kein direkter Zusammenhang

Einen direkten Zusammenhang weist Bernhard Bußwinkel, der beim Kreis Gütersloh die Erweiterung prüft, allerdings zurück: »Die Keimbelastung der Ems und vieler weiterer Flüsse in Nordrhein-Westfalen ist auf zahlreiche unterschiedliche Faktoren zurückzuführen, darunter die Düngepraxis und Massentierhaltung in der Landwirtschaft.« In dem bereits zweieinhalb Jahre dauernden Prüfverfahren habe die Keimbelastung der Ems keine Rolle gespielt. Offene Fragen zur Geruchsbelästigung und dem künftigen Mengen-Management in der Kläranlage Rheda würden noch in dieser Woche beantwortet. Eine von der Gruppe der Linken und der Fraktion der Grünen im Kreistag geforderte Umweltverträglichkeits-Prüfung sei angesichts vorliegender Prüfergebnisse nicht erforderlich. Der Kreis werde aller Voraussicht nach Ende der Woche den von Tönnies gestellten Antrag genehmigen, die Zahl der täglichen Schlachtungen in Rheda-Wiedenbrück von derzeit 26.000 Tiere auf mehr als 30.000 Tiere zu erhöhen.

Die Proben sind nach Angaben der GNU von Experten mit desinfizierten Schöpfgeräten entnommen und in sterile Probeflaschen abgefüllt worden. Sie wurden dem Labor der Ruhruniversität gekühlt und zeitnah übergeben. Nach Filtration, Identifikation und Anreicherung in einem Selektivnährmedium seien die in den Proben festgestellten Keime mit medizinischer Relevanz auf ihre Resistenz gegenüber 14 gängige Antibiotika getestet worden. Angesichts des alarmierenden Ergebnisses fordert die GNU die Stadt Rheda-Wiedenbrück auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen.

Tönnies weist Vorwurf zurück

Um Stellung zu nehmen, benötige die Stadt sowohl die Untersuchungsergebnisse als auch Hinweise darauf, ob die Proben vor oder dem Ablauf der Kläranlage entnommen wurden. Die Firma Tönnies weist die Vorwürfe zurück: »Das Tönnies-Abwasser ist sauberer als häusliches Abwasser.«

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