Di., 04.12.2018

Rheda-Wiedenbrück: Konzern verarbeitet künftig 30.000 Schweine pro Tag Tönnies darf noch mehr schlachten

Der Tönnies-Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück: Der Kreis Gütersloh genehmigte jetzt die Erhöhung der Schlachtkapazität auf 3500 Tonnen am Tag.

Der Tönnies-Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück: Der Kreis Gütersloh genehmigte jetzt die Erhöhung der Schlachtkapazität auf 3500 Tonnen am Tag.

Von Stephan Rechlin

Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück (WB). Die Tönnies-Gruppe darf ihre Schlachtkapazität am Stammsitz Rheda-Wiedenbrück von 3000 auf 3500 Tonnen am Tag erhöhen. Nach 26 Monaten Prüfzeit genehmigt der Kreis Gütersloh die vom Konzern beantragte Erweiterung.

Schon im April wunderte sich Konzernchef Clemens Tönnies, warum das Genehmigungsverfahren für eine derart geringfügige Veränderung im Bestand eines Unternehmens dermaßen lange dauere. Die Antwort darauf kennt der Chef selbst am besten. Seine Firma ist kein normales Unternehmen. Die Tonnenaufstockung bedeutet, dass künftig 30.000 statt bisher 26.000 Schweine an jedem einzelnen Tag im Jahr geschlachtet werden.

Der Erweiterungsantrag verstärkte und beschleunigte eine neue Profilausrichtung der Linken im Kreis Gütersloh. Gemeinsam mit Tierschützern gründeten sie das Bündnis gegen die Erweiterung des Tönnies-Konzerns, demonstrierten mit Plakaten und Flyern in den Innenstädten, sammelten und überreichten dem Kreis 14.500 Unterschriften gegen die Ausbauabsichten. Die Kontrolle einer dieser Demonstrationen durch die Polizei bezeichneten die Linken später im Kreistag als Gängelung und Schikanierung. Im Kreistag strebten die Linken auch eine Resolution gegen die Erweiterung an. Sie wurde mit den Stimmen von CDU und AfD von der Tagesordnung entfernt – für die Linke ein weiterer Beweis für vorauseilenden Gehorsam im Konzerninteresse.

Resonanz bleibt ernüchternd

Bei allem Aktionseifer blieb die Resonanz auf eine Bürgerversammlung zur Tönnies-Erweiterung ernüchternd. Die Erweiterungsgegner blieben mehr oder weniger unter sich. Auch auf der Straße mussten sie sich so manchen Kommentar zu ihren Vorwürfen gegen den Tönnies-Konzern anhören.

Aus dem Bündnis von Tierschützern und Linken wurde auch dann keine große Bürgerbewegung, als die Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) mit ins Boot stieg. Eine gemeinsam finanzierte Studie wies eine Belastung der Ems mit multiresistenten Keimen nach. Sie sollte den Kreis zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zwingen und die Genehmigung im letzten Augenblick verhindern. Den Verzicht auf die UVP bezeichnete der Kreisverband der Linken als einen Skandal und kündigte eine Klage an, sollte die Erweiterung genehmigt werden.

Klage würde Genehmigung verzögern

So eine Klage hätte aufschiebende Wirkung – Tönnies könnte wieder nicht loslegen, sondern müsste beim Kreis einen Antrag auf sofortige Vollziehung der Genehmigung stellen. Tönnies-Sprecher Dr. André Vielstädte kommentiert die Genehmigung darum betont diplomatisch: »Wir nehmen die Meinungen der Anwohner und Kritiker auch weiterhin sehr ernst, daher ist es uns wichtig, dass diese auch zukünftig mit uns das Gespräch führen.«

Weitere Baumaßnahmen seien kurzfristig nicht geplant. »Durch die Effizienzsteigerung in der Produktion und den gleichzeitigen Ausbau der Automatisierungstechnik konnten die Produktionsprozesse kontinuierlich verbessert werden.«

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