Fr., 07.12.2018

TWE soll in den ÖPNV-Bedarfsplan des Landes aufgenommen werden – mit Video Erste Abfahrt im Jahr 2023?

Neben Güterzügen verkehrten in den vergangenen Jahrzehnten Nostalgiezüge auf der TWE-Strecke zwischen Verl und Harsewinkel.

Neben Güterzügen verkehrten in den vergangenen Jahrzehnten Nostalgiezüge auf der TWE-Strecke zwischen Verl und Harsewinkel. Foto: Klaus Münstermann

Von Michael Delker

Gütersloh/Verl/Harsewinkel (WB). Wer in den vergangenen Jahrzehnten auf der TWE-Strecke verkehren wollte, musste in Nostalgiezüge einsteigen. Ab 2023, so die Hoffnung der Kreis-SPD, könnten Personenzüge auch wieder nach Fahrplan auf der Strecke unterwegs sein.

Eine wichtige Hürde wurde am Donnerstag genommen. Nach der positiven Bewertung in der Machbarkeitsstudie der PTV Transport Consult (Karlsruhe) soll über den Regionalrat die Aufnahme des Projekts in den ÖPNV-Bedarfsplan des Landes angemeldet werden. Den erforderlichen Beschluss hierzu hat die Versammlung des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) einstimmig gefasst.

Mitglied der NWL-Versammlung ist die SPD-Bundestagabgeordnete Elvan Korkmaz. »Mit seiner Gesamtstrecke von 25,7 Kilometern zwischen Verl und Harsewinkel legt die TWE dann insgesamt 0,3 Millionen Zugkilometer im Jahr zurück, die zu einer Verminderung von sechs Millionen Pkw-Kilometer führen«, sagt die Gütersloherin. Eine Inbetriebnahme der Strecke bis 2023 hält sie für möglich.

Gutachter beziffern Kosten mit 34,5 Millionen Euro

Bis dahin warten auf die Planer und die Firma Captrain, dem Eigentümer der Eisenbahninfrastruktur, noch jede Menge Arbeit. Nach der Aufnahme in den ÖPNV-Bedarfsplan ist der Verkehrsausschuss des Landtages am Zug. Dieser muss das Reaktivierungsprojekt – wie auch die Strecke Münster-Sendenhorst (Westfälische Landes-Eisenbahn/WLE) – für die Aufnahme in den Infrastrukturfinanzierungsplan vorschlagen. Sie ist neben der Förderung der Investitionen Grundlage für die Finanzierung der künftigen Betriebskosten.

Zur nötigen Infrastruktur zählen 70 Bahnübergänge, Haltestellen, Radstationen und Parkplätze. Nach NWL-Angaben sollen Gleise, Weichen und Signalanlagen erneuert werden. Alle Stationen würden barrierefrei eingerichtet. »Die Planungen berücksichtigen die geltenden Vorgaben zum Schall- und Immissionsschutz«, heißt es. Der NWL setze sich zum Ziel, hier – wie auch auf anderen heutigen Dieselstrecken – nachhaltige Antriebstechnologien einzusetzen. Die Kosten beziffern die Gutachter mit 34,5 Millionen Euro, von denen nach Angaben von Korkmaz wohl 26,1 Millionen über die Landesfinanzierung fließen würden. Entgegen der ursprünglichen Planung würde das Land auch die Betriebskosten in Höhe von rund einer Million Euro übernehmen.

Im Einzugsgebiet leben 45.000 Menschen

Die Gutachter halten die Reaktivierung der Strecke für volkswirtschaftlich sinnvoll, weil im Einzugsbereich der Strecke – ausgehend vom Referenzjahr 2030 – 45.000 Menschen leben und sich dort 26.000 Arbeitsplätze befinden. Die TWE soll im 60-Minuten-Takt verkehren. Die Gutachter gehen davon aus, dass pro Tag 3500 Menschen das Angebot nutzen werden. Korkmaz rechnet damit, dass Planung und Bauzeit jeweils zwei Jahre in Anspruch nehmen werden.

Begrüßt wird die Entscheidung auch von Landrat Sven-Georg Adenauer: »Die positive Bewertung ist ein ganz wichtiger Schritt für dieses Projekt und die Infrastruktur in der Region.«

 

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