Di., 15.01.2019

WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Dunja Delker testet: Wie vermeide ich Abfälle beim Einkaufen? Selbstversuch: Das kommt nicht mehr in die (Plastik)tüte

Mit wenigen Tricks hat Dunja Delka ihren Plastikmüll um die Hälfte reduziert.

Mit wenigen Tricks hat Dunja Delka ihren Plastikmüll um die Hälfte reduziert. Foto: dpa

Von Dunja Delker

Gütersloh (WB). Es gab nicht den einen Moment, der mich dazu gebracht hat, grüner zu denken. Es sind vielmehr viele kleine Momente, die mir einen mulmigen Magen machen und mich dazu bewegen, nachhaltiger zu handeln.

Dunja Delker hat den Selbstversuch gestartet. Foto: Borgmeier

Diese faustdicken Hagelkörner im Juli 2014, Sturm Friederike Anfang 2018, der ungewöhnlich heiße Sommer im vergangenen Jahr oder die Schneemassen in diesen Tagen: Vermeintlich »natürliche« Ereignisse wie diese machen mir Angst und führen mir die Folgen des Klimawandels immer wieder vor Augen. Deswegen platziere ich immer häufiger kleine grüne Schritte in meinem Leben.

Ich will mein Leben nicht auf den Kopf stellen und bis hin zur Askese »öko« gestalten. Wenn es umständlich oder teuer wird, bleibt man nicht am Ball. Aber viele Dinge lassen sich ohne viel Aufwand und Mehrkosten in den Alltag integrieren.

Milch aus Flaschen

Hier sind meine ganz persönlichen Anregungen:

• Ich gebe mir Mühe, unnötige Autofahrten zu vermeiden . Weil ich mit meinem Mann und meinen Kindern (neun und fünf Jahre alt) ländlich wohne, habe ich in ein »Follow me« investiert. Bei Zeit und Lust radelt der Fünfjährige selbst. Haben wir es eilig, ist sein Kinderfahrrad schnell an meins montiert und er kann, muss aber nicht treten.

Milch in Flaschen statt im Tetrapak kaufen (ganz nebenbei: Warum ist Milch in Flaschen eigentlich teurer?)

• Wasser aus dem Kran oder dem Sodastream .

Gemüsenetze statt Plastik

Das gibt’s auch:

Strohhalme aus Bambus/Glas,

Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie

Waschbare Abschminkpads (sogar selbstgehäkelt)

Zahnputztabletten oder Zahnpasta am Holzstiel mit Zimtgeschmack

Bambus-Besteck oder Blechdosen für unterwegs

Deo-Stick in der Papierverpackung

diverse Dinge für die Monatshygiene und Verhütung.

• Obst und Gemüse nicht in Plastik abgepackt kaufen. Man kann sogar wunderbar auf Einmaltüten verzichten. In vielen Supermärkten (beispielsweise bei Rewe oder Schenke) gibt es Gemüsenetze , die sich ohne Ende weiter verwenden lassen.

Noch besser ist es, auf regionale und saisonale Produkte zu achten. Der Bummel über den Markt ist dafür die ideale Gelegenheit!

• Im Supermarkt achte ich darauf, dass ich Dinge kaufe, die nicht in Plastik abgepackt sind. Wir wohnen in Gütersloh, dort gibt es leider (noch) keinen Unverpackt-Laden. Deswegen kaufe ich beispielsweise Ketchup oder Essig in Glas- statt Plastikflaschen . Auch Gewürze gibt es (vor allem im Discounter) oft im Glasfläschchen. Zwar mit Plastikdeckel. Aber das ist besser als nichts oder die deutlich teurere Alternative.

Dosen mitbringen

• Fleisch, Wurst und Käse lasse ich mir auf der Frischetheke in eine mitgebrachte Dose füllen. Die ist aus Plastik, doch so lange sie ihren Zweck erfüllt, wird sie natürlich nicht durch Glas oder Metall ersetzt. Wer nicht besonders empfindlich ist, verzichtet auch auf die Trennfolie zwischen den unterschiedlichen Wurstsorten.

• Die restlichen Papiertaschentücher werden noch aufgebraucht. Dann geht’s wieder zurück zu Omas Stoffvariante.

• Bei Tee – wenn er denn nicht lose oder mit frischem Ingwer zubereitet wird – achte ich darauf, dass die Beutel nicht einzeln abgepackt sind! Das ist meistens bei den teureren Sorten der Fall. Von außen ist die Portionspackung oft schon daran zu erkennen, dass die Pappschachtel etwas größer ist.

Toilettenpapier kommt mir seit Jahren schon nur noch aus Recyclingpapier ins Haus. Doch auch hier werden die Rollen in einer Plastiktüte verkauft. Diese nutze ich als Müllbeutel weiter – ebenso die Tüten, die beispielsweise durch Online-Bestellungen ins Haus flattern.

Schmierzettel gehen immer

Papier sparen: Nicht erst dank Alexa (obwohl man natürlich auch bei Geräten das Thema Nachhaltigkeit und Ökologie beleuchten könnte) habe ich meinen Einkaufszettel auf dem Handy.

Dennoch gibt es ja immer wieder Dinge, die aufgeschrieben werden müssen. Rückseiten der alltäglichen Post oder Briefumschläge werden also als Schmierzettel weiter benutzt. Papier, das nur von einer Seite bedruckt ist, eignet sich nicht nur für uns, sondern auch für die Kinder zum Malen, außerdem drucke ich oft beidseitig aus.

Weniger Wasser: Ich gieße meine Blumen schon seit Jahren mit dem Wasser aus dem Kondenstrockner (den ich nur selten benutze). Lässt es das Wetter zu, ist der gute Geruch draußen getrockneter Wäsche nicht zu toppen. Das Trocknen auf dem Wäscheständer im Hauswirtschaftsraum dauert zwar länger, spart aber Strom.

Es sollte selbstverständlich sein, dass Wasser aus dem Wasserkocher, das übrig ist, nicht weggekippt wird. Ich lasse es drin fürs nächste Mal oder kippe es in die geschlossene (!) Küchenspüle. Im Laufe des Tages gibt es ja immer mal etwas abzuwaschen.

Ein Blick in den Einkaufsbeutel:

 

Vor allem bei Drogerie-Artikeln ist es nicht so einfach, auf Plastik zu verzichten:

1. Essig-Essenz als Putzmittel.

2. Sodastream für Mineralwasser.

3. Haarseife gibt’s im Drogeriemarkt.

4. Für Obst und Gemüse gibt es Netze, die sich auch für Brot und Brötchen eignen.

5. Zurück zum guten, alten Seifenstück zum Waschen, hier Olivenöl-Seife.

6. Bei Cremes achte ich darauf, dass sie im Glastiegel sind.

7. Bodylotion lässt sich prima durch Mandelöl (gibt es in der Apotheke) ersetzen

8. Wattestäbchen gibt es auch aus Pappe oder Bambus – und das im Drogeriemarkt.

9. Ebenfalls dort habe ich die Deo-Creme im Glastiegel mit Metalldeckel gekauft.

10. Perfekt: Bananen haben ihre umweltfreundliche Verpackung gleich dabei.

11. Zahnbürsten aus Bambus und Naturborsten sind inzwischen weit verbreitet. Bei Zahnpasta habe ich noch keine gute Lösung.

Viele offene Fragen

Ist es tatsächlich besser, auf Glas oder sogar Metall statt Plastik zu setzen?

Welchen Schaden richten noch Papier-Umverpackungen an? Wenn ich lese, dass bei der Herstellung von nur einem Din-A4-Blatt 20 Liter Wasser verbraucht werden, hoffe ich, dass diese Zahl nicht stimmt.

Und wie sieht es mit dem Autofahren aus? Alle verfluchen Diesel oder Benziner. Doch für Elektroautos wird in Chile Lithium abgebaut – mit der Folge, dass dort das Wasser knapp wird.

Ähnlich ins Grübeln bringt mich die so häufig empfohlene Olivenöl-Seife aus Aleppo. Sie soll das Duschgel, ja unter Umständen sogar das Waschmittel, ersetzen. Doch stammt sie wirklich aus Aleppo? Was macht das denn dann mit meiner Öko-Bilanz? (Und mit meinem Geldbeutel?).

Haben Sie Antworten, weitere Fragen oder wertvolle Tipps? Schreiben Sie mir an: d.delker@westfalen-blatt.de.

Kommentare

Wasser aus Kondenstrockner an Blumen

Bitte kein Kondenswasser aus dem Trockner an Blumen. Evtl. sind noch Rückstände von Waschmittel. Als weiteres sind auch keine Mineralien mehr drin, die die Pflanzen bräuchten, die im normalen Trinkwasser enthalten sind. Zum Bügeln kann man das Trocknerwasser allerdings super nehmen.

1 Kommentare

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