Fr., 25.01.2019

Gütersloh: Experten ermitteln Werte, die TWE-Reaktivierung sinnvoll erscheinen lassen Alles eine Frage der Bruchrechnung

Die TWE-Lok im Gütersloher Bahnhof kann schon mal warm laufen. Vielleicht zieht sie vier Jahren Personenwagen.

Die TWE-Lok im Gütersloher Bahnhof kann schon mal warm laufen. Vielleicht zieht sie vier Jahren Personenwagen. Foto: Wolfgang Wotke

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die Gutachter der PTV Transport Consult GmbH gehen von 3100 Fahrgästen aus, die an jedem Werktag in der Woche in einem TWE-Personenzug die 25,7 Kilometer lange Schienenstrecke zwischen Harsewinkel, Gütersloh und Verl nutzen würden. Im Kreis-Verkehrsausschuss gibt es niemanden mehr, der diese Zahl in Frage stellt.

Alle »begrüßten« die mit »1,6« bezifferte Quote, die den volkswirtschaftlichen Nutzen einer Reaktivierung dieser Strecke belegen soll. Die Ziffer ist das Ergebnis eines bundesweit angewandten, standardisierten Verfahrens, einer Bruchrechnung. Über dem Bruch steht der in Euro berechnete Wert einer Nutzungsänderung, von dem die Betriebskosten und die jährlichen Unterhaltungskosten der Strecke abgezogen werden. Unter dem Bruch steht der Kapitaldienst, also Zins und Tilgung, die für die 34,5 Millionen Euro hohen Investitionskosten aufzubringen sind. Die Gutachter kommen dabei auf 1,1 Millionen Euro.

Quote muss größer als eins sein

Wenn die berechnete Quote größer als eins ist, lohnt sich der ganze Aufwand – soweit die Theorie. Der 80 Kilometer pro Stunde fahrende Zug würde von Harsewinkel bis zum Gütersloher Hauptbahnhof 16 Minuten brauchen, von Verl zum Gütersloher Bahnhof 17 Minuten. Das wäre schneller als mit Pkw oder Bus. Diesen Vorteil setzen die Gutachter schon mal mit 376.000 Euro an. Auf gut zwei Millionen Euro im Jahr kommen sie, wenn sie die ganzen Pkw-Betriebskosten, Unfallkosten, die CO2- und Schadstoffemissionen zusammenzählen, die entstehen, wenn die Zugfahrgäste künftig auf ihr Auto verzichten. Den Berechnungen zufolge würden sechs Millionen Pkw-Kilometer im Jahr gespart. Mit der »Schaffung zusätzlicher Mobilitätsmöglichkeiten« – im Ausschuss fragte niemand nach, was das wohl sein könnte – packen die Gutachter noch einmal 192.000 Euro oben drauf. Am Ende stehen jedenfalls 1,72 Millionen Euro über dem Bruch und 1,1 Millionen Euro darunter: 1,6. Passt. Volkswirtschaftlicher Sinn erwiesen.

Dem Landes-Verkehrsminister liegt die Berechnung bereits vor. Jetzt soll sie so schnell wie möglich über den Regionalrat (Mai) in den bestehenden ÖPNV-Bedarfsplan des Landes einrücken. Dann werden Strecke und neun Haltepunkte zwei Jahre lang instand gesetzt und ab 2023 soll die Bahn wieder rollen. Der Kreis bemüht sich um Mittel aus der Regionale.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6343927?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F