Di., 05.02.2019

TWE: Reaktivierung des Personenverkehrs stößt auf Kritik einer Bürgerinitiative Widerstand gegen »Irrsinn auf Schienen«

Die TWE soll künftig nicht nur Stahlrohre, sondern auch Personen transportieren. Dagegen regt sich erstmals außerparlamentarischer Widerstand.

Die TWE soll künftig nicht nur Stahlrohre, sondern auch Personen transportieren. Dagegen regt sich erstmals außerparlamentarischer Widerstand. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Als »Irrsinn auf Schienen« bezeichnet eine Interessengemeinschaft »Pro Cargo – Contra Personennahverkehr« die Pläne des Landes, wieder Personen mit der Teutoburger Wald Eisenbahn (TWE) von Harsewinkel über Gütersloh nach Verl transportieren zu lassen. Es ist die einzige, noch wahrnehmbare Opposition gegen das Vorhaben.

Initiator der gut 25 Mitglieder starken Interessengemeinschaft (IG) ist Daniel Kreft aus Marienfeld. Er sei auf einem Hof am Rande Marienfelds direkt an den Schienen aufgewachsen, seine Familien sei von einem Ausbau also direkt betroffen. Doch nicht die hohe Lärmbelästigung durch einen alle halbe Stunde mit Tempo 80 vorbeifahrenden Zug habe weitere Bürger zum Beitritt bewogen: »Es sind vor allem die mit 34,5 Millionen Euro bezifferten Ausbaukosten. Das ist doch jedem Menschen klar, dass sich das nie und nimmer rechnen wird«, sagt Kreft. Deshalb hätten er und seine Mitstreiter auch nie im Leben damit gerechnet, dass dieses Projekt jemals auch nur den Hauch einer Chance hätte. Als in der jüngsten Sitzung des Kreis-Verkehrsausschusses das Wirtschaftlichkeitsgutachten ohne jede kritische Nachfrage zur Kenntnis genommen worden sei, sei für Kreft jedoch der Zeitpunkt gekommen, um zu handeln.

Woher sollen 3100 Fahrgäste kommen?

In einem Flyer, der in Marienfelder und Harsewinkler Haushalte gesteckt und über Facebook verbreitet wurde, fordert die IG eine Bürgerversammlung, in der konkrete Fragen zur TWE-Reaktivierung beantwortet werden sollen. Zum Beispiel jene nach den 3100 Fahrgästen, die den Zug angeblich jeden Tag nutzen würden: »Woher sollen die denn kommen?« Mit der Reaktivierung solle die TWE-Buslinie 71 eingeschränkt werden: »Das ist eine Katastrophe für ältere Leute, die nicht zufällig im Zentrum von Marienfeld und Harsewinkel wohnen und die Haltepunkte schnell erreichen können.«

In zwei Anträgen an den Harsewinkler Rat hat die CDU-Ratsfraktion die Bedenken der IG aufgenommen. Darin wird unter anderem gefordert, die Angebote der Buslinie 71 in vollem Umfang aufrecht zu erhalten und eine mit Experten besetzte Bürgerversammlung einzuberufen. Gegen einen Ausbau der TWE-Strecke für den Güterverkehr habe die IG nichts einzuwenden: »Dann aber bitte aus dem Investitionsbudget des Captrain-Konzerns und nicht mit Steuermitteln.«

Kommentare

Wahrtscheinlich stimmt die Fahrgastprognose wirklich nicht

In einem haben die Wutbürger wohl recht. Die Fahgastprognose dürfte nach 5-10 Jahren komplett verfehlt sein. Praktisch alle Reaktivierungen in Baden-Württemberg in den letzten 20 Jahren haben nach wenigen Jahren die prognostizierten Fahrgastzahlen deutlich übertroffen - je nach Strecke um das 3-9fache.

Die Mehrheit profitiert

Egoistische Motive. Man schaue mal auf die Verler Strasse (GT<->Verl) und auf die Staus . Parallel dazu verläuft die TWE Strecke. Dumm war nur, die Strecke so verkommen zu lassen.

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