Di., 26.02.2019

Im Gütersloher Gerätewerk könnten rund 500 von 2400 Stellen bis 2025 wegfallen – Staubsaugerproduktion in Bielefeld wächst Miele will Kündigungen vermeiden

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: obs/Miele & Cie. KG

Gütersloh (WB). Vor allem ein scharfer Preiskampf bei Waschmaschinen macht dem Hausgerätehersteller Miele stark zu schaffen und stellt etwa 500 der 2400 Stellen im Stammwerk Gütersloh bis 2025 in Frage.

»In keinem unserer heutigen deutschen Werke hat es jemals nur eine einzige betriebsbedingte Kündigung gegeben. Unser Ziel ist, dass dies auch so bleibt«, betont Technik-Geschäftsführer Dr. Stefan Breit.

Der Einstiegspreis für Waschmaschinen ist in Deutschland inzwischen auf rund 300 Euro gesunken, die Durchschnittspreise bewegen sich bei 400 bis 500 Euro. Miele-Waschmaschinen gibt es dagegen laut Liste erst ab 799 Euro. »Wir haben wegen der Qualität und Langlebigkeit unserer Geräte natürlich einen gewissen Preisabstand, können die Entwicklung im Markt aber nicht ignorieren und dürfen diesen Preisabstand auch nicht zu groß werden lassen«, sagt Breit.

Um den Preis für Miele-Maschinen im Einstiegsbereich senken und dies wirtschaftlich darstellen zu können, sollen diese künftig im derzeit im Bau befindlichen Werk im polnischen Ksawerów gefertigt werden. Die Produktion soll dort zum Jahreswechsel anlaufen und bis 2025 den Vollbetrieb erreichen.

Nicht nur über das Werk Gütersloh sprechen

In diesem Zuge wird es im Gütersloher Gerätewerk als Leitstandort für Wäschetechnik zu Anpassungen kommen. 500 der knapp 2400 Stellen im Werk stehen bis dahin zur Disposition. »Die Größenordnung lässt sich angesichts der Altersstruktur der Belegschaft durch Renteneintritt und Fluktuation abdecken. Ziel ist, die notwendigen Anpassungen ohne aktiven Personalabbau hinzubekommen. An diesem Ziel möchten wir gemeinsam mit dem Betriebsrat arbeiten. Und wenn die IG Metall Ideen für zukunftsgerichtete Kostenstrukturen beisteuern möchte, ist dies ebenfalls willkommen«, sagt Breit.

Während einer Übergangsphase könnten neben betrieblichen Vereinbarungen für mehr Flexibilität auch tarifvertragliche Abweichungen, wie von der IG Metall ins Gespräch gebracht, hilfreich sein. Hierüber will die Miele-Geschäftsleitung mit der IG Metall als Tarifpartei sprechen. Eine entsprechende Einladung sei am Freitag förmlich erfolgt, sagt Breit. Die IG Metall habe aber signalisiert, dass sie nicht nur über das Werk Gütersloh sprechen wolle.

»Miele verlangt weiterhin keine Tarifeinschnitte«

Im zweitgrößten Werk Bielefeld mit 1900 Mitarbeitern stellt sich die Situation weniger bedrohlich dar. Zwar könnten hier, wie berichtet, im Bereich der Geschirrspülerproduktion durch eine Arbeitsteilung mit dem tschechischen Werk Uničov bis 2021 bis zu 180 Stellen wegfallen. Breit setzt aber darauf, dass neben Fluktuation auch höherer Mitarbeiterbedarf im Staubsaugerbereich dies auffängt. Ab Herbst werde dort eine neue Montagelinie eingerichtet. »Ich gebe meine Zusicherung, dass es in Bielefeld im Zusammenhang mit den heute bekannten Herausforderungen keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird«, sagt Breit.

Auch bei allen anderen Werken gebe es für die Mitarbeiter keinen Anlass zur Sorge, betont der Technik-Geschäftsführer. Deshalb gebe es keine Notwendigkeit und keine Grundlage für die von der IG Metall geforderten Verhandlungen über Standortsicherungstarifverträge. »Miele verlangt weiterhin keine Tarifeinschnitte«, sagt Breit.

Das gelte auch vor dem Hintergrund der geplanten Einsparung von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr bei Gesamtkosten von rund 4 Milliarden. Hierzu hat, wie berichtet, die Unternehmensberatung McKinsey erste Fokusprojekte benannt.

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