Umstrittene Exponate kommen bei Detlef Jentsch unter den Hammer
Stoßzähne und Nazi-Buch versteigert

Gütersloh (WB). Eher gelangweilt durchblättert die ältere Frau den dicken Auktionskatalog mit mehr als 500 verschiedenen Antik-Artikeln. »Was ich suche, das ist nicht da«, teilt sie ihrem Mann mit.

Montag, 04.03.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 08:20 Uhr
Düsteres Nazi-Dokument: Björn Jentsch, Sohn des Auktionators Detlef Jentsch, präsentiert eine Jubiläumsausgabe von »Mein Kampf«, anlässlich Hitlers 50. Geburtstag (1939) veröffentlicht. Für 450 Euro wurde das umstrittene Buch jetzt versteigert. Foto: Uwe Caspar
Düsteres Nazi-Dokument: Björn Jentsch, Sohn des Auktionators Detlef Jentsch, präsentiert eine Jubiläumsausgabe von »Mein Kampf«, anlässlich Hitlers 50. Geburtstag (1939) veröffentlicht. Für 450 Euro wurde das umstrittene Buch jetzt versteigert.

Aber dann weckt die Vase aus Weißporzellan doch noch das Kaufinteresse der Besucherin – sie sichert sich das schöne Stück (»die Vase kriegt unsere Ute«) für 25 Euro. Ein bescheidener Betrag im Vergleich zu den vier unterschiedlich schweren Elefantenstoßzähnen, von denen sich Auktionator Detlef Jentsch die größte Einnahme bei seiner Versteigerung mit mehr als 100 Bietern erhofft. »Die Zähne sind vor dem 1973 in Kraft getretenen Artenschutzgesetz legal erworben worden, es liegt dafür eine staatliche Bescheinigung vor«, beruhigt der hammerschwingende Hausherr potenzielle Interessenten.

Im Laufe der vierstündigen Veranstaltung findet Jentsch Abnehmer für alle vier Stoßzähne, die Trophäen eines ehemaligen Großwildjägers. Auch wenn ihr Erlös zum Teil deutlich unter der Einstiegsofferte bleibt (3000 statt 4180 Euro), zeigt sich der 74-Jährige nicht unzufrieden mit der Ausbeute. »Leider ist diesmal kein Bieter aus China dabei, sonst hätte ich noch mehr rausgeholt. Besonders die Chinesen sind scharf auf Elfenbein, dessen Extrakt als potenzfördernd gilt«, sagt Jentsch schmunzelnd, bevor er seltene Militaria-Stücke vorstellt.

»Der Steinbock geht bei uns schon in seine dritte Runde«

Unter anderem mit Relikten aus der Nazizeit. So findet eine Jubiläumsausgabe von »Mein Kampf« anlässlich Adolf Hitlers 50. Geburtstag (1939) für 450 Euro einen ­neuen Besitzer. »Es handelt sich hier um einen seriösen Sammler«, wähnt Detlef Jentsch das düstere Dokument in guten Händen. Ein weiteres »Mein Kampf«-Buch, gedruckt 1941 und schon ziemlich zerfleddert, wird für immerhin noch 80 Euro versteigert. Auch Schmuck und Silber gehen bei der Auktion am vergangenen Samstag gut weg, weniger dagegen Gemälde und Bilder.  »Die sind immer nur schwer zu verkaufen«, erläutert der Auktionator, der sich auch mehr Umsatz beim Porzellan gewünscht hätte.

Jentsch ist dafür froh, dass er endlich den Steinbock aus Holz los wurde: »Der geht bei uns schon in seine dritte Runde, der muss weg«, findet seine Aufforderung auch Gehör. Doch statt der erhofften 40 Euro gibt’s für den hölzernen Bock nur 15 Euro. Der Antiquitäten-Experte, der mit dem ZDF fünf neue Folgen von »Kaputt und zugenäht« gedreht hat, akzeptiert am Samstag nur zähneknirschend jene Angebote, die unter dem Startpreis liegen: »Weil ich mich damit eigentlich selber bestrafe.«

Dabei ist das Gros seiner Kundschaft recht vermögend. Eine seiner Versteigerungen lockte gar zwei Milliardäre an. Mit dicken Geldbündeln in ihren Taschen, denn das Gütersloher Auktionshaus lehnt Kartenzahlung ab: Nur Bares für Rares.

 

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