Do., 14.03.2019

Gütersloh: Nicht einmal mehr die SPD-Fraktion stimmt noch gegen TWE-Reaktivierung Der Zug ist kaum noch aufzuhalten

Am 18. März wird der Regionalrat entscheiden, ob das Schienennetz der TWE im Kreis Gütersloh für den Personenverkehr reaktiviert werden soll. Aus dem Gütersloher Rathaus gibt es keinen Widerstand mehr dagegen.

Am 18. März wird der Regionalrat entscheiden, ob das Schienennetz der TWE im Kreis Gütersloh für den Personenverkehr reaktiviert werden soll. Aus dem Gütersloher Rathaus gibt es keinen Widerstand mehr dagegen. Foto: Ulrike von Brevern

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die Bürgerinitiative Pro Cargo Contra Personennahverkehr möchten das Wirtschaftlichkeitsgutachten zur TWE-Strecke gerne von Verkehrsexperten prüfen lassen. Über einen Anwalt fordert sie die Bezirksregierung auf, die Studie zu veröffentlichen.

Allerdings ist das längst geschehen. Zur Sitzung der Verkehrskommission des Regionalrates am kommenden Freitag ist das Gutachten unter dem entsprechenden Tagesordnungspunkt offen einsehbar. Aus der Studie geht unter anderem hervor, dass der Verzicht von täglich 3100 Fahrgästen auf ihren Pkw den Ausstoß von jährlich 766 Tonnen CO 2 vermeiden würde. Werde der CO 2 -Ausstoß der Diesellok davon abgezogen bleibe ein Saldo von 461 Tonnen CO 2 pro Jahr. Daraus leiten die Gutachter einen volkswirtschaftlicher Nutzen von 169.000 Euro pro Jahr ab.

Kein Widerstand mehr im Ausschuss

Ob diese Kalkulation belastbar ist, interessiert im Gütersloher Planungsausschuss höchstens noch die BfGT. Die SPD, vor zehn Jahren ein vehementer Gegner des TWE-Ausbaus, lässt durch ihren planungspolitischen Sprecher Dr. Thomas Krümpelmann ausrichten, wie sehr sie sich inzwischen darüber freut, wie gut das Projekt vorankommt. Maßgeblich für diese neue Sicht der Dinge dürfte der Verzicht auf eine Mitfinanzierung der TWE-Betriebskosten durch die Stadt mit jeweils 300.000 Euro pro Jahr für die Dauer von 20 Jahren sein. Vor allem die daraus resultierende Belastung des Stadtbus-Verkehrs wollte die SPD keinesfalls mittragen. Mit der in Aussicht gestellten Betriebskostenübernahme durch das Land ist dieses Risiko mittlerweile vom Tisch.

Völlig gratis wird Gütersloh die Zugverbindung Harsewinkel - Verl dennoch nicht bekommen. Im Planungsausschuss wies Stefan Honerkamp vom Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) darauf hin, dass sich die Stadt an der Absicherung der Haltepunkte mit 250.000 Euro beteiligen müsse. Doch dieser Betrag weckte keinen Widerstand mehr im Ausschuss.

Steuermittel für privaten Konzern

Birgit Niemann-Hollatz (Grüne) sieht die von ihrer Fraktion schon immer befürwortete Reaktivierung durch das bundesweit anerkannte, standardisierte Messverfahren im Gutachten bestätigt. Georg Hanneforth »begrüßte« das Projekt für die CDU, Norbert Bohlmann für die UWG. Nur Norbert Morkes (BfGT) äußerte noch seine Bedenken, mit 34,5 Millionen Euro Steuergeld einen privaten französischen Konzern in die Lage zu versetzen, weiterhin Güterverkehr auf der Schiene im Kreis Gütersloh anbieten zu können. Dessen Volumen ist weiter rückläufig, räumte Hendrik Wilkening ein, Geschäftsführer der TWE GmbH in Gütersloh. Das liege zum einen an größeren Claas-Mähdreschern, die neue Tiefladeflächen erforderten. Zum anderen an derzeit problematischen Transportmöglichkeiten auf dem Netz der DB Cargo. Wilkening: »Wir holen die Mähdrescher inzwischen direkt bei Claas ab und transportieren sie selbst in die Seehäfen Lübeck, Bremerhaven und Hamburg.« Mit dem vorhandenen Streckennetz bringe Captrain selbst Vermögen in das Projekt ein.

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