So., 17.03.2019

Ex-Naturschutzbeauftragter kritisiert das Fällen von Weiden Kahlschlag an der Lutter

Kahlschlag am Lutter-Ufer: Nur wenige Meter östlich des Parkplatzes an der Holler Straße sind vor einigen Tagen mehrere Weiden gefällt worden. Spaziergänger wie Dr. Gerd Hermjakob halten das Vorgehen für falsch. Die Stadt widerspricht. Nur in wenigen Fällen ist ein morscher Kern bei den abgeholzten Weiden zu erkennen, die meisten Stämme sehen gesund aus.

Kahlschlag am Lutter-Ufer: Nur wenige Meter östlich des Parkplatzes an der Holler Straße sind vor einigen Tagen mehrere Weiden gefällt worden. Spaziergänger wie Dr. Gerd Hermjakob halten das Vorgehen für falsch. Die Stadt widerspricht. Nur in wenigen Fällen ist ein morscher Kern bei den abgeholzten Weiden zu erkennen, die meisten Stämme sehen gesund aus. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). WESTFALEN-BLATT-Leser Dr. Gerd Hermjakob (87) beklagt sich über »17 rigoros abgeholzte, aber offenbar völlig gesunde Weiden« am Lutter-Ufer unweit der Holler Straße. Aus dem Rathaus heißt es, dazu habe es keine Alternative gegeben.

Dr. Hermjakob, früherer Naturschutzbeauftragter Güterslohs und studierter Biologe, war neulich bei seinen Spaziergängen in jener Gegend auf den für ihn nicht nachvollziehbaren Kahlschlag gestoßen. Um den Grund dafür zu erfahren, fragte der Gütersloher im städtischen Fachbereich Grünflächen nach.

»Dort ist mir mitgeteilt worden, die Bäume hätten aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen, wegen trockener Äste«, berichtet er. Weiter habe man ihm gesagt, die Bäume abzuholzen sei »ökonomisch effizienter«, als die morschen Äste per Hubsteiger aus den Kronen herauszuschneiden. Dr. Hermjakob: »So ein Vorgehen ist doch aus ökologischer Sicht eine Katastrophe.«

»Aus ökologischer Sicht eine Katastrophe«

Von Seiten der Stadt äußert sich Sprecherin Susanne Zimmermann auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage: Sie bestätigte, dass an der Lutter vor einigen Wochen mehrere Weiden aus Sicherheitsgründen hätten gefällt werden müssen. Dazu habe es keine Alternative gegeben. Die sinngemäße Aussage, Abholzen sei billiger, als Äste herauszuschneiden, sei so nicht gefallen, sagt Zimmermann. Außerdem handele es sich nicht um 17 Bäume, sondern um sechs.

Die Sprecherin geht ins Detail: »Aus Sicherheitsgründen und Verkehrssicherungspflicht bedeutet: Diese Bäume haben seit Jahren immer wieder bei Wind- und Sturmereignissen Totholz-Äste in einem Umfang zwischen 20 und 30 Zentimetern abgeworfen.«

Totholz-Äste bei Sturm auf Wanderweg gefallen

Betroffen gewesen seien die Kronen, der Blick auf die Schnittfläche lasse im diesem Fall keine Aussage über den Zustand der Kronen zu. »So lag zum Beispiel an dem Tag, an dem die Fällung stattfand, laut Auskunft des beauftragten Unternehmens ein solcher Ast von rund 20 Zentimetern Durchmesser frisch abgebrochen auf dem Wanderweg.«

Susanne Zimmermann: »Ein Schlag auf den Kopf mit einem solchen Ast – auch das sollte nicht unerwähnt bleiben – kann durchaus tödlich sein.«

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