So., 17.03.2019

Sparkassen-Kunden verlieren 67 Millionen Euro mit Aktien, legen aber weiter an Sparschwein siegt über die Börse

Wer 2018 auf das Sparschwein setzte, hatte zum Jahresende mehr Geld übrig als Aktienanleger. Die Sparkassen-Vorstände Kay Kling-sieck, Torsten Neubauer und Frank Ehlebracht (von links) empfehlen darum Fondssparen mit langem Atem.

Wer 2018 auf das Sparschwein setzte, hatte zum Jahresende mehr Geld übrig als Aktienanleger. Die Sparkassen-Vorstände Kay Kling-sieck, Torsten Neubauer und Frank Ehlebracht (von links) empfehlen darum Fondssparen mit langem Atem. Foto: Wolfgang Wotke

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die außergerichtliche Einigung mit dem entlassenen Vorstand Christoph Bender hinterlässt auch nach vier Prozessjahren und 22 verlorenen Verfahren keine sichtbaren Spuren in der Bilanz der Sparkasse Gütersloh-Rietberg. Das Betriebsergebnis vor Bewertung bleibt 2018 in etwa auf Vorjahresniveau.

An welcher Stelle ihrer Bilanz die Sparkasse Rücklagen für den Fall einer Niederlage gebildet hat, geht weder aus den gestern vorgelegten Zahlen noch aus den Vorjahreszahlen eindeutig hervor. Da sich die Schadensersatzsprüche Benders auf verschiedene Positionen beziehen, dürfte es auch nicht nur einen einzigen Posten geben. Im Bilanzjahr 2017 waren 8,8 Millionen Euro als »allgemeine Rücklage« beiseite gelegt worden – möglich, dass die auf zwei Millionen Euro geschätzten Forderungen Benders dazugehören.

Fall Bender ist abgerechnet

Zu Vorgängen des Verwaltungsrates nimmt der Sparkassen-Vorstand keine Stellung. Immerhin konnte Vorstandssprecher Kay Klingsieck im Bilanzgespräch mit einem Lächeln verkünden, dass der Fall Bender mit der Jahresbilanz 2018 vollständig abgeschlossen sei. Ebenso sei die Fusion mit der Sparkasse Rietberg abschließend vollzogen und in eine gemeinsam erarbeitete Zukunftsstrategie überführt worden.

Weitaus stärker als die Forderungen des Ex-Vorstandes dürfte die andauernde Niedrigzinsphase die Sparkasse belasten. So sei der Zinsüberschuss – die wichtigste Einnahmequelle einer Bank – zum dritten Mal in Folge gesunken. Diesen Einnahmeausfall kompensiert die Sparkasse unter anderem übers Personal. Der Verzicht auf die Neubesetzung von 21 durch Pensionierungen und Fluktuation frei werdende Stellen sparte 2017 Personalkosten in Höhe von 3,3 Millionen Euro ein; in dieser Größenordnung dürfte sich der Abbau von 20 auf fortan 447 Stellen im vergangenen Jahr ebenfalls auswirken.

Kundenkredite steigen kräftig an

Die an Bord bleibenden Mitarbeiter hatten ordentlich zu tun. Die Kundenkredite stiegen Torsten Neubauer zufolge um fünf Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Insgesamt 390,6 Millionen Euro neue Darlehen seien 2018 zugesagt worden – das entspreche einem Anstieg von 15 Prozent. Das Firmenkundengeschäft trägt mit 207,9 Millionen Euro (plus 14,8 Prozent) zu diesem Anstieg bei, das Privatkundengeschäft mit 177,2 Millionen Euro (plus 20,3 Prozent). Die Kunden nutzten die günstigen Konditionen von Wohnungsbaukrediten weiter aus. Die legten um 6,7 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Neubauer: »Ein auf zehn Jahre angelegter Kreditvertrag kostet mit Kfw-Fördermitteln 1,35 Prozent.« Im Wertpapiergeschäft siegte das Sparschwein im vergangenen Jahr über die Börse. Mit dem erstmals seit 2011 wieder fallenden Dax verloren die Kunden 67 Millionen Euro, legten gleichzeitig aber 22,6 Millionen Euro neu an. Vorstand Frank Ehlebracht: »Seit Januar hat der Dax um neun Prozent zugelegt. Wer an der Börse verdienen will, sollte fünf bis sieben Jahre auf angelegtes Geld verzichten können.«

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