Di., 19.03.2019

Gütersloh: Personenverkehr war ein Renner und soll es wieder werden – mit Video TWE will zurück in die Zukunft

TWE-Geschäftsführer Henrik Wilkening möchte mit der vom Regionalrat befürworteten Reaktivierung des Personenverkehr auf der Schiene an die ertragreichen fünfziger Jahre anknüpfen – allerdings mit moderner Technologie.

TWE-Geschäftsführer Henrik Wilkening möchte mit der vom Regionalrat befürworteten Reaktivierung des Personenverkehr auf der Schiene an die ertragreichen fünfziger Jahre anknüpfen – allerdings mit moderner Technologie. Foto: Carsten Borgmeier

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Der TWE-Personenzug ist durch den Detmolder Regionalrat gerauscht wie ein Fernzug durch den Gütersloher Hauptbahnhof. Nächster Halt wird jetzt der Verkehrsausschuss im Düsseldorfer Landtag.

Stimmt der Landtag der einstimmigen Empfehlung des Detmolder Regionalrates zu, könnte von 2023 an wieder ein Personenzug auf der 26 Kilometer langen Strecke zwischen Harsewinkel, Gütersloh und Verl pendeln. So wie in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als vor allem Arbeiter und Berufsschüler aus den katholisch geprägten Landstrichen um Harsewinkel, Marienfeld, Spexard, Verl und Kaunitz zu den Industriebetrieben und weiterführenden Schulen ins protestantische Gütersloh gelangen mussten. Sie sprangen auf die Güterzüge der 1899 gegründeten Teutoburger-Wald-Eisenbahn-Gesellschaft auf. Sechs Kreise und die Anrainerkommunen setzten mit dieser zwischen Bad Laer, Gütersloh und Hövelhof pendelnden Bahn vor allem auf Rohstofftransporte und die Belebung ansässiger Industriebetriebe. Mit 19,4 Prozent wurde Gütersloh größter kommunaler Anteilseigner, seit 1910 auch Stammsitz der Gesellschaft.

Um den Güter- nicht vom Personenverkehr bremsen zu lassen, trennte die TWE Ende der zwanziger Jahre die beiden Angebote und schuf neue Haltepunkte an der Carl-Miele-Straße, am Sunderweg, in Spexard und Verl-West. Nachdem die durch gezielte Bombardements im Zweiten Weltkrieg zerstörten Verbindungen instand gesetzt waren, geriet die TWE in den fünfziger Jahren in einen regelrechten Personenbeförderungs-Boom. Bis zu 350 Mitarbeiter fertigten in Spitzenjahren mehr als zwei Millionen Fahrgäste und bis zu 780.000 Tonnen Güter ab – seit 1950 ergänzt von den TWE-Omnibuslinien.

Auto stoppt die Bahnfahreuphorie

Als sich die Menschen eigene Autos leisten konnten, ließ die Bahnfahreuphorie schlagartig nach. Die Kreise und Kommunen weigerten sich Ende der sechziger Jahre, die jährlichen Defizite der TWE auszugleichen. Schritt für Schritt wurde der Personennahverkehr daraufhin eingestellt. Zuletzt (1978) auch auf der Strecke Gütersloh-Hövelhof.

Die Erfahrung des Niedergangs erstickte jahrzehntelang alle Versuche im Keim, den Personenverkehr auf der Schiene wieder zu beleben. Gegen die Warnungen vor zu geringer Auslastung führten vor allem drei Entwicklungen zur jetzt vom Regionalrat vollzogenen Wende: • 2010 kündigte die TWE an, auch den Güterverkehr nicht mehr aufrechterhalten zu können, sollte nicht massiv in die Infrastruktur aus Gleisen, Brücken und Übergängen investiert werden. • Die täglichen Staus auf der Verler Straße, der B 61 und B 513 ließen den Bedarf nach alternativer Mobilität wachsen. • Vor drei Jahren änderte die rot-grüne Landesregierung das ÖPNV-Gesetz des Landes. Es garantiert fortan die Übernahme von Investitions- und Betriebskosten jener Bahnstrecken, die für Personenverkehr reaktiviert werden.

Kommentare

Wenn die Landesregierung die Kosten für Investitions- und Betriebskosten übernimmt, sollten wir von Anfang an die ganze Strecke zw. Bad Laer und Hövelhof reaktivieren: Sonst werden wir in ein paar Jahren die Strecke nach Hövelhof bzw. Bad Laer verlängern, und dann existiert diese Kostenübernahme vielleicht nicht mehr.

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