Do., 21.03.2019

Evangelische Kirchengemeinde Isselhorst will alle Aktivitäten in einem Neubau bündeln Gebäude sollen verkauft werden

Südlich der im Kern mehr als 850 Jahre alten Isselhorster Kirche könnte dem aktuellen Konzept zufolge das neue Gemeindezentrum entstehen.

Südlich der im Kern mehr als 850 Jahre alten Isselhorster Kirche könnte dem aktuellen Konzept zufolge das neue Gemeindezentrum entstehen. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh-Isselhorst (WB). Vor dem Hintergrund sinkender Kirchensteuern und rückläufiger Mitgliederzahlen hat das Presbyterium in Isselhorst der evangelischen Gemeinde ein Konzept vorgestellt. Einige Gläubige bringt das mächtig auf die Palme.

Demnach ist angedacht, zwei ältere, weitgehend ungenutzte Pfarrhäuser auf einem etwa 5000 Quadratmeter großen Grundstück an der Steinhagener Straße 32 zu verkaufen. Auch könnte das dortige Gemeindezentrum in Nachbarschaft zum evangelischen Kindergarten »Unterm Regenbogen« aufgelöst und an den Isselhorster Kirchplatz umziehen. Aus dem Verkaufserlös der beiden Pfarrhäuser soll ein Neubau an der Südseite der Isselhorster Kirche mit finanziert werden. »Dort könnten zukünftig alle Gemeinde-Aktivitäten gebündelt werden«, sieht Pfarrer Reinhard Kölsch (59), das Vorhaben positiv. Die »Sonntagskirche« werde so in Isselhorst zur »Alltagskirche«, meint er.

Schwengelbeck platzt der Kragen

Das durchaus tief greifende Konzept war vom Presbyterium (Kirchenvorstand) auf der Gemeindeversammlung am Mittwoch vor einer Woche etwa 100 anwesenden Mitgliedern vorgestellt worden.

Ortwin Schwengelbeck (84), Isselhorster Persönlichkeit von Rang und früherer Baukirchmeister der evangelischen Gemeinde, platzt bei diesem im Landeskirchenamt Bielefeld erdachten Konzept der Kragen: In einem Leserbrief an das WESTFALEN-BLATT schreibt Schwengelbeck von einer »unmöglichen Entscheidung, die mit Unverständnis und tiefer Enttäuschung« von den Besuchern der Versammlung aufgenommen worden sei.

Schwengelbeck weiter: »Offensichtlich hat man im Presbyterium vergessen, dass erst vor wenigen Jahren das Gemeindehaus mit einem hohen Kostenaufwand und mit Hilfe privater Spender vorbildlich durchrestauriert wurde.« Als Kirchenmitglied sei er massiv enttäuscht üben den »Beschluss des Presbyteriums«. Es stelle sich die Frage, ob man mit verbauten Fremdmitteln und insbesondere mit Spenden so verfahren dürfe, legt der 84-Jährige nach.

Von einem Beschluss ist nicht die Rede

Von einem Beschluss oder einer Entscheidung könne hingegen nicht die Rede sein, stellen Pfarrer Kölsch sowie Finanzkirchmeisterin Annette Haase (64) und Presbyter Siegfried Goldbeck (65) klar.

Klar sei hingegen, dass die noch knapp 3500 Mitglieder zählende Kirchengemeinde zukünftig den Gürtel enger schnallen müsse. Ein jährliches Budget von 200.000 Euro (2019) sei zukünftig nicht mehr zu erwarten, so Haase. »Nehmen wir die von der Landeskirche für die nächsten Jahre prognostizierten Steuereinnahmen in den Blick, ist festzustellen, dass unsere Arbeitsfelder in der jetzigen Form bald nicht mehr finanzierbar sind«, sagt die 64-Jährige auch im Hinblick auf die mehr als 20 Angestellten der Kirchengemeinde.

Die beiden alten Pfarrhäuser verursachten pro Jahr Unterhaltungskosten von insgesamt 15.000 Euro, seien überdies marode.

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