Mi., 27.03.2019

Gütersloher Konzern will künftig stärker wachsen – Personalengpass in OWL – mit Video Bertelsmann: Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Buch-Chef Markus Dohle (von links), Kommunikationsleiterin Karin Schlautmann, Vorstandsvorsitzender Thomas Rabe, Finanzvorstand Bernd Hirsch und Personalchef Immanuel Hermreck präsentierten gestern in Berlin die Bertelsmann-Bilanz 2018.

Buch-Chef Markus Dohle (von links), Kommunikationsleiterin Karin Schlautmann, Vorstandsvorsitzender Thomas Rabe, Finanzvorstand Bernd Hirsch und Personalchef Immanuel Hermreck präsentierten gestern in Berlin die Bertelsmann-Bilanz 2018. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Berlin/Gütersloh (WB). Beflügelt insbesondere von einem guten Ergebnis des Geschäftsbereichs Arvato und dem Riesenerfolg von Michelle Obamas Memoiren »Becoming« sieht Vorstandschef Thomas Rabe den Bertelsmann-Konzern auch für die nächsten Jahre auf Wachstumskurs. Der Umsatz soll durchschnittlich um vier bis fünf Prozent steigen.

Organisch – das heißt ohne Zukäufe – plant Rabe einen Anstieg von drei Prozent. Dabei sei es nicht wichtig, wann der Medien- und Dienstleistungskonzern das Umsatzziel von 20 Milliarden Euro erreichen werde. Wie Rabe gestern in Berlin erläuterte, kletterte der Umsatz im vergangenen Jahr mit 17,7 (Vorjahr: 17,2) Milliarden Euro auf den höchsten Stand seit 2007. Der Zuwachs um 2,8 Prozent sei fast vollständig ohne Akquisition erfolgt: Der größte Unternehmenskauf, die Mehrheitsübernahme des US-Bildungsanbieters OnCourse Learning, erfolgte erst im vierten Quartal. Der Preis von 450 Millionen Euro, den Bertelsmann dafür zahlte, liegt im oberen Bereich dessen, was Rabe bei Akquisitionen für »vernünftig« hält. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr knapp 1,5 Milliarden Euro investiert, davon 77 Millionen in Ostwestfalen-Lippe.

Milliardengrenze überschritten

Das Konzernergebnis überschritt 2018 mit 1,1 Milliarden Euro erneut die Milliardengrenze, lag aber um 7,85 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gedrückt wurde es, wie Finanzchef Bernd Hirsch erklärte, außer durch Investitionen und Akquisitionen auch durch Kosten im Zusammenhang mit der Fusion der Callcentersparte Arvato CRM mit der marokkanischen Saham-Gruppe zum Joint-Venture Majorel. Beide Partner halten 50 Prozent. Da die unternehmerische Führung bei Bertelsmann liegt, wird Majorel künftig dennoch vollständig in die Bilanz der Gütersloher einfließen. Von dem Konzerngewinn des vergangenen Jahres fließen nach Angaben Hirschs 116 Millionen Euro als Prämien an die Mitarbeiter.

Von den 11.000 Bertelsmann-Beschäftigten in und um den Konzernsitz in Gütersloh arbeiten 6100 bei Arvato. Deren Geschäfte entwickelten sich unter der direkten Führung Thomas Rabes 2018 besonders profitabel. So konnte das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um mehr als 16 Prozent auf 372 Millionen gesteigert werden. Der Umsatz wuchs ebenfalls überproportional um 7,2 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Dabei profitiert Arvato von der weiter stark steigenden Nachfrage nach Logistik-Dienstleistungen in den Bereichen Mode, Gesundheit und High Tech (Microsoft und andere). In Gütersloh, wo Bertelsmann 2018 eine weitere Halle in Betrieb nahm, hat der Konzern laut Personalchef Immanuel Hermreck Probleme, offene Stellen mit Fachkräften und Hilfsarbeitern zu besetzen. Dabei werde das im Bau befindliche neue Logistikzentrum von Amazon bei Oelde die Konkurrenz auf dem regionalen Arbeitsmarkt noch verschärfen.

Insgesamt beschäftigt Bertelsmann derzeit etwa 120.000 Mitarbeiter. Außer in der Logistik will sich der Konzern auch mit Datenexperten verstärken. In diesem Zusammenhang startet Bertelsmann zusammen mit Google und dem eigenen Online-Bildungsanbieter Udacity eine Weiterbildungsoffensive für interne, aber auch außenstehende Interessenten. In Sachen Umgang mit Daten mahnte Rabe gestern in dem Zusammenhang eine Annäherung an internationale Standards an. Ansonsten werde die deutsche Wirtschaft bei der Künstlichen Intelligenz nicht konkurrenzfähig sein.

Dass ausgerechnet der an Umsatz und Ertragskraft größte Konzernbereich RTL nach dem Ausscheiden Anke Schäferkordts aktuell nicht am Vorstandstisch vertreten ist, könnte sich Rabe zufolge bald wieder ändern. Die Entscheidung falle allerdings im Aufsichtsrat. Insgesamt solle die Führungsriege weiblicher und internationaler werden. Wie Hermreck erklärte, soll Ende 2021 mindestens jeder dritte Posten im Top- und Seniormanagement von einer Frau besetzt sein. Im Group Management Committee (GMC), dem neben dem Vorstand zweithöchsten Gremium der operativen Führung, sei die Quote schon erreicht.

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