Di., 16.04.2019

Beim Chinesischen Nationalcircus gelingt dieses Mal nicht alles Merkwürdige Mauer-Show

Kunstvolle Verrenkungen: Scheinbar die Grenzen der menschlichen Anatomie auflösend, haben zwei junge Artistinnen nicht nur eine exzellente, sondern auch entschleunigte Körperartistik-Show präsentiert. Nicht alle Programmpunkte waren so gut.

Kunstvolle Verrenkungen: Scheinbar die Grenzen der menschlichen Anatomie auflösend, haben zwei junge Artistinnen nicht nur eine exzellente, sondern auch entschleunigte Körperartistik-Show präsentiert. Nicht alle Programmpunkte waren so gut. Foto: Grund

Von Gabriele Grund

Gütersloh (WB). Gewagter Spagat zwischen Tradition und Moderne: 600 Besucher haben in der Stadthalle die zweistündige Show »The Great Wall« des Chinesischen Nationalcircus erlebt. Dabei gab es einige befremdliche Momente.

Das Programm war überraschend. Statt traditioneller chinesischer Klänge ertönte Vivaldi. Eine mutige Entscheidung des Produzenten-Ehepaars Raul und Nadine Schoregge aus Havixbeck bei Münster. Die von dem britischen Star-Violinisten Nigel Kennedy und den Berliner Philharmonikern eingespielte Barockmusik war eine ungewöhnliche Klangkulisse für die Show aus dem Land des Lächelns.

»Als Regisseur habe ich die Musik diesmal bewusst gewählt, um die Brücke zwischen Europa und China zu symbolisieren«, sagte Raul Schoregge, der seit 18 Jahren als Produzent des Chinesischen Nationalcircus, aber auch als Clown und Kulturmanager aktiv ist. Wie der Titel »The Great Wall« zustande kommt? Hintergrund ist, dass der Nationalcircus seit 30 Jahren in Deutschland auftritt und der Fall der Berliner Mauer ebenso lange zurückliegt. Das Thema tauchte immer wieder auf. »Wolltest du diese Mauer zu Fuß abschreiten, dann wäre nicht sichergestellt, dass deine Lebenszeit ausreichend ist«, sagte eine Stimme aus dem Off über das mehr als 21.000 Kilometer lange chinesische Bollwerk. Doch dieser Bezug verlor sich ein wenig im wilden akrobatischen Wettstreit der 30 Künstler. Dazu die Vivaldi-Klänge, die bei einem Chinesischen Nationalcircus irgendwie deplatziert wirkten.

Diabolo fliegt mitten ins Publikum

Die Akteure waren in bunte Folklore-Outfits gehüllt. Sie boten eine Mischung aus Akrobatik, Balletttänzen und Humoreinlagen. Zu sehen gab es Menschenpyramiden, Zauberei, Jonglage und sogar einige Missgeschicke. So flog ein Diabolo von der Bühne unbeabsichtigt ins Publikum. Auch ein Kartentrick misslang: Es war klar zu sehen, wie die Artistin mit einer Hand hinter dem Rücken und in den seitlich eingenähten Geheimfalten des Kostüms nach weiteren Karten fischte und damit die eigentlich gewünschte Illusion zerstörte. Daran änderten auch die clownesken Einlagen nichts, in denen sich unter anderem drei Männer gegenseitig ohrfeigten. Zwar zur Freude der anwesenden Kinder und einiger Erwachsener, doch eine solche Nummer wirkte in einem ehrbaren Nationalcircus eher befremdlich.

Sehenswert dagegen die gelenkigen Schlangenfrauen, die Beine, Hüfte und Arme in unglaublichen Verrenkungen verbogen und ihren Zuschauern damit ein erstauntes Raunen entlockten. Auch wenn die Zuschauer am Ende über den China-Europa-Mix deutlich unterschiedliche Ansichten hatten, so war es auf jeden Fall ein unterhaltsamer Abend, der hoffentlich die eine oder andere Mauer in den Köpfen eingerissen hat.

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