Sa., 04.05.2019

Achtlos weggeworfener Müll erschwert die Arbeit im Kompostwerk Zu viel Plastik landet in der Biotonne

Plastiktüten und sogar Shampoo-Flaschen sind in den Biotonnen zu finden.

Plastiktüten und sogar Shampoo-Flaschen sind in den Biotonnen zu finden. Foto: Uwe Caspar

Von Uwe Caspar

Gütersloh (WB). Kopfschüttelnd steht Birgit Ernst vor dem Komposthaufen. »Unglaublich, was die Leute in eine Biotonne werfen«, entdeckt die CDU-Kandidatin für die Wahl des Europäischen Parlaments sogenannte Störstoffe, die auf keinen Fall in eine Biotonne gehören. So wie die blaue Shampoo-Plastikflasche.

Ganz schöner Mist. Die Flasche wird natürlich aus dem Haufen verschwinden, denn selbst kleinste Plastikteile können die Qualität des Komposts herabsetzen. Doch trotz aller Sorgfalt der Entsorgungsunternehmen lässt es sich nicht hundertprozentig verhindern, dass Fremdstoff-Partikel plötzlich in der Blumenerde auftauchen. Das kann auch Sebastian Böhme, der Betriebsleiter der Kompostwerk- und Biogasanlage Gütersloh (Kompotec), nicht ausschließen. Die Firma verkauft pro Jahr 85.000 Kubikmeter hochwertigen Kompost an die Landwirte.

In den Hallen von Kompotec informierte sich Birgit Ernst auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung (ASA) in Zusammenarbeit mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) zu einem Thema, das man nicht in die Tonne treten sollte: »Kompost und Kunststoffe«.

Mehr Transparenz erwünscht

Damit hat sich in den zurückliegenden Wochen auch das EU-Parlament intensiv beschäftigt und ein Verbot von Einwegprodukten aus Plastik durchgeboxt – immerhin ein Anfang. Für ASA-Geschäftsführerin Katrin Büscher ist das zwar ein »guter Ansatz«, der jedoch die Plastik-Probleme langfristig nicht lösen könne. »Es muss globaler gedacht werden«, fordert sie.

Die an dem Gespräch und dem anschließenden Betriebs-Rundgang teilnehmende Christina Overmeyer, VKU-Büroleiterin in Brüssel, sieht Fortschritte. »Wir befinden uns im starken Austausch mit den EU-Politikern.« Und von denen erhofft sich Katrin Büscher zeitnah eine »verbindliche Strategie für Kunststoffe und -abfälle«.

Deutschland gilt zwar als Vorzeigeland in puncto Mülltrennung, doch inzwischen wird auch in anderen europäischen Ländern gesteigerter Wert auf fachgerechte Entsorgung gelegt. Davon hat sich Birgit Ernst bei einem Besuch in Lettland persönlich überzeugt. Hier gebe es wirksame Aufklärungs-Kampagnen.

Die 51-Jährige wünschte sich noch mehr Transparenz für die heimischen Verbraucher: »Damit schon im Vorfeld falsche Mülltrennung vermieden werden kann.« So dürfen selbst kompostierbare Plastiktüten nicht in die Bio-Box. Die Faustregel lautet: »Was der Bürger niemals im eigenen Garten kompostieren würde, gehört auch nicht in die Biotonne!« Die Gütersloher aber, versichert Böhme, seien gute Mülltrenner: »Diesbezüglich sehe ich uns deutschlandweit im oberen Viertel.«

 

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