Sa., 11.05.2019

Ausbau des Coventya-Lagers steht in der Kritik Wie gefährlich sind diese Chemikalien?

Von Hendrik Fahrenwald

Gütersloh (WB). Damit Dinge nicht rosten, werden sie mit einer Metallschicht überzogen. Beim Unternehmen Coventya werden die Chemikalien dafür in einem Gefahrstofflager aufbewahrt. Das soll erweitert werden und die Grünen und eine Naturschutzgemeinschaft fragen: Wie gefährlich können die Chemikalien werden?

Zur ersten Beruhigung: Das Gütersloher Unternehmen arbeitet nicht mit Produkten, die explosiv oder brennbar sind. Wenn es dennoch brennt, dann entsteht auch keine hochgiftige Wolke. Das sagt zumindest Geschäftsführer Helmut Kluth. Statt Anzug trägt er ein kariertes Hemd, Stoffhose und Schuhe, die gemütlich aussehen.

Ein Mitarbeiter reinigt die großen Kanister, die mit einer Chemikalienmischung befüllt sind.

Er zeigt die Lagerhalle mit den vielen blauen Kanistern. In denen befinden sich die Chemikalien. Sie sorgen derzeit für Gesprächsstoff, weil sie Gefahrenstoff sind. Bald sollen hier noch mehr Kanister stehen. Genauer gesagt, in einer weiteren Halle auf der angrenzenden Wiese, die derzeit brach liegt.

Dort soll die Erweiterung des Gefahrstofflagers plus Verwaltungsgebäude mit Laborräumen und Technikum gebaut werden. Kosten: 3,4 Millionen. Größe: 1.024 Quadratmeter. Damit geht die Lagerkapazität von derzeit unter 200 Tonnen auf 750 Tonnen hoch. Mehr produzieren, wie es Kritiker vermuten, will Coventya nicht.

Gefahr auf der Straße

Warum wird dennoch ausgebaut? Das Unternehmen lagert bisher einen großen Teil seiner Gefahrstoffe in Münster aus. Um die teils auch doppelten Wege von Gütersloh nach Münster zu sparen, weil erst Chemikalien aus Münster angeliefert und dann die fertige Mischung in Münster zwischengelagert wird, will Coventya seinen Standort ausbauen. Kluth hat die Gefahrenstoffe lieber bei sich in der Halle als bei den Fahrten zwischen Münster und Gütersloh im Lkw auf der Straße.

Auf diesem Grundstück neben dem Unternehmen soll der neue Anbau entstehen.

Hier am Stadtring Nordhorn findet der Hersteller von Spezialchemikalien es sicherer, weil er die Ein- und Auslagerung mehr unter Kontrolle hätte. Während es auf der Straße keinen Auffangraum für die Chemikalien bei einem Unfall geben würde, gibt es diesen an der derzeitigen Lagerhalle, sagt Kluth. Der Boden ist abgedichtet. Es gibt eine umlaufende Auffangrinne. Die Kritik, dass schädliche Emissionen bei der Verarbeitung der Chemikalien entstehen und in die Luft abgehen, kann Kluth nicht verstehen.

Angriff mit Drohnen

Schließlich werde ein schädlicher Ausstoß von Gasen durch einen Filter verhindert. Mit den Standards soll auch die neue Lagerhalle abgesichert sein. Auch die Erhöhung des Störfallpotenzials weist Kluth zurück. Gefahrenabwehrpläne gibt es für den Ernstfall. Sogar mit einem terroristischen Drohnenangriff hat sich Coventya auseinandergesetzt.

Dabei war die größte Gefahr bisher ein Plastikbehälter, der 2014 im Labor gebrannt hat. Der Brand habe sich selber gelöscht, bevor die Feuerwehr vor Ort war. Zudem habe 2000 im Bereich der Feststoffmischung, den es nicht mehr gibt, Verpackungsmaterial gebrannt. »Einen Störfall hatten wir noch nie«, sagt Kluth. Da sein Unternehmen mit Gefahrstoff hantiert, braucht Coventya für den Ausbau eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz von der Bezirksregierung Detmold. Den Grünen um Fraktionssprecherin Birgit Niemann-Hollatz ist die bisherige Prüfung des Gefahrenpotenzials durch die Bezirksregierung nicht ausreichend. Sie fordern eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Bisher gab es nur eine Vorprüfung ohne Beanstandungen. »Welche Auswirkungen hat ein Unfall auf die Bevölkerung und Umwelt?«, fragt Niemann-Hollatz. Die Frage beschäftigt auch die Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) im Kreis Gütersloh.

376 Einwendungen

Nachbarn des Unternehmens, die eine Erweiterung der Lagerhalle kritisieren, haben sich an die Naturschutzgemeinschaft gewendet. Die Sammel-Einwendung der GNU gegen das Vorhaben haben 357 Bürger unterschrieben. Zudem gibt es 19 Einzeleinwendungen. Damit kommt es am 22. Mai zu einem Erörterungstermin. Coventya, die Bezirksregierung und die Einwender, also die Kritiker der Erweiterung, werden über den Ausbau diskutieren. Zuvor will die GNU eine öffentliche Stellungnahme abgeben. Kluth sieht’s gelassen. »Ich kann verstehen, dass es Nachfragen gibt. Wir werden erklären, was gemacht wird. Was gefordert wird, machen wir«, sagt er. Im Juli soll der Bau beginnen.

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