Mi., 15.05.2019

Vater und Sohn bekommen 35.000 Euro für Blumen gespendet – so legen sie das Geld an – mit Video Der Bienen-Jackpot

Von Hendrik Fahrenwald

Gütersloh (WB). 35.000 Euro zu bekommen, sollte sich doch gut anfühlen. Diesen Betrag haben Bienenfans aus ganz Deutschland gespendet, damit auf den Äckern von Heinrich Wulfhorst in Gütersloh Wildblumen gesät werden. Sein Sohn Heiner Wulfhorst hat diese hohe Summe jedoch »stark belastet«.

3500 Euro. Dieser Betrag war das erste Ziel, das Heiner Wulfhorst in seiner Crowdfunding-Aktion über das Internet definierte. Sein Vorhaben: Spontan Geld sammeln, damit nicht auf allen Äckern seines Vaters der Mais wächst und stattdessen Blumen blühen. Damit sollte der kleinste Acker von 0,38 Hektar zu einem »Bienenbuffet« werden. Nun sind es 35.000 Euro und 3,7 Hektar geworden, die den Insekten zur Verfügung stehen sollen. Die Fläche ist etwa so groß wie fünf Fußballfelder. Viel Geld und viel Verantwortung findet Heiner Wulfhorst. Viel Kritik kommt hinzu.

Das sagen die Kritiker

Sieh da, die ersten Pflanzen wachsen schon.

Bereits Ende März äußerte sich der »Naturkreis Marienfeld«. Ihm fehle die Absicht auf Nachhaltigkeit, heißt es in einer Stellungnahme. Bevor Vater und Sohn überhaupt eine Saatgutmischung für ihre Äcker bestellten, gab es schon Kritik an der Auswahl der Pflanzen. Auch in den Sozialen Netzwerken erreichten die Wulfhorsts in den vergangenen Tagen immer wieder Kritik. Dort heißt es: Einjährige Blühflächen würden nicht helfen, die Fläche sei viel zu groß. Andere halten aufgrund der hohen Summe die Aktion bloß für eine einträgliche Geschäftsidee.

Vater Heinrich Wulfhorst nimmt’s gelassen. »Wenn Geld im Spiel ist, gibt es auch immer Neider«, sagt er. Von den 35.000 Euro sind zunächst 19 Prozent Mehrwertsteuer und 10 Prozent Abgabe an das Unternehmen, das die Crowdfunding-Aktion betreut, abgegangen. Zudem entschlossen sich die beiden, nicht nur auf einjährige Saatgutmischungen zu setzen. 2,5 von 3,7 Hektar sind mehrjährig angelegt.

Wie lang hält das Buffet?

Ein ehrlicher Wulfhorst

Mit dem gespendeten Geld wollen Heiner und Heinrich Wulfhorst ehrlich umgehen. Ehrlich hat auch ein Steinhagener Wulfhorst gehandelt. Ein Spender hatte ihm das Geld statt den Gütersloher Wulfhorsts zugeschickt. 50 Euro waren in dem Briefumschlag. Doch der Wulfhorst aus Steinhagen steckte sich das Geld nicht ein. Mit Hilfe eines kurzen Briefs, der mit im Umschlag lag und in dem der Spender den Wulfhorsts für die Aktion dankte, machte der ehrliche Finder die Wulfhorsts aus Gütersloh aus. Persönlich übergab er die Spende an die Gütersloher Namensverwandten weiter. Für sie war die Ehrlichkeit des Steinhageners »ein ganz großer Lichtblick«.

Das heißt auch, dass das übrige Geld unter anderem für die Instandhaltung der Wildblumenwiesen mindestens bis nächsten Jahres genutzt wird. Theoretisch könnte die mehrjährige Mischung auch fünf oder sechs Jahre bestehen, solange wie das Geld dafür reicht. Umstellungs- und Ausfallkosten stehen ebenfalls im Finanzierungsplan der Wulfhorsts. »Unser Risiko muss finanziert werden«, sagt Heinrich Wulfhorst. Schließlich habe er mit den Auswirkungen einer ehemaligen Wildblumenwiese noch Jahre später, beispielsweise beim Getreideanbau, zu kämpfen. Der Ernteausfall werde ebenfalls durch einen Teil der 35.000 Euro gedeckt.

Seit über einer Woche ist das Saatgut im Boden. Erleichtert blickt Heiner Wulfhorst auf die ersten Keimlinge. »Wir waren heilfroh, als wir gesehen haben, dass die ersten Pflanzen sprießen«, sagt er. Auch der kleine Frostschaden an den grünen Blättern beunruhigt die beiden nicht. »Das wächst sich wieder raus«, sagt Vater Heinrich. Sein Sohn hofft, dass sie mit ihrer Idee Nachahmer finden. Eine wichtige Erkenntnis: »Offensichtlich müssen es die Bauern auch nicht umsonst machen«, sagt Heiner Wulfhorst.

Sogar nach der Finanzierungsphase würden immer wieder Leute fragen, ob sie noch spenden können. Deshalb hat Heiner Wulfhorst nun einen Spendenbereich auf der Website eingerichtet. Sein Traum: Bis an das Lebensende Blumen für Bienen anpflanzen zu können. Weitere Infos zum Projekt unter www.bienenbuffet.de

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6612816?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F