Do., 16.05.2019

Der neue Schalke-Coach stoppte 1998 in Gütersloh einen Dieb David Wagner, dein Freund und Helfer

Der neue Schalke-Trainer David Wagner hat 1998 zu seiner aktiven Zeit beim FC Gütersloh einen Ladendieb gestellt. In bester Uli-Borowka-Blutgrätschen-Manier senste er den Bösewicht aus vollem Lauf kompromisslos um

Der neue Schalke-Trainer David Wagner hat 1998 zu seiner aktiven Zeit beim FC Gütersloh einen Ladendieb gestellt. In bester Uli-Borowka-Blutgrätschen-Manier senste er den Bösewicht aus vollem Lauf kompromisslos um Foto: dpa

Von Meike Oblau

Gütersloh (WB). Als Spieler gehörte er zu den Schalker Eurofightern, als Trainer war er Medien- und Fanliebling in Huddersfield. Die kurioseste Schlagzeile aber schrieb David Wagner, in der neuen Saison Coach beim FC Schalke 04, 1998 in Gütersloh – als »Hilfssheriff«: Mitten in der Fußgängerzone ging er auf Verbrecherjagd!

Eigentlich sollte es nur ein Interview mit dem damaligen Stürmer des Fußball-Zweitligisten FC Gütersloh für die Mitarbeiterzeitung der örtlichen Volksbank werden. Die Zeitung, für die ich neben dem WESTFALEN-BLATT als freie Mitarbeiterin während des Studiums schrieb, war noch ziemlich neu und natürlich wollten wir im Redaktionsteam auch darüber berichten, was Gesprächsthema Nummer eins in der Stadt war: der Höhenflug des FC Gütersloh, der damals fast so heftig wie derzeit der SC Paderborn ans Tor zur ersten Bundesliga klopfte.

Nach dem Erstellen des Interviewfotos stoppte der damals 26-Jährige einen Dieb. Foto: Meike Oblau

Nach einem Blick in die Kundendatei war klar, dass Wagner beim örtlichen Geldinstitut sein Konto hatte. Pressesprecher oder Medienabteilung gab es damals nicht beim FCG, und so war es völlig unkompliziert möglich, den Stürmer um einen Interviewtermin zu bitten. Er sagte sofort zu und wenig später saßen wir nach dem Nachmittagstraining im Café Müller in Gütersloh.

Nach dem Interview brauchte ich natürlich noch ein passendes Foto und so spazierten David Wagner und ich zur nahegelegenen Volksbank-Hauptstelle, die damals noch in der Moltkestraße lag. Gerade hatte ich den Kicker passend in Position gestellt, als plötzlich laute Rufe aus Richtung Berliner Platz herüber hallten: »Haltet den fest, der hat was geklaut!«

In einigen hundert Metern Entfernung sahen wir einen jungen Mann auf uns zurennen – noch weiter hinten hetzte ein Streifenpolizist hinter ihm her. Der war chancenlos. Ein kurioses Schauspiel. Während ich eher den staunenden Beobachter gab, fackelte David Wagner nicht eine Sekunde. In bester Uli-Borowka-Blutgrätschen-Manier senste er den Bösewicht aus vollem Lauf mitten vor der Volksbank kompromisslos um. Hätte er sich dieses Foul auf dem Rasen des alt-ehrwürdigen Heidewaldstadions geleistet – es wäre eine dunkelrote Karte gewesen.

Den heftigen Tritt zwischen seine Füße überstand der Ganove nicht unbeschadet. Unsanft landete er auf dem harten Pflaster und ehe er sich versah, kniete David Wagner auf seinem Rücken. Das war dann auch der Moment, in dem der Polizist an Ort und Stelle ankam. Die Handschellen klickten und Wagner hatte dafür gesorgt, dass der Ladendieb nicht entwischen konnte. Überregionale Schlagzeilen waren ihm sicher.

Das alles war so schnell gegangen, dass ich mich bis heute darüber ärgere, dass ich völlig vergaß, dass ich einen Fotoapparat dabei hatte. Bilder von dem ungewöhnlichen »Zweikampf« in der Fußgängerzone gibt es also leider nicht. Eins aber ist sicher: Zupacken kann er, der David Wagner. Und sollte sich der Trainerstuhl bei den Königsblauen mal wieder als Schleudersitz erweisen: Die Gütersloher Polizei nähme ihn bestimmt noch immer mit Kusshand. Und blau sind deren Uniformen inzwischen auch.

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