Do., 16.05.2019

Spielwaren Witthoff: Blick auf enorme Schäden nach Abbruch des Nachbarhauses »Wir wollen bald Klarheit haben«

Mareike Gellermann (36) steht vor der Wand, die seit dem Abbruch der dahinter angrenzenden, früheren »Nordsee«-Immobilie mehrere Risse aufweist. Die verlaufen von links oben nach rechts unten, sind mit Spezialharz ausgespritzt worden.

Mareike Gellermann (36) steht vor der Wand, die seit dem Abbruch der dahinter angrenzenden, früheren »Nordsee«-Immobilie mehrere Risse aufweist. Die verlaufen von links oben nach rechts unten, sind mit Spezialharz ausgespritzt worden. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). In wenigen Monaten soll der Neubau der evangelischen Kirchengemeinde am Berliner Platz feierlich eröffnet werden. Doch gleich nebenan ist das Wohnen inzwischen unmöglich geworden, weil kein Fenster und keine Tür mehr richtig schließen.

Brigitte Gellermann (66) und Tochter Mareike (36) haben dem WESTFALEN-BLATT jetzt erstmals einen Blick auf die enormen Schäden in ihrem Wohn- und Geschäftshaus in bester Innenstadtlage gewährt. Denn seit dem Abriss der früheren »Nordsee«-Immobilie nebenan im Februar 2018 durchziehen Risse ihr Gebäude.

Die beiden Frauen, die im Erdgeschoss das traditionsreiche Spielwarengeschäft Witthoff führen, können die oberen Etagen des Hauses von 1901 nur noch als Lager nutzen. Sie selbst sind inzwischen ausgezogen, weil in den Zimmern zum Berliner Platz hin der Wind durch die Spalten von Fenstern und Rahmen zieht.

Gutachten noch nicht fertig

»Kaum eine Tür lässt sich noch schließen«, berichtet Brigitte Gellermann. In einem Raum zum Neubau nebenan bietet sich nach dem Wegräumen von großen Regalwänden der direkte Blick auf drei gewaltige Risse, die sich von links oben nach rechts unten ziehen. Die Gegenseite, die evangelische Kirchengemeinde und das Architekturbüro Birgit Melisch, hätten inzwischen die Schäden mit Epoxydharz so gut wie möglich ausbessern lassen, berichtet Mareike Gellermann, »doch haben sich in der neugegossenen Kellersohle wieder Risse gebildet und es ist Grundwasser eingedrungen«, ergänzt ihre Mutter Brigitte.

Der Neubau rechts soll im September bezogen werden, links davon: ein ungelöstes Problem. Foto: Carsten Borgmeier

Erneut Wasser im Keller

Insgesamt wirken Mutter und Tochter niedergeschlagen, weil noch immer nicht sämtliche Schäden bekannt sind und die Gutachter beider Seiten, die Bielefelder Thomas Lampe (Gellermann) und Heinrich Brameyer (Kirchengemeinde), noch kein Resultat zur Situation des Hauses vorgelegt haben. Die Krux: Um auch im Erdgeschoss mögliche Risse aufzuspüren, müsste das Geschäft ausgeräumt und für Wochen geschlossen werden. »Während dieser Zeit entfiele dann der Umsatz«, fügt die ältere Geschäftsfrau an. »Wir wollen aber bald Klarheit haben«, seufzt die Juniorchefin.

Trotz der Ungewissheit, ob ihr altehrwürdiges Zuhause überhaupt noch zu retten ist, hoffen Mutter und Tochter auf eine außergerichtliche Lösung. »Das Tischtuch mit der Kirchengemeinde ist nicht zerschnitten«, betont Brigitte Gellermann, wenngleich zwischenzeitlich bei ihnen der Eindruck entstanden war, der Nachbar spiele auf Zeit.

In der Klärungsphase

Eine frühere Aussage der Gütersloher Architektin Birgit Melisch gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, der Fall sei mit dem Ausspritzen der Risse mit dem Spezialharz erledigt, sorgt bei den Geschädigten für Kopfschütteln. »Das sehen wir etwas anders«, so Mareike Gellermann, die sich mit ihrer Mutter anwaltlich vertreten lässt.

Von Seiten der Kirchengemeinde teilte Sprecherin Stephanie Deppe am Mittwoch mit: »Wir sind derzeitig noch in der Klärungsphase und können noch keine finale Stellung dazu nehmen.«

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