Sa., 25.05.2019

Zwischen Bielefeld und Münster soll es endlich schneller voran gehen Neuer Anlauf an der Bundesstraße 64

Die Mitglieder von vier Bürgerinitiativen warnen vor großen Natur- und Umweltschäden durch den Ausbau der B64.

Die Mitglieder von vier Bürgerinitiativen warnen vor großen Natur- und Umweltschäden durch den Ausbau der B64. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Herzebrock-Clarholz (WB). Das Navigationsgerät gibt für die 60 Kilometer lange Strecke zwischen den Rathäusern Gütersloh und Münster eine Fahrzeit von einer Stunde, 14 Minuten an. Das ist eigentlich nur am frühen Sonntagmorgen möglich, falls unterwegs kein Schützenfest gefeiert wird. Unter zwei Stunden ist sonst nichts zu machen.

Die Beschleunigung der Fahrzeit durch den dreispurigen Ausbau der Bundesstraße 64 von Herzebrock-Clarholz über Beelen und Warendorf bis Münster würde dem Bundesverkehrswegeplan zufolge 137,1 Millionen Euro kosten – und jede Menge Natur zerstören, Lebensräume von Tieren und Pflanzen vernichten, mehr Lärm verursachen. Der von Bürgern erstrittene Naturschutz hat bis Mitte der neunziger Jahre jeden Versuch vereitelt, die wirtschaftlichen Oberzentren schneller miteinander zu verbinden: »In 80 Tagen um die Welt? Kaum schneller: Münster - Bielefeld«, lautet ein Spruch unter Vertriebsmitarbeitern.

Ausharren hinterm Trecker

Gut 45 Jahre lang war das der Status Quo auf dieser Strecke. Noch als die Infrastruktur in den neuen deutschen Bundesländern kräftig ausgebaut wurde, harrten Pendler in Herzebrock, Clarholz, Telgte, Beelen, Freckenhorst, Warendorf hinter immer wieder neuen Treckern, Lkws, Ampeln und Auffahrunfällen aus. Petitionen, Appelle und Anträge aus Rat- und Kreishäusern hatten unter rot-grünen Landesregierungen keine Chance. Doch im März 2016 gelang ein Durchbruch, mit dem die Mitglieder der Bürger-, Umwelt- und Verkehrsinitiativen in den betroffenen Kommunen nie und nimmer gerechnet hatten: Der Ausbau der Bundesstraße 64 durch drei Ortsumgehungen wurde in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen. Das war eine Finanzierungszusage.

Der Coup der Unternehmer

Der Coup ging vor allem auf den Einfluss des 2011 gegründeten Vereins »Pro B64n« zurück, dem sowohl Landräte, Bürgermeister und Ratsmitglieder angehörten als auch Geschäftsführer großer Unternehmen. Ihr von den Industrie- und Handelskammern in Bielefeld und Münster unterstützter Einfluss auf Landes- und Bundesebene führte jetzt sogar zu einer zügigen Aufnahme der Planfeststellungsverfahren zu den zwischen 1996 und 2004 festgelegten Trassenverläufen – 2020 soll es damit in Herzebrock-Clarholz losgehen. Die in die Defensive geratenen Bürgerinitiativen haben sich 2017 zusammengeschlossen, mit Landes- und Bundesverbänden vernetzt und den Kontakt zu Rechtsanwälten aufgenommen, die auf Umwelt- und Verkehrsrecht versiert sind. Sie fürchten, dass ihre Ortschaften zu Opfern der beiden Oberzentren und Industriekonzerne werden.

Neues Beteiligungsverfahren

In der Zehntscheune der Probstei von Herzebrock-Clarholz führen Dr. Antje Grobe und Daniel Mönius von der Firma Dialog Basis Einzelgespräche, die diesem Eindruck strikt entgegenwirken sollen. Im Auftrag des Landestraßenbauamtes Straßen NRW sammeln sie vorab Einwände, Bedenken, Anregungen, um die Bürgeranhörung zum Planfeststellungsverfahren vorzubereiten – eine in Nordrhein-Westfalen bisher erstmalig praktizierte Beteiligungsform. Grobe: »Dank dieser Vorarbeit gehen die Vertreter von Straßen NRW besser vorbereitet in das Anhörungsverfahren. Wir hoffen, damit für viele der geäußerten Sorgen bereits Lösungen anbieten zu können.«

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