Do., 30.05.2019

Gütersloher Firma hat sich auf Abbau der riesigen Anlagen spezialisiert – mit Video Vielen Windrädern droht ab 2021 das Aus

Drahtseilakt: Mit zwei Kränen wird ein Teil des Turms bewegt. Ziel ist es, das Stück waagerecht auf den Boden zu bringen.

Drahtseilakt: Mit zwei Kränen wird ein Teil des Turms bewegt. Ziel ist es, das Stück waagerecht auf den Boden zu bringen. Foto: Fahrenwald

Von Hendrik Fahrenwald

Diemelsee/Gütersloh (WB). Sie prägen seit Jahren unser Landschaftsbild: Über 30.000 Windenergieanlagen stehen in Deutschland auf Feldern oder auf hoher See. Doch vielen von ihnen droht bald der Abriss.

Mit gelber Warnweste und Helm steht Ralf Voßhenrich inmitten des Windparks. Der 46-Jährige ist Leiter der Abteilung Windkraft beim Gütersloher Unternehmen Hagedorn. Sein Auftrag: Vier Windräder in der hessischen Gemeinde Diemelsee abbauen. Drei von ihnen gehen als Ersatzteile direkt nach Polen. Eins wird nicht mehr gebraucht, kann entsorgt werden. Ein Tag reicht den Arbeitern, um ein Windrad bis zum Fundament abzubauen.

Doch warum kommen die Windräder überhaupt weg? Sie nähern sich dem Ende ihrer Lebensdauer. 18 Jahre sind die Anlagen alt. 20 Jahre ist die durchschnittliche Lebensdauer. Ein weiteres Kriterium, das Betreiber beschäftigt: Die staatlich garantierte Förderung fällt Ende 2020 weg. Zu dieser Zeit erreichen nach Informationen der Bundesregierung gleich 5608 Windenergieanlagen das Ende des Förderzeitraums des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Etwa die Hälfte der heutigen Anlagen sind bis Ende 2025 betroffen. Dann können die Windkraftbetreiber entscheiden: Ersetze ich alt gegen neu? Betreibe ich die Anlage ohne staatliche Förderung weiter? Oder baue ich das Windrad ab und lasse es recyceln?

Voßhenrich kann sich schon mal die Hände reiben. Im vergangenen Jahr begleitete sein Unternehmen 48 Projekte in ganz Deutschland. In Zukunft dürften es deutlich mehr werden, denn Hagedorn ist gefragt. »Wir sind einige der wenigen, die den Abbau als Komplettpaket anbieten«, sagt Voßhenrich. Selbst für die Zerkleinerung der starken Rotorblätter, die jedem Wind in 70 Metern Höhe trotzen, hat Hagedorn eine Lösung gefunden. Auf der Baustelle werden die Flügel mit einer Spezialsäge zerkleinert. Das erledigen zwei Mitarbeiter von Voßhenrich, wie auch das Zerschneiden des Turms. »Wir kümmern uns um das, was unten ist. Andere Leistungen kaufen wir hinzu«, sagt Voßhenrich. Wie zum Beispiel den Abbau des Windrads. Gesprengt wird so eine Anlage übrigens selten. Nur wenn das Windrad gebrannt habe oder die Statik unklar sei, sagt Voßhenrich.

Vor Ort werden bald zwei neue Anlagen an der Stelle gebaut. Sie kosten einen mittleren einstelligen Millionenbetrag und haben mehr Leistung.

Kommentare

Beim zersägen und zerkleinern in der freien Natur, werden sicherlich große Mengen krebserregende Glasfaser-Späne freigesetzt, die anschließend zb. durch Aufnahme der Tiere, in die Nahrungskette der Menschen gelangen, oder über den Luftweg in die Lungen eines Menschen geraten. Das sind die Schattenseiten der Energiewende. Ich wünschte, die Anlagen würden genauso sorgsam wieder abgebaut, wie sie aufgebaut wurden. Ich habe große Bedenken gegenüber unbrennbaren oder langlebigen Materialien (wie zb. Asbest/Glaswolle/Kohlefaser/ usw.).

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