Sa., 08.06.2019

Herzebrock-Clarholz: Neues Regionales Bündnis B64n will sich Diskussionen stellen 25 Initiativen fordern den Ausbau

Die IHK-Präsidenten Dr. Benedikt Hüffer (links) und Wolf D. Meier-Scheuven unterzeichnen Memorandum und Gründungsurkunde des Regionalen Bündnisses für die B64n. Ein Exemplar davon darf Minister Hendrik Wüst (Mitte) mit nach Düsseldorf nehmen.

Die IHK-Präsidenten Dr. Benedikt Hüffer (links) und Wolf D. Meier-Scheuven unterzeichnen Memorandum und Gründungsurkunde des Regionalen Bündnisses für die B64n. Ein Exemplar davon darf Minister Hendrik Wüst (Mitte) mit nach Düsseldorf nehmen. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die Übergabe des Memorandums zum Ausbau der Bundesstraße 64 zwischen Herzebrock-Clarholz und Warendorf ist auf 11 Uhr angesetzt. Früher hat es keinen Sinn, weil alle Teilnehmer sich erst einmal über die vorhandene Straße oder Schleichwege zur Firma Steinel durchschlängeln müssen.

Den Standort, an dem Verkehrsminister Hendrik Wüst der erneute, dringende Neubau-Appell überreicht werden soll, haben die beiden Industrie- und Handelskammern Ostwestfalen und Nord Westfalen aus doppeltem Grund gewählt. Zum einen hat Firmeninhaber Ingo Steinel schon 2005 mehr als 70 Unternehmer für die Initiative »B64plus« gewonnen, um den seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aktiven Bürger- und Umweltinitiativen die Stimme der Wirtschaft entgegenzuhalten. Zum anderen steht in Herzebrock-Clarholz das erste von drei Planfeststellungsverfahren zum Neubau von Ortsumgehungen an, der Präzedenzfall sozusagen.

»Wir bauen keine Autobahn«

Selbstverständlich heben die Vertreter aus 25 Verbänden, Initiativen und Kammern in ihren Stellungnahmen die enorme Bedeutung einer zügigen, staufreien Verbindung der Wirtschaftsräume Ostwestfalen und Münsterland hervor. Doch sowohl Dr. Benedikt Hüffer von der IHK Nord Westfalen als auch Verkehrsminister Hendrik Wüst gehen ausführlich auf die Einsprüche und den Widerstand der Bürgerinitiativen ein. Wüst verspricht einen hochwertigen, flächenschonenden Ausgleich für die durch den Neubau zerstörte Natur, er verwahrt sich aber auch gegen unfaire Vergleiche: »Eine vierspurige Autobahn kommt auf eine Breite von 28 Meter. Die von uns geplanten Umgehungsstrecken messen gerade einmal 12,50 Meter. Wir bauen keine Autobahn durch die Landschaft.«

Vor allem Frauen profitieren

In eine ökologische Bilanz des Neubauprojektes gehören nach Ansicht von DGB-Regionalgeschäftsführerin Anke Unger auch geringere Emissionen, weniger Lärm und ein schrumpfendes Unfallrisiko, die durch einen endlich flüssiger fließenden Verkehr zwischen Bielefeld und Münster erreicht werden können. Aus ihrer Perspektive wichtig sei außerdem die Zeitersparnis der in den Industrie- und Handwerksfirmen beschäftigten Mitarbeiter: »Unter ihnen sind es vor allem Frauen, die zwischen den Ober- und Mittelzentren pendeln, um in Halbtagstätigkeiten etwas für ihre Familien hinzuzuverdienen. Es wäre ein ungeheurer Gewinn an Lebensqualität für sie, nicht mehr täglich im Stau stehen zu müssen.«

Die Gefahr verödenden Einzelhandels in den betroffenen Ortszentren sieht auch Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe: »Doch das liegt am Online-Handel und nicht an der B64n.« Vergleichbare Verkehrsprojekte – etwa der Neubau der B67 – hätten gezeigt, dass der ortsansässige Einzelhandel davon profitiere: »Damit wird eine gezielte Ortskernentwicklung ermöglicht und damit eine Steigerung der Aufenthaltsqualität auch für Kunden.« Das neue Regionale Bündnis für die B64n kündigt an, sich den Diskussionen vor Ort zu stellen.

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