Do., 13.06.2019

Gütersloh: Bei Kindeswohlgefährdung schreitet Kreisjugendamt massiv ein 101 Kinder in Gefahr

In 101 Fällen ist das Kreisjugendamt im vergangenen Jahr wegen akuter oder latenter Kindeswohlgefährdung eingeschritten.

In 101 Fällen ist das Kreisjugendamt im vergangenen Jahr wegen akuter oder latenter Kindeswohlgefährdung eingeschritten. Foto: dpa

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Das Kreisjugendamt in Gütersloh hat schon weit vor dem Fall Lügde ein Radarsystem installiert, das frühzeitig auf mögliche Kindeswohlgefährdungen hinweisen soll. Seit 2007 sind sowohl Allgemein- und Kinderärzte als auch Lehrer und Erzieher in Kitas verpflichtet, dem Jugendamt zu melden, falls ihnen etwas seltsam vorkommt.

Im vergangenen Jahr lieferte dieses Radar dem Jahresbericht des Kreisjugendamtes zufolge 579 Meldungen – neun mehr als 2017. In 51 dieser Fälle (8,8 Prozent) stellte sich heraus, dass es sich tatsächlich um eine latente, also unterschwellige, Gefährdung handelte, in 50 Fällen (8,6 Prozent) lag eine akute Gefährdung vor. In solchen Situationen sind Kinder und Jugendliche in Lebensgefahr, sei es durch eine nachweislich körperliche oder psychische Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuelle Gewalt.

Verdreckte Wohnung ist auch gefährlich

Meist nimmt das Jugendamt solche Kinder umgehend in Obhut. Die Zahl solcher 107 Maßnahmen überschreitet jedoch die der akuten Gefährdungen. Weil auch latente Gefährdungen das Kindeswohl nachhaltig beschädigen können, schreitet das Jugendamt in solchen Fällen ebenfalls mit dem schärfsten Mittel ein. Das Kind wird aus der Familie genommen, wenn die gemeinsame Wohnung dermaßen verdreckt und vermüllt ist, dass gesundheitlichen Risiken drohen. Die Kinder werden dann in einer Pflegefamilie oder Wohngruppe untergebracht. Nähere Verwandte wie Großeltern, Tanten, Onkel, kommen auch als (vorübergehender) Hafen in Frage, werden jedoch zuvor genau auf ihre Eignung hin geprüft.

Unter den zehn, vom Kreisjugendamt betreuten Kommunen sticht diesmal Versmold mit einer Steigerung der Fälle von 38 (im Jahr 2917) auf 109 hervor. In Rietberg, dem bisherigen Spitzenreiter in der Statistik, sanken die Fälle von 126 auf 91. Die zweithöchste Zahl von Kindeswohlgefährdungen (94) wird im vergangenen Jahr in Versmolds Nachbarkommune Harsewinkel registriert. Ob der Anstieg in beiden Kommunen mit der hohen Zahl von Werkvertragsarbeitern und ihrer Familien zusammenhängt, geht aus dem Jahresbericht nicht hervor. Es gibt vorerst auch keine Vergleichszahlen aus Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück – diese Städte unterhalten eigene Jugendämter.

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