Do., 13.06.2019

Gütersloh: Bima lässt 16 Hektar herauslösen, um eine Südtangente zu ermöglichen Nationales Naturerbe ist geschrumpft

Zugepflasterte Flächen auf dem Kasernenareal könnten für die Natur entsiegelt und als Ausgleichsflächen genutzt werden. Diese Möglichkeit wird in einem Gutachten geprüft.

Zugepflasterte Flächen auf dem Kasernenareal könnten für die Natur entsiegelt und als Ausgleichsflächen genutzt werden. Diese Möglichkeit wird in einem Gutachten geprüft. Foto: Wolfgang Wotke

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Das Nationale Naturerbe auf dem Kasernenareal an der Marienfelder Straße ist über Nacht geschrumpft. Es ist jetzt 16 Hektar kleiner als zuvor, nimmt mit 206 Hektar aber nach wie vor zwei Drittel des Geländes ein.

Die 16 Hektar hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) auf Wunsch der Stadt Gütersloh aus dem Naturerbe-Areal herausnehmen lassen. Sie befinden sich am südlichen Ende, an der Straße »Am Stellbrink«. Dort könnte einmal eine die Marienfelder Straße entlastende »Südtangente« gebaut werden – sie war von Verkehrsexperten in drei Bürgerversammlungen empfohlen worden. Wilhelm Gröver, Leiter der Abteilung Umwelt: »Nur weil jetzt planerische Voraussetzungen geschaffen werden, heißt das noch lange nicht, dass diese Straße auch tatsächlich gebaut wird.«

Südtangente bleibt möglich

Angelika Daum vom Naturschutzbund im Kreis Gütersloh kritisiert diese Vorgehensweise im Landschaftsbeirat des Kreises Gütersloh dennoch als befremdlich: »Wir tun also nichts, um künftigen Autoverkehr dort zu verhindern?« Gröver: »Wir schaffen nur die Voraussetzungen, ihn nicht von vornherein auszuschließen.«

Inwieweit solch eine mögliche Südtangente überhaupt mit einem Nationalen Naturerbe vereinbar ist, untersucht derzeit Ulrich Cordes vom Landschaftsplanungsbüro Lökplan aus Anröchte. Bis Mitte kommenden Jahres soll er im Auftrag von Bima und Bundesamt für Naturschutz die verschiedenen Pflanzen- und Tierarten auf dem Areal ermitteln, einen Pflegeplan erstellen und Empfehlungen ausarbeiten, wie das Naturerbe vor Störungen durch das geplante Gewerbegebiet, durch Besucher oder eben den Straßenverkehr geschützt werden kann. Die Studie werde auch zeigen, inwieweit betonierte Flächen wie die Landebahn entsiegelt und als Ausgleichsflächen eingesetzt werden können. Wilhelm Gröver kündigt an, die Ergebnisse zum Jahresende 2020 im Beirat vorzustellen: »Schon jetzt wird auf dem Gelände gemäht. Das geschieht im Auftrag der Bima und in enger Abstimmung mit der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld.«

Arbeit am Landschaftsplan

Der Kreis strebe an, die Naturerbefläche als Naturschutzgebiet in den Landschaftsplan für die Stadt Gütersloh aufzunehmen. Eine Arbeitsgruppe des Kreisumweltausschusses habe in bisher 15 Sitzungen und drei Außenterminen die überwiegende Zahl von Einwänden gegen den Landschaftsplan geprüft; weitere zwei Sitzungen seien noch erforderlich, um wirklich alle Widersprüche zu untersuchen. Einen gewissen Ärger habe der besondere Schutzstatus von Niederungen und Uferabschnitten an Bächen erzeugt, die an landwirtschaftlich genutzten Feldern grenzten. Für sie habe der Kriterien-Katalog angepasst werden müssen.

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