Sa., 15.06.2019

Gütersloher Behörde startet Versuchsbetrieb – Freiwillige gesucht Polizei testet Telefonfilter gegen Betrugsanrufe

Kriminologe Marco Hein (41).

Kriminologe Marco Hein (41). Foto: C. Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). Die Polizei Gütersloh testet wie berichtet in einem bundesweit einzigartigen Projekt ein Gerät, das Senioren vor Betrugsanrufen schützen soll. Der Telefonfilter »Rufus« wurde von Jungunternehmern aus Hövelhof (Kreis Paderborn) entwickelt.

Die Box wird zwischen Telefon und Buchse angeschlossen und filtert je nach Voreinstellung bestimmte Anrufe heraus. Das Gerät kann auch gefälschte Telefonnummern erkennen und blockieren.

In der höchsten von fünf möglichen Sicherheitsstufen werden nur Anrufe von vorher eingegebenen Nummern durchgelassen. Stufe vier: Jeder Anruf wird an eine Vertrauensperson weitergeleitet – eine Option, die sich vor allem für pflegebedürftige oder demente Menschen empfehle. In Stufe drei leitet das Gerät alle unbekannten Anrufe auf eine Sprachbox um – so hat der Angerufene Zeit zum Reagieren und Löschen. Stufe zwei teilt dem Anrufer per automatisierter Ansage mit, dass das folgende Gespräch aufgezeichnet wird – diese Sicherheitsstufe dient vor allem zur Abwehr von Betrügern.

100 Testpersonen gesucht

Stufe eins arbeitet ohne Mitschnitt, teilt aber dem Anrufer vor Zustandekommen der Verbindung per Ansage mit, dass er eine bestimmte Taste zu drücken habe. Das soll ebenfalls Betrüger abschrecken und zugleich sogenannte Ping-Anrufe verhindern – ein computergeneriertes Kurzklingeln, das den Angerufenen zu einem Rückruf animieren soll und ihn eine Menge Geld kosten kann.

Getestet wird das Gerät im Zuge des Projekts »Täter schocken – Anruf blocken!«, das federführend von Marco Hein (41) in der Kreispolizeibehörde Gütersloh entwickelt wurde. Die Behörde sucht jetzt etwa 100 Testpersonen im Alter von 60 Jahren aufwärts. Bewerben können sich Senioren oder deren Familien aus Gütersloh, Verl und Schloß Holte-Stukenbrock bei der Polizei in Gütersloh (05241/8691872). Voraussichtlich von August an soll die Bedienerfreundlichkeit der Boxen drei Monate lang ermittelt werden. Die Testpersonen dürfen die Geräte anschließend behalten. Partner der Polizei sind die Hochschule Darmstadt, die das Projekt wissenschaftlich begleitet, und die Hövelhofer Gesellschaft für technische Kriminalprävention (GTK), die »Rufus« entwickelt hat.

Betrüger ergaunern 14 Millionen Euro

Falsche Polizisten und Enkeltrick-Betrüger haben in NRW 2018 mehr als 14 Millionen Euro ergaunert. Das geht aus einer Statistik das Landeskriminalamts (LKA) hervor.

Opfer des Betrugs seien in den meisten Fällen Senioren. Ein Hauptgrund: Ältere Menschen hätten noch viel Respekt vor der Polizei, melde sich dann ein angeblicher Kommissar am Telefon, würden ihm Senioren oftmals blind vertrauen, so Hein. Außerdem seien die meist aus dem Ausland agierenden Betrüger oftmals psychologisch gut geschult, ebenso in der Gesprächsführung.

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