Bezahlbarer Wohnraum: Nina Herrling stellt drastisches Konzept vor
Stadtbaurätin will durchgreifen

Gütersloh (WB). Mit einem drastischen Konzept sollen Grundstückseigentümer im Stadtgebiet jetzt dazu gebracht werden, ihre freien Flächen mit Wohnungen zu bebauen. Nur so kann nach Ansicht von Stadtbaurätin Nina Herrling (44) der wachsende Bedarf bedient werden.

Mittwoch, 19.06.2019, 13:15 Uhr aktualisiert: 19.06.2019, 14:00 Uhr
Nina Herrling (44) will bezahlbaren Wohnraum in der wachsenden Stadt Gütersloh schaffen. Dazu soll auch nachverdichtet werden. Foto: Carsten Borgmeier
Nina Herrling (44) will bezahlbaren Wohnraum in der wachsenden Stadt Gütersloh schaffen. Dazu soll auch nachverdichtet werden. Foto: Carsten Borgmeier

Bislang hat die Stadt bei Ausweisung neuen Baulands das Recht, 50 Prozent der Flächen selbst anzukaufen. Mit diesem Instrument – Kommunales Baulandmanagement 50 (KBM 50) genannt – ist die Kommune in der Lage, bezahlbaren Wohnraum für bestimmte Zielgruppen zu schaffen. Die übrigen 50 Prozent können bislang frei veräußert und beplant werden. Die Grundstückseigentümer erzielen auf dem freien Markt in der Regel deutlich höhere Erlöse.

Das Konzept von Stadtbaurätin Nina Herrling sieht vor, dass die Kommune von 2021 an bis zu 100 Prozent des neuen Baulands ankaufen und beplanen kann. Dieser Entwurf (KB 100) sehe bewusst eine zweijährige Übergangszeit vor, um die Eigentümer von Flächen im Stadtgebiet jetzt zum Bauen zu bewegen, so lange noch KB 50 gelte. Das neue Konzept soll am Montag, 1. Juli, im Planungsausschuss vorgestellt werden. Gehe die Politik mit, so könne in der nächsten Ratssitzung am Donnerstag, 11. Juli, die Sache abschließend entschieden werden.

Zum Hintergrund: Während beispielsweise Höxter nach aktueller Statistik des Landes jüngst einen jährlichen Bevölkerungsrückgang um 11,6 Prozent hauptsächlich durch Wegzug zu verzeichnen hatte, gehört Gütersloh hingegen mit einem Einwohner-Plus von 2,3 Prozent neben Paderborn (plus 3,1 Prozent) zu den regionalen Gewinnern.

Gütersloh und Paderborn wachsen

»Unsere Stadt wächst und damit entsteht mehr Wohnbedarf. Bis 2030 werden uns etwa 6000 Wohnungen fehlen«, berichtet Herrling im Rahmen einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. »Vor allem bezahlbare Geschosswohnungen gibt es hier zu wenige. Deshalb müssen wir jetzt aktiv werden«, betont die 44-Jährige. »Und dazu müssen wir die Rahmenbedingungen für das Bauen von Wohnraum neu gestalten.«

Die Stadt stehe dabei vor der Herausforderung, Bauland zu schaffen, aber auch Ressourcen zu schonen. »Gütersloh ist eine Stadt im Grünen und das soll sie auch bleiben«, so Nina Herrling. Aktuell gebe es im Stadtgebiet 160 Hektar Bauland, »das bebaut werden könnte, aber nicht bebaut wird«.

Die Fläche entspreche 224 Fußballfeldern, auf denen Häuser stehen dürften, »aber bislang bauen die privaten Eigentümer nicht«, sagt die 44-Jährige, »weil sie vielleicht auf weitere Preissteigerungen hoffen oder Veränderungen scheuen.« So sollen jetzt die Eigentümer ruhender Flächen für den dringenden Bedarf bezahlbaren Wohnraums im Stadtgebiet sensibilisiert werden. »Gemeinsam mit ihnen wollen wir eventuelle Hindernisse zum Bauen beseitigen. Gelingt dies nicht, kann die Stadt das Baurecht für die betreffende Fläche zurücknehmen.«

160 Hektar Bauland stehe im Stadtgebiet bereit

Als weiteren, wichtigen Eckpunkt des Konzepts soll die Art der Bebauung neu geregelt werden: »Fläche ist knapp. Damit Gütersloh grün bleibt, muss sorgsam mit der Ressource umgegangen werden.« Im Klartext: Bestehende Objekte sollen aufgestockt, um Anbauten erweitert werden dürfen. Dort gelte es, entsprechende Qualitätskriterien zu entwickeln. Im Vergleich zu anderen Kommunen des Landes gebe es in Gütersloh verhältnismäßig viele Ein- und Zweifamilienhäuser, so Herrling, Mehrfamilienhäuser seien hier das Ziel.

Die Stadtbaurätin abschließend: »Dass Gütersloh sich weiter als lebendige und wachsende Stadt entwickelt, ist nicht selbstverständlich. Doch ohne Flächen kommen wir nicht weiter.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6704424?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Merkel beschwört Solidarität im Kampf gegen Corona-Pandemie
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt im Bundestag eine Regierungserklärung zur Bewältigung der Corona-Pandemie ab.
Nachrichten-Ticker