Fr., 05.07.2019

Fischsterben in der Ems: Vereinsvorsitzender Borgmann verärgert »Kreis hält Ergebnisse zurück«

Seit vergangener Woche sind viele tausend tote Fische aus der Ems geborgen worden. Sie sollen aufgrund extrem niedrigen Sauerstoffgehalts im Wasser erstickt sein. Doch was ist die Ursache dafür? Analysen laufen dem Lanuv zufolge noch.

Seit vergangener Woche sind viele tausend tote Fische aus der Ems geborgen worden. Sie sollen aufgrund extrem niedrigen Sauerstoffgehalts im Wasser erstickt sein. Doch was ist die Ursache dafür? Analysen laufen dem Lanuv zufolge noch. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). Im Fall des bislang ungeklärten Fischsterbens in der Ems knarrt es zwischen der Unteren Wasserbehörde des Kreises und dem Sportfischerei-Verein Rheda-Gütersloh. Dessen Vorsitzender Marcus Borgmann beklagt, dass ihm die Behörde Labor-Ergebnisse vorenthalte.

Aus Datenschutzgründen wolle die Kreisverwaltung die bislang vorliegenden Ergebnisse nicht an den Sportfischerei-Verein herausgeben, sagte Borgmann jetzt im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. »Ich halte das vor allem deshalb für nicht richtig, weil wir Eigentümer, und nicht bloß Pächter der Fischerei-Rechte in jenem Bereich der Ems sind.« Es gebe schließlich ein Umwelt-Informationsgesetz, »und deshalb haben wir ein Recht darauf, die kompletten Untersuchungsergebnisse zu bekommen«.

Datenschutzgründe nur vorgeschoben?

Anfang vergangener Woche war einem Sportfischer auf Höhe des Bänischsees bei Rheda-Wiedenbrück das Fischsterben in der Ems aufgefallen. Es stellte sich heraus, dass in einem etwa acht Kilometer langen Abschnitt des Flusses bis zur Brocker Mühle (Herzebrock-Clarholz) viele tausend Fische verendet waren. Zudem wurde in jenen Bereichen ein brauner Schaumteppich auf dem Wasser gesichtet.

Der Sportfischerei-Verein (1000 Mitglieder) schaltete sofort die Untere Wasserbehörde des Kreises ein, die wiederum umgehend Proben beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) in Auftrag gab.

Was bisher bekannt wurde: Im untersuchten Bereich der Ems lag ein extrem niedriger Sauerstoffgehalt vor, die Fische erstickten also im Wasser. Borgmann ist sich sicher: »Dafür gibt es keinen natürlichen Grund, wie es in heißen Sommern mal vorkommen kann.« Heißt: Es müsse etwas Unzulässiges (zum Beispiel Gülle, Abwässer, Chemikalien) in die Ems eingeleitet worden sein. Borgmann spricht vom größten Fischsterben in der Ems seit etwa 30 Jahren.

Untersuchungen noch nicht abgeschlossen

Vom Lanuv (Recklinghausen) äußerte sich Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage: »Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.« Es sei ein schwieriger Fall, weil man nicht genau wisse, wonach man suchen solle. Den extrem niedrigen Sauerstoffgehalt im Emswasser bestätigte die Sprecherin, »doch die Ursache dafür haben wir noch nicht gefunden.«

Polizei und Staatsanwaltschaft involviert?

Das Lanuv erstatte nach Abschluss der Untersuchungen an den Kreis (Untere Wasserbehörde) Bericht, denn der sei Auftraggeber. Der Sportfischerei-Verein habe ein Recht darauf, die Ergebnisse zu erfahren, aber erst, wenn alle Analysen vorlägen. Auch wenn beispielsweise Polizei oder Staatsanwaltschaft im Laufe der Untersuchungen mit einbezogen werden, könnten Ergebnisse vorerst zurückgehalten werden.

Aus der Kreisverwaltung war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

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