Sa., 06.07.2019

Mitarbeiter nach Streik ausgesperrt – Verdi fordert schnelle Lösung Dicke Luft im Cinestar-Kino

Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Cinestar vor, sich im Streit um einen neuen Tarifvertrag rechtswidrig verhalten zu haben. Auch in Gütersloh sind einige Mitarbeiter nach einem befristeten Streik ausgesperrt worden.

Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Cinestar vor, sich im Streit um einen neuen Tarifvertrag rechtswidrig verhalten zu haben. Auch in Gütersloh sind einige Mitarbeiter nach einem befristeten Streik ausgesperrt worden. Foto: Wolfgang Wotke

Von Wolfgang Wotke

Gütersloh (WB). Die Mitarbeiter von Cinestar liegen im Clinch mit ihrem Arbeitgeber. Es geht um mehr Mindestlohn. Jetzt sind einige Arbeitnehmer auch in Gütersloh von der Theaterleitung unbefristet ausgesperrt worden. Die finanzielle Lage vieler Kinos ist derzeit angespannt.

Der Tarifvertrag mit Cinestar ist im Februar ausgelaufen. Bislang hat es fünf Verhandlungsrunden gegeben – ohne Erfolg. Die Gespräche sind festgefahren. Es gibt bislang auch keine neuen Angebote von Cinestar. Die Gewerkschaft Verdi fordert Löhne, die »deutlich über dem Mindestlohn und auch über dessen künftigen Erhöhungen liegen«. Derzeit betrage der Einstiegslohn 9,19 Euro bei Servicekräften – das Niveau des Mindestlohns. Als Zielvorstellung benennt Verdi 12,63 Euro – die Summe, die nötig sei, um im Alter nicht von der Existenzsicherung abhängig zu sein.

Verdi sieht Aussperrungen als Eskalation

Die Gewerkschaft hat 2017 einen Entgelttarifvertrag abgeschlossen, den sie fristgemäß zum 28. Februar gekündigt hat. Nachdem Verdi mit Warnstreiks Cinestar nicht dazu bewegen konnte, einen neuen Tarifvertrag abzuschließen, ist sie dazu übergegangen, zu Streiks aufzurufen. In Gütersloh wurden seit dem 1. Juni die Arbeitnehmer an 13 Tagen zu kurzen befristeten Streiks aufgerufen, zum letzten Mal am 30. Juni. Jetzt habe der Theaterleiter erklärt, dass alle Arbeitnehmer, die sich an Streikmaßnahmen beteiligt haben, unbefristet ausgesperrt seien.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) fordert die Geschäftsführung von Cinestar auf, in der laufenden Tarifauseinandersetzung unverzüglich die Aussperrung streikender Beschäftigter zu beenden. »Streikende durch eine Aussperrung von ihrer Arbeit auszuschließen, ist eine vollkommen unangemessene und auch unverhältnismäßige Reaktion auf den legitimen Kampf unserer Kollegen für eine angemessene Bezahlung«, sagt Verdi-Verhandlungsführer Holm-Andreas Sie­radzki.

Aussperrungen seien eine Eskalation und absolut kein geeignetes Mittel, um eine Tarifausein­andersetzung zu einem gütlichen Ende zu führen. Darüber müsse sich die Cinestar-Geschäftsführung bewusst sein. »Nach monatelangen Auseinandersetzungen sollte es jetzt das Ziel aller Beteiligten sein, sich konstruktiv zu überlegen, wie eine Lösung im Tarifkonflikt aussehen könnte.«

Arbeitsgericht Bielefeld verhandelt am Mittwoch

Verdi will jetzt mit einem Antrag im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes erreichen, dass die Arbeitgeberin verpflichtet wird, es zu unterlassen, Arbeitnehmer in Gütersloh unbefristet auszusperren. Die 6. Kammer des Arbeitsgerichts Bielefeld verhandelt darüber am Mittwoch, 10. Juli, um 10.45 Uhr in Saal 2. Betriebsratsmitglied Sven Gehse war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Cinestar ist der größte Multiplex-Kino-Betreiber in Deutschland mit mehr als 50 Standorten und rund 2500 Arbeitnehmern. Der britische Cinemaxx-Eigentümer Vue Entertainment hat 2018 nach eigenen Angaben Cinestar für bis zu 222 Millionen Euro gekauft. Das Bundeskartellamt muss noch zustimmen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6751611?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F