Mo., 12.08.2019

Tausende Abonnenten schauen zu, wenn Julian (28) »GTA V« spielt Sein Geld verdient er spielend

Die Welt von »GTA V« ist Julians Arbeitsplatz: Etwa 70.000 Leute folgen seinen Streams auf der Plattform »Twitch«.

Die Welt von »GTA V« ist Julians Arbeitsplatz: Etwa 70.000 Leute folgen seinen Streams auf der Plattform »Twitch«. Foto: Renée Trippler

Von Renée Trippler

Gütersloh (WB). Sein Arbeitstag beginnt, wenn andere Feierabend haben und seine Follower zuhause sind – und dauert gerne mal bis in die frühen Morgenstunden. Denn Julian (28) verdient sein Geld als selbstständiger Streamer im Bereich Videospiel-Gaming.

Es ist ein bisschen, als tauchte man in eine andere Welt ein, wenn man das Studio des 28-Jährigen im Kreis Gütersloh betritt. Er hat einen ganzen Raum bei sich zuhause nach und nach an seine Bedürfnisse angepasst und ihn so in eine wahre Gamer-Oase verwandelt.

In der Mitte: ein großer Tisch mit zwei Tastaturen und drei Bildschirmen, zwei Kameras (eine an den Monitoren, eine seitlich) und ein Mikrofon samt Mischpult. Dahinter an der Wand in beleuchteten Glaskästen zwei Hochleistungs-PCs – »das eine ist ein Gaming-PC, der andere ist nur zum Streamen da«, erklärt Julian. Also für die Live-Übertragung ins Internet. Die Wände hat Julian für die Qualität seiner Tonaufnahmen mit Schaumstoffmatten ausgekleidet. »Für so eine professionelle Ausstattung muss man schon einen fünfstelligen Betrag in die Hand nehmen«, sagt er.

Streams sind sein Geschäft

Aber er kann von den Streams auch gut leben: Seit drei Jahren ist Julian hauptberuflich dabei. Dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat, hat einen ernsten Hintergrund: Der Fachangestellte für Bäderbetriebe ist seit einer chronischen Hauterkrankung berufsunfähig. »Mir blieb nichts anderes übrig, als mich neu zu orientieren, und da hab ich alles in die Waagschale geworfen«, sagt Julian. »Ich habe zweieinhalb Jahre für die Firma ›TakeTV‹ als Streamer und Caster gearbeitet. Das heißt, ich habe die Spiele von Profis auf Deutsch kommentiert«, sagt er.

Damals drehte sich noch alles um »Overwatch« – ein Schießspiel (»Shooter«), wie es von vielen ­E-Sportlern gespielt wird. Es geht dabei um den Sieg als Team, und mittlerweile um horrende Preisgelder. Zur Zeit spiele er für den Großteil seiner Streams im »GTA«-Roleplay (Rollenspiel). Das sei »wie eine Art Improvisationstheater, aber nicht auf der Bühne, sondern live im Internet.«

Livestream statt Fernsehen

Julians Spiele werden live übertragen (gestreamed) und von Zuschauern verfolgt. Die Zeiten hätten sich geändert, es werde kaum noch ferngesehen, meint er: »Die Zuschauer kommen nach Hause und wollen ihre Youtuber oder Streamer sehen.« Seine Abonnenten seien im Schnitt 23 Jahre alt.

Die momentan populärste Plattform für die Gaming-Streams ist »Twitch«. Dort hat der 28-Jährige derzeit 70.000 Follower. Ein Teil von ihnen, derzeit um die 3500, zahle einen monatlichen Beitrag für ein Abo, sagt Julian. Alle seine Streams sind aber auch kostenlos abrufbar. Im Schnitt habe er dauerhaft 1500 Zuschauer, während er live sei.

Seine Einnahmen generiert er neben den zahlenden Abonnenten auch durch Werbepartner, deren Logos oder Weblinks in oder um seinen Stream abwechselnd zu sehen sind. Die wichtigsten Partner in der Branche seien neben Produzenten von Computerzubehör wie beispielsweise Grafikkarten verschiedene Hersteller von Energiedrinks, sagt Julian.

200 Stunden auf Sendung

Seine Tätigkeit sei zwar nach wie vor Hobby und Leidenschaft, aber eben auch Arbeit: sechs bis sieben Tage die Woche. »Es gibt keinen Monat unter 200 Live-Stunden«, sagt er. »Klar gibt es auch mal Tage, an denen man keine Lust hat. Jetzt war grade Schützenfest und ich war nicht einmal da. Aber sobald man wieder live und mit den Leuten im Kontakt ist, dann macht es sofort wieder Spaß.«

Seine Freunde im analogen Leben unterstützten ihn dennoch, sagt er: »Klar hätten sie mich gerne öfter bei sich, aber sie wissen auch, wie hart ich für alles gekämpft habe.«

Zum Twitch-Kanal

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