Mi., 14.08.2019

Sie wollte im Gericht im Fall einer Einstellung des Verfahrens für ihren Enkel zahlen Oma kommt mit »Lösegeld«

Foto: Wolfgang Wotke

Von Uwe Caspar

Gütersloh (WB). Wenn ein Enkel finanziell in der Patsche sitzt, ist oft die Großmutter sein letzter Rettungsanker. So wie die gutmütige Oma eines wegen gewerblichen Betrugs und Vorspiegelung falscher Tatsachen in 14 Fällen angeklagten Güterslohers.

Richter lehnt Deal ab

Für den Fall, dass das Amtsgericht das Verfahren gegen Zahlung einer Geldsumme einstellen würde – das war der Vorschlag des Verteidigers – hätte die anwesende Großmutter des Beschuldigten den Betrag von 1200 Euro beglichen. »Sie hatte das Geld dabei, wir hätten es noch im Gerichtssaal bar auszahlen können«, verrät Rechtsanwalt Jost Heidrich, der die Interessen seines Mandanten vertritt, nach der Verhandlung mit einem leichten Schmunzeln. Doch der Vorsitzende Richter ließ sich aufgrund des komplizierten und somit nur schwer durchschaubaren Vorgangs auf den Deal nicht ein.

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Sie hatte das Geld dabei, wir hätten es noch im Gerichtssaal bar auszahlen können.

Rechtsanwalt Jost Heidrich

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Vorgeworfen wird dem 34-jährigen Mann: Er soll für die mutmaßlich von ihm über den Online-Marktplatz Ebay angebotenen, hochwertigen Ferngläser der Marke Zeiss insgesamt etwa 5000 Euro kassiert haben – lieferte jedoch keine Ware aus.

Angeklagter bestreitet Schwindelverkauf

Die 14 geprellten Kunden zahlten im Herbst des vergangenen Jahres auf das Konto des Angeklagten Beträge zwischen 200 und 600 Euro ein. Der junge Gütersloher, den aktuell ein Schuldenberg von etwa 30.000 Euro drückt, bestreitet den ihm vom Staatsanwalt angelasteten Schwindelverkauf im Internet – er habe mit der Sache nichts zu tun gehabt. Weil der Beschuldigte zu dem Zeitpunkt bei einem früheren Ar­beitskollegen angeblich in der Kreide stand, habe er diesem seine EC-Karte inklusive Pinnummer überlassen und ihm somit den Zugriff auf sein Konto möglich gemacht.

Zeuge dementiert energisch

Das allerdings dementierte der als Zeuge geladene Ex-Kollege energisch: »Ich hatte nicht seine EC-Karte, er hatte bei mir auch keine Schulden.« Fakt ist: Von den 5000 Euro wurden 3800 Euro abgehoben. Allerdings nicht von ihm, wie der 34-Jährige behauptet.

Betreuung wegen Drogenproblemen

Keiner weiß, in welche Kanäle das Geld geflossen ist. Wegen seiner Drogenprobleme wird der Angeklagte (»Ich nehme aber keine Drogen mehr«) inzwischen psychologisch betreut.

Zwei neue Namen tauchen plötzlich auf

Weil während der Verhandlung überraschenderweise die Namen von zwei weiteren Personen fielen, die in dem Fall involviert sein sollen, wird das Verfahren nun zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt. »Wir müssen weiter ermitteln, es wird noch spannend«, hofft der zuständige Richter des Gütersloher Amtsgerichtes, den bislang verworrenen Sachverhalt aufklären zu können. Nach Ende der Verhandlung verließen Angeklagter und Großmutter gemeinsam das Amtsgericht – Oma kann erst mal ihr »Lösegeld« behalten.

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