Weltweit wohl einzigartiger Bagger-Simulator bei Hagedorn in Betrieb
Abbrechen auf virtueller Baustelle

Gütersloh (WB). Nicht nur Jet-Piloten und Panzer-Fahrer trainieren im Simulator: Bei der Gütersloher Abbruch-Firma Hagedorn ist jetzt eigenen Angaben zufolge die erste virtuelle Kabine für Baggerführer in Betrieb genommen worden.

Samstag, 17.08.2019, 15:15 Uhr aktualisiert: 17.08.2019, 15:20 Uhr
Wenn bei der Simulation Fehler gemacht werden, geht das nicht so ins Geld wie auf einer realen Baustelle. Demnach können Bewerber für den Job als Baggerfahrer deutlich entspannter üben – die Gütersloher Firma Hagedorn macht es möglich.

Nein, Thomas Hagedorn ist kein Maßstab: Im zarten Alter von acht Jahren hatte der Inhaber der 39 Einzelfirmen umfassenden Unternehmensgruppe zum ersten Mal in einem Bagger gesessen. Ein paar Jahre später gewann er immer wieder Wetten, bei denen er wie damals in der legendären ZDF-Show mit den groben Zähnen eines tonnenschweren Abbruchbaggers einzelne Flaschen innerhalb einer Bierkiste sanft hin und her setzte.

Neues Zeitalter der Maschinenführer-Ausbildung

22 Jahre nach der Firmengründung startet Hagedorn jetzt mit dem weltweit wohl ersten Vollkabinen 3-D-Baggersimulator in ein neues Zeitalter der Maschinenführer-Ausbildung. Ähnlich wie bei seit Jahrzehnten existierenden Flugzeug-, Panzer-oder Formel-1-Simulatoren  können Bewerber auf ihre praktischen Fähigkeiten im Umgang mit der Baggerschaufel geschult werden.

Das Gütersloher Unternehmen bildet in dem neuen Simulator seine 95 Maschinisten aus, Bauhelfer werden zu Baggerfahrern fortgebildet, im virtuellen Raum kann die Arbeitssicherheit erhöht werden und auch die Königsklasse Longfront-Bagger sieht die Software vor. »Auch können besonders knifflige Situationen wie das Einreißen von Dächern, Arbeiten an Fassaden oder der Abriss in beengten Situationen geprobt werden, ohne dass was schiefgehen kann. Firmenchefin Barbara Hagedorn: »So können wir auf Anhieb erkennen, wer das passende Fingerspitzengefühl hat.«

Simulator wiegt 3,5 Tonnen

Nach gut 18-monatiger Entwicklungszeit ist der 3,5 Tonnen schwere Simulator seit Anfang Mai fester Ausbildungsbestandteil der Hagedorn-Akademie. Die Reaktionen seien überwältigend, sagt Christian Hülsewig als Geschäftsführer und Gesellschafter von Hagedorn Innovation und maßgeblich an der technischen Realisierung beteiligt: »Alle sind total begeistert. Das fühlt sich wie echtes Baggerfahren an.«

Unterstützung bekam Hagedorn bei der Simulator-Entwicklung von zwei Seiten. Die Firma Zeppelin als Deutschlands großer Baumaschinenhändler lieferte die  1,5 Tonnen schwere original Caterpillar-Kabine und übernahm die Hälfte der Entwicklungskosten von 350.000 Euro. Das Programm schrieb der schwedische Software-Entwickler  Oryx.

Sieben Rund-um-Monitore

Kern des Simulators ist die klimatisierte, mit sieben Rund-um-Monitoren ausgestattete dreidimensionale Kabine, in der alle Hebel und Pedale der Steuerbereiche (Fahrzeugbewegung, Kabinendrehung, Ausfahren des Armes und Arbeiten mit den Anbauteilen) wie in echten Fahrzeugen bedient werden. Alleine die Koordination der vier Standartbereiche treibt Anfängern Schweißperlen auf die Stirn.

Um alle potenziellen Einsatzgebiete austesten zu können, stehen die sechs Programme Abbruch, Sortieren, Pulverisieren, Hämmern, Schrott schneiden und verschiedene Lade-Szenarien zur Verfügung.

Ein Bagger kostet so viel wie ein Einfamilienhaus.

Christian Hülsewig

Begeht der Proband einen Fehler, leuchten sofort Warnhinweise wie »Schaden in der Umgebung«, »Maschinenschaden« oder »Kollision mit einem Felsen« auf. Ein spezieller Baggertrainer überwacht die Tätigkeiten an einem Kontrollmonitor, die Kommunikation erfolgt über Headsets. Christian Hülsewig: »Ein Bagger kostet so viel wie ein Einfamilienhaus.« Schließlich kann nicht jeder auf Anhieb mit den Baggerzähnen so filigran Bierflaschen bewegen wie Thomas Hagedorn.

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