Sa., 17.08.2019

Plastik sparen, ökologischer werden: eine Nachhaltigkeits-Bilanz nach sechs Monaten Ganz grün geht’s (bei mir) nicht

Ist die Zahnbürste aus Bambus oder Buchenholz wirklich besser zu entsorgen als die aus Plastik? Fest steht, für die Herstellung wird kein Erdöl verwendet – vorausgesetzt, die Borsten sind auch aus biologisch (schnell) abbaubaren Materialien. Mir gibt die Nutzung einmal täglich jedenfalls ein besseres Gefühl.

Ist die Zahnbürste aus Bambus oder Buchenholz wirklich besser zu entsorgen als die aus Plastik? Fest steht, für die Herstellung wird kein Erdöl verwendet – vorausgesetzt, die Borsten sind auch aus biologisch (schnell) abbaubaren Materialien. Mir gibt die Nutzung einmal täglich jedenfalls ein besseres Gefühl. Foto: Carsten Borgmeier

Von Dunja Delker

Gütersloh (WB). Vor einem halben Jahr habe ich den Selbstversuch gestartet. Wie kann ich Plastik sparen und nachhaltiger leben? Wo kann ich in meinem Alltag grüne Akzente setzen? Jetzt ist Zeit für eine Bilanz.

Zugegeben, ich war euphorisch und musste häufiger erkennen, dass einige Ziele sich im Alltag nicht oder nur sehr schwierig umsetzen lassen. Andere Dinge hingegen sind für mich mittlerweile selbstverständlich geworden.

Einkauf

Ich plane meine Einkäufe jetzt besser. In meiner Handtasche habe ich immer einen Jute-Beutel dabei, so dass ich auf Plastik- und Papiertüten verzichten kann.

Im Supermarkt habe ich Beutel für Obst und Gemüse, Brot und Brötchen dabei. Eingepacktes Obst und Gemüse versuche ich komplett zu vermeiden. Deswegen gibt’s im Winter auch keine Gurken. Richtig ärgerlich macht es mich, dass es noch Menschen gibt, die Bananen in die Plastiktüten stecken. Da kann man doch nur mit dem Kopf schütteln! Für Fleisch und Wurst nehme ich Dosen mit. Das ist in der Regel in den Supermärkten kein Problem mehr.

Kosmetik

Bei Kosmetik achte ich darauf, Cremes im Metall- oder Glastiegel zu kaufen. Doch ich stoße auch an meine Grenzen: Augencreme, Wimperntusche oder Lipgloss beispielsweise habe ich noch nicht in plastikfreier Verpackung gefunden, bei Sonnen- und Handcreme ist es genauso. Gute Erfahrungen habe ich mit Deocreme in der Metalldose, (Haar-) Seife und Abschminkpads aus alten Handtüchern statt Watte gemacht.

Zahnputztabletten haben sich für mich als nicht praktikabel erwiesen. Sie geben mir nicht das Gefühl, dass meine Zähne wirklich sauber sind. Nicht durchgesetzt haben sich in meinem Bad auch Olivenöl oder Kokosfett als Alternative zur Bodylotion. Meine Haut ist schon wenige Stunden nach dem Eincremen wieder trocken.

Zahnbürste

Morgens putze ich meine Zähne nach wie vor mit der elektrischen Zahnbürste. Abends nehme ich die hölzerne Variante. Die besteht entweder aus Bambus (ein schnell nachwachsender Rohstoff, für den aber lange Transportwege in Kauf genommen werden müssen) oder aus Buchenholz.

Interessant sind aber die Borsten: Manche Hersteller verwenden nach wie vor synthetische Borsten. Dann müssen Griff und Kopf unbedingt getrennt entsorgt werden. Mein Exemplar aus der Drogerie soll Borsten haben, die »aus bis zu 100 Prozent biologisch nachwachsenden Ressourcen« bestehen soll. Tja. Wie so oft fühlt man sich mit dieser Information als Verbraucher allein gelassen.

Beim Hersteller Bürsten Redecker aus Versmold (Kreis Gütersloh) habe ich nachgefragt. Das Traditionsunternehmen benutzt Schweineborsten. Für mich kein Problem, Vegetarier und Veganer könnten das anders sehen.

Putzmittel

Auch im Bereich der Putzmittel haben mich nicht alle Alternativen überzeugt. Zitronensäure und Essig sind als Kalk- und Schmutzlöser aus meiner Sicht durchaus eine Alternative. Unzufrieden hingegen war ich mit dem Einsatz von Kernseife und Waschsoda als Wasch- beziehungsweise Spülmittel. Mir geben diese Mittel nicht das Gefühl, dass meine Kleidung beziehungsweise mein Geschirr sauber sind.

Deswegen greife ich lieber auf Nachpüllpacks zurück, die – wenn man der Werbung Glauben schenkt – in recyceltes Plastik abgefüllt werden und mit Blick aufs Volumen längst nicht so viel Müll machen wie herkömmliche Plastikflaschen.

Fortbewegung

Weniger Autofahren schont nicht nur die Umwelt, sondern hält auch fit und spart Benzin und damit bares Geld. Das sage ich meinen Kindern immer wieder, wenn sie lieber mit dem Auto als mit dem Fahrrad fahren würden. Die Macht der Gewohnheit setzt sich langsam durch. Besonders für meinen fünfjährigen Sohn hat sich der Kauf eines »Follow me« (family-cycling.de) gelohnt. Meistens radelt er selbst. Doch wenn er doch mal erschöpft ist, kann ich sein Kinderrad im Handumdrehen an meins montieren.

Ecosia – das grüne Google

Seit wenigen Wochen nutze ich Ecosia, eine ökologische Suchmaschine, die zur UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen freigeschaltet wurde. Das Berliner Unternehmen spendet nach eigenen Angaben 80 Prozent seines Einnahmeüberschusses für gemeinnützige Naturschutzorganisationen, die sich für die Wiederaufforstung und das Pflanzen von Bäumen engagieren. Am 13. Februar 2019 verkündete Ecosia, 50 Millionen Bäume gepflanzt zu haben.

In Sachen Urlaub ist die Bahn übrigens durchaus eine Alternative zum Auto. Wer früh genug bucht, kann richtige Schnäppchen machen und für die Fahrt nach Berlin oder Sylt Geld und – in Zeiten von Dauerstaus – auch Zeit und Nerven sparen. Bequemer ist es auch.

Für meine nächste Flugreise möchte ich den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid gerne kompensieren. »Atmosfair« (www.atmosfair.de) ist eine Klimaschutzorganisation mit dem Schwerpunkt Reise, die nach eigenen Angaben Treibhausgase durch erneuerbare Energien kompensiert. Flugpassagiere (oder Kreuzfahrer) zahlen freiwillig einen von den Emissionen abhängigen Beitrag, den »Atmosfair« nach eigenen Angaben dazu verwendet, erneuerbare Energien vor allem in Entwicklungsländern auszubauen. Für unseren Familienflug nach Sardinien wären so etwa 50 Euro fällig.

Und sonst

Viele »Kleinigkeiten« sind in meinem Alltag selbstverständlich: Coffee-to-go gibt’s nur im eigenen Becher, Eis zum Mitnehmen ausschließlich in der Waffel, Blumen gieße ich entweder mit Wasser aus dem Trockner (den ich kaum noch benutze), oder ich verwende das, in dem ich zuvor Obst/Gemüse gewaschen habe.

In Sachen »Papier sparen« überlege ich mir ganz genau, was ausgedruckt werden muss. Papier-Rückseiten (beispielsweise auch von Briefen) nutzen ich und meine Kinder als Schmierpapier.

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